Donnerstag, 22. August 2019

Immobilienfinanzierung Assekuranz lockt mit niedrigsten Bauzinsen

In Toplagen sind die Preise für Wohnimmobilien stark angezogen, anderswo fällt der Preisanstieg moderat aus. Versicherer bieten jetzt besonders günstige Finanzierungen. Dafür haben sie gute Gründe

2. Teil: Versicherer bei langen Laufzeiten kaum zu schlagen

Nicht selten werfen Baudarlehen auch höhere Zinsen ab, als Versicherer sie derzeit mit anderen festverzinslichen Anlagen erzielen können. Immobilienkäufer, die das Haus oder die Wohnung selbst nutzen, gelten zudem als sichere Schuldner. Die Allianz Leben und die Debeka Versicherungsgruppe berichten in diesem Kontext von treuen Kunden und geringen Ausfallquoten bei der Kapitalanlage in Immobilienfinanzierungen.

Die Offerten der Assekuranz haben es in sich. Bei Baugeldvergleichen mit langfristiger Zinsbindung über 15 oder 20 Jahre rangieren Angebote der Versicherer regelmäßig unter den Top 15, berichtet Max Herbst. Dabei treten sie direkt oder verdeckt über Vermittler auf. Letzteres wohl auch, um sich am Markt nicht den Ruf des Billigheimers einzufangen.

Beispiel eins: Immobilienkaufpreis: 250.000 Euro; Darlehen 175.000 Euro; Tilgung 2 Prozent, Zinssatz 15 Jahre fest. Sechs der besten 15 Angebote, die die FMH-Finanzberatung für manager magazin online unter hunderten Offerten am Freitag herausgesucht hat, stammen von Versicherern. Die beste Assekuranz-Offerte (Axa-Leben) weist einen Effektivzinssatz von 3,25 Prozent aus. Das beste Angebot überhaupt (PSD Bank Nürnberg) glänzt mit einem Effektivzinssatz von 3,09 Prozent.

Beispiel zwei unterscheidet sich vom ersten lediglich durch eine 20 Jahre währende feste Zinsbindung. Acht der besten 15 Offerten stammen von Versicherern, gleich vier von ihnen zählen zu den Top 5. Axa Leben, Allianz und Ergo glänzen dabei mit Effektivzinssätzen zwischen 3,30 und 3,40 Prozent. "Bei langen Laufzeiten sind die Angebote der Versicherer kaum zu schlagen", sagt Herbst.

Dass Versicherer Baukredite und zusehends auch andere Finanzierungen zu so günstigen Konditionen anbieten können, hat seinen Grund. Banken müssen die ausgegebenen Darlehen am Kapitalmarkt über Anleihen und Pfandbriefe refinanzieren, sind vom dortigen Zinsniveau abhängig. Lebensversicherer dagegen legen schlicht das Geld ihrer Kunden an.

Allianz und Debeka steigern Baufinanzierungsvolumen zweistellig

Dass der garantierte Mindestzins für Lebensversicherungen in diesem Jahr auf 1,75 Prozent gefallen ist, kommt der Assekuranz im Baufinanzierungsgeschäft dabei entgegen. "Je weiter sich der Mindestzins von den Kreditzinsen entfernt, desto wettbewerbsstärker sind die Versicherer in der Baufinanzierung gegenüber Banken", sagt Achim Reif vom Verband der Pfandbriefbanken.

Doch kommen die Offerten der Assekuranz bei den Kunden an? Für einzelne Versicherer trifft dies sicherlich zu, und die Allianz zählt zweifelsohne zu den Gewinnern auf dem Baufinanzierungsmarkt. Ihr Lebensversicherer weist für das vergangene Jahr ein Neugeschäftsvolumen von zwei Milliarden Euro aus. Gegenüber 2010 ist das eine Steigerung von 33 Prozent. Im laufenden Jahr soll Neugeschäftsvolumen auf rund drei Milliarden Euro steigen. Das wäre dann ein weiterer Anstieg um 33 Prozent.

Die Allianz Leben zählt unter den Versicherern zu den stärksten Baugeldanbietern. In den Büchern führt sie aktuell Darlehen mit einer Summe von 13 Milliarden Euro. An den Kapitalanlagen des Lebensversicherers hat die Baufinanzierung einen Anteil von 8 Prozent und liegt damit deutlich über dem Branchenschnitt der Assekuranz von 6,7 Prozent.

Die Debeka Lebens- und Krankenversicherung beziffert ihren Baudarlehensbestand auf rund vier Milliarden Euro, was 6,5 Prozent der Kapitalanlagen entspricht. Zusammen mit der Debeka Bausparkasse beläuft sich der Kreditbestand auf rund acht Milliarden Euro. "Die Nachfrage ist bereits seit einigen Jahren und auch derzeit erfreulich hoch", sagt Debeka-Chef Uwe Laue. Die Zahl der Finanzierungen der beiden Versicherungsvereine kletterte im 2011 im Vergleich zu 2010 um 16 Prozent, das abgeschlossene Volumen um 24 Prozent.

Seite 2 von 3

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung