Ferienimmobilien Anlegen und hinlegen

Das Geld in einer Ferienimmobilie anlegen - immer mehr Deutsche denken über ein solches Investment nach, zumal die Anlagealternativen rar geworden sind. Selbst Krisenländer wie Spanien und Griechenland kommen dafür in Betracht. Vor allem Spanien lockt mit scheinbar günstigen Preisen.
Von Arne Gottschalck
Die Immobilienpreise in Spanien sind zum Teil stark gefallen: Verlockend für regenmüde Deutsche

Die Immobilienpreise in Spanien sind zum Teil stark gefallen: Verlockend für regenmüde Deutsche

Foto: Getty Images / Sasha Baumann

Hamburg - 4 Prozent der Deutschen halten Griechenland die Treue. Trotz der politischen Visionen einer Transferunion, denen der Syriza-Chef und potentielle griechische Regierungschef Alexis Tsipras nachhängt. Trotz der immer wieder aufflackernden Proteste in Athen auch gegen Deutschland. 4 Prozent der Deutschen sehen Griechenland trotz allem als sicheren Standort für eine Auslandsimmobilie.

Die Zahl zeigt zumindest eines: Der Druck auf den Anlegern ist inzwischen so hoch, dass selbst Anlagen wie solche in Griechenland ins Kalkül gezogen werden. Noch mehr Investoren aus Deutschland könnten sich vorstellen, ihr Geld in spanische Immobilien anzulegen.

"Wir sind inzwischen in der Finanzkrise 2.0 angelangt", sagt Axel Becker von der Südwestbank. "Die Investoren suchen daher wie noch nie nach sicheren Anlagen. Während sie früher nur aufs Rating geschaut haben, bewerten sie jetzt auch unterschiedliche Szenarien und achten sehr auf die Risiken potentieller Anlagen. Und so kommt es, dass viele von ihnen in deutsche Bundesanleihen investieren - oder eben in Immobilien."

Vor allem in Deutschland, wo die Wirtschaft im europäischen Vergleich noch robust dasteht, aber auch innerhalb Europas, wo es zumindest im Euroraum kein Währungsrisiko gegeben ist, anders als zum Beispiel im Dollarraum.

Hauspreise in Spanien seit dem Boom um 50 Prozent gefallen

Trotz allem würden die Deutschen lieber in ein Ferienhaus in der Schweiz investieren, belegt eine Studie von Jäger-Bau. 36 Prozent der Befragten hielten das Land für einen sicheren Standort. Doch gleich, ob Griechenland oder Schweiz, die Ferienimmobilie scheint für viele Deutsche an Attraktivität gewonnen zu haben. Vor allem als Kapitalanlage. Denn die Alternativen sind rar gesät.

Aktien sind den meisten Investoren zu riskant volatil, Staatsanleihen werfen zu wenig ab. Daher kann sich inzwischen jeder vierte Deutsche vorstellen, eine Ferienimmobilie zu erwerben, so eine Emnid-Umfrage im Auftrag der BHW Immobilien. Das Interesse an so einer Art der Geldanlage ist im Vergleich zu 2010 um 5 Prozentpunkte gestiegen, verzeichnet die Studie.

Die Entscheidung einfacher macht für viele, dass die Preise durch die Finanzkrise in einigen Ländern extrem gefallen sind. Spanische Ferienhäuser zum Beispiel kosten derzeit im Vergleich zum Boom gerade einmal die Hälfte.

Sogar die spanische Wohnungsministerin Beatriz Corredor taucht inzwischen auf Verkaufsveranstaltungen auf und versucht, die potentiellen Käufer vom Charme spanischer Immobilien zu überzeugen. In Deutschland ist so eine Anschubhilfe nicht nötig, dort steigen die Preise wegen der günstigen Bauzinsen bereits deutlich.

"Nachfrage auf dem deutschen Markt ist stark gestiegen"

"Auf dem eher konservativ ausgerichteten deutschen Markt ist die Nachfrage insbesondere in den letzten Jahren (...) stark gestiegen", beobachtet Kurt Sarstrup von KPS Invest. "Zusätzlich zu dem allgemeinen 'Herrlichkeitswert', den der Besitz einer Ferienimmobilie bietet, steht neben der generellen Orientierung in Sachwerte die Vermietung und die hierdurch erzielbare Rendite immer stärker im Vordergrund. Die Vielzahl der Projekte an Nord- und Ostsee sprechen hierfür eine klare Sache."

Und auch die Zahlen einer Umfrage unter deutschen Ferienhaustouristen der Firma Homeaway Fewo-Direkt. 56,8 Prozent der in der Studie befragten Immobilieneigner haben ihr Haus in der Zeit von 1999 bis 2009 erworben. Im vergleichsweise ruhigen Zeitraum von 1970 bis 1979 waren es nur 4,6 Prozent. Steigt die Nervosität, steigt also auch das Interesse an Ferienimmobilien.

"Etwa 80 bis 85 Prozent unserer Kunden sind private Investoren, die Ferienimmobilien zur Kapitalanlage erwerben", das sieht auch Patricia Deneke so. Sie ist Regionsleiterin Ostsee bei NCC Deutschland. "Selbstnutzer gibt es weit weniger. Das liegt nicht zuletzt daran, dass in vielen Fällen die Vermietung an ständig wechselnde Gäste bereits im Bebauungsplan festgesetzt ist."

Zumal das auch mit den Urlaubsgewohnheiten der Deutschen überein stimmt. Fast 95 Prozent der Deutschen verbringen ihren Urlaub innerhalb Europas, belegt die Umfrage unter deutschen Ferienhaustouristen. Und die andauernde Finanzkrise dürfte diese Entwicklung weiterhin verstärken. "Der Trend und die große Nachfrage nach Ferienimmobilien an der Ostsee wird auch weiterhin anhalten"m sagt Deneke. "Vor dem Hintergrund der Eurokrise werden die einst als eher 'bieder' geltenden Ferienorte am Meer für Touristen aus Deutschland zunehmend attraktiv."

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