Sonntag, 17. November 2019

Immobilienkauf Die Niedrigzinsfalle

Steigende Risiken: Was beim Immobilienkauf schief gehen kann
DPA

Immobilienboom in Deutschland, in Metropolen steigen die Preise für Häuser und Wohnungen in immer neue Höhen. Doch in vielen Kauf- und Kreditverträgen schlummern ungeahnte Risiken. Spätestens, wenn die Zinsen steigen, droht Käufern ein böses Erwachen.

Hamburg - Alberto Martínez ist ein glücklicher Mann. Der Chef des spanischen Bauträgers Triple A Immobilian hat ein Grundstück in Berlin ergattert. Auf den 2330 Quadratmetern am Neustädtischen Kirchplatz, dem laut Martínez letzten freien Baugrund im Quatier nördlich des Brandenburger Tors, will er eine Luxuswohnanlage errichten, mit Appartements für bis zu 10.500 Euro pro Quadratmeter.

Die Immobilienmisere in seinem Heimatland hat den Spanier in die deutsche Hauptstadt getrieben. "In Deutschland ist der Immobilienabsatz auch in größten Turbulenzen stabil geblieben", sagt er. "Daher lag es nahe, sich hier nach Grundstücken und Geschäftspartnern umzusehen."

Jetzt, wo Deutschland als Ort der Stabilität international in Mode kommt, ist es allerdings schwer, bei attraktiven Grundstücken zum Zuge zu kommen, so Martínez. Damit spricht er eine Entwicklung an, die in allen deutschen Metropolen zu beobachten ist: Seit Beginn der Wirtschaftskrise vor rund drei Jahren sind Immobilien begehrt wie selten zuvor. Privatleute stecken ihr Erspartes ins als verlässlich geltende Betongold, institutionelle Anleger kaufen wieder ganze Wohnungspakete.

Vor wenigen Tagen etwa teilte der internationale Immobilienberater CB Richard Ellis (CBRE) mit, der Handel mit Wohnportfolios hierzulande setze seinen im Vorjahr gestarteten Höhenflug ungebremst fort. Das Transaktionsvolumen bei Paketen ab 50 Wohneinheiten sei gegenüber dem Vorjahr im ersten Quartal um 76 Prozent gestiegen. Mit über 3,5 Milliarden Euro wurde in den ersten drei Monaten schon mehr als die Hälfte des gesamten Vorjahresumsatzes erreicht, so CBRE.

Furcht vor der Immobilienblase

Doch nicht nur Profis greifen zu. Auch bei privaten Anlegern steigt das Interesse weiter. Gerade erst ergab eine Umfrage des Baufinanzierers Interhyp und der Plattform Immobilienscout24, dass steigende Mieten und niedrige Zinsen immer mehr Menschen dazu bewegen, Wohneigentum zu erwerben. Gleichzeitig schwinde das Vertrauen in andere Investments wie etwa Aktien oder Anleihen.

Der Europace-Hauspreis-Index für Deutschland: Vor allem die Preise für neue Häuser und Wohnungen sind stark gestiegen
Europace / mm.de
Der Europace-Hauspreis-Index für Deutschland: Vor allem die Preise für neue Häuser und Wohnungen sind stark gestiegen
Die Folge: Vor allem in Ballungszentren und Großstädten steigen die Haus- und Wohnungspreise immer weiter an. Das gilt zum Beispiel für Hamburg oder München, besonders aber auch für Berlin, wo Triple-A-Chef Martínez sein Projekt plant. Die für den deutschen Markt ungewöhnlich dynamische Entwicklung lässt sich gut am Europace-Hauspreis-Index ablesen, der im März einen neuen Höchstwert erklomm (siehe Grafik).

Kurzum: Deutschland erlebt einen veritablen Immobilienboom - und der treibt den ersten Experten bereits Sorgenfalten auf die Stirn. Immer häufiger ist von einer möglichen Immobilienblase die Rede. Wie vor Beginn der Wirtschaftskrise 2008 in Großbritannien, Spanien oder den USA könnten die Preise auch hierzulande den Bezug zur Realität verlieren, so die Sorge. Früher oder später würde das fast zwangsläufig zum Kollaps führen.

Risiken, da sind sich die Experten einig, gibt es schon jetzt genug beim Immobilienkauf. Und mit jedem Tick, den das Preisniveau weiter nach oben geht, nehmen sie zu. Als größte Gefahr für die Käufer gilt gegenwärtig ein Ereignis, das irgendwann in Zukunft praktisch unausweichlich eintreten wird: Der Anstieg der Zinsen. Dadurch würden Hypotheken teurer, was die Immobiliennachfrage beeinträchtigen und den Preisanstieg stoppen dürfte. Vor allem aber könnte es vielen, die gegenwärtig am Markt zuschlagen, nachträglich einen dicken Strich durch die Kalkulation machen.

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