Milliardenerlös erhofft Bund schiebt Ost-Immobilienverkauf an

Zweiter Privatisierungsanlauf für die ostdeutschen Immobilienholding TLG: Bis Ende 2012 will der Bund 11.500 Wohnungen und Gewerbeimmobilien aus DDR-Bestand verkaufen. Vor vier Jahren scheiterten die Pläne an der Finanzkrise. Diesmal stehen die Chancen besser.
Plattenbauten in Ostdeutschland: Der Bund will sich von DDR-Immobilien trennen

Plattenbauten in Ostdeutschland: Der Bund will sich von DDR-Immobilien trennen

Foto: DPA

Hamburg - In Deutschland steht der nächste milliardenschwere Immobilienverkauf an: Die Bundesregierung hat den Startschuss für die Privatisierung der ostdeutschen Immobilienholding TLG mit ihren 11.500 Wohnungen gegeben. Bis zum 16. April könnten interessierte Investoren den Finger heben, teilte das Bundesfinanzministerium am Mittwoch mit.

Die Investmentbank Barclays Capital steuert den Verkaufsprozess und fühlt Finanzkreisen zufolge seit Wochen bei möglichen Bietern vor. Auch zahlreiche Gewerbeobjekte gehören zum Bestand der TLG. In der Branche werden allein die Wohnungen auf über eine Milliarde Euro taxiert. Sie dürfte zahlreiche strategische Interessenten anziehen, die seit langem auf der Suche nach Zukäufen auf dem stabilen deutschen Wohnungsmarkt sind.

Für die Bundesregierung ist es der zweite Anlauf, die TLG zu verkaufen. Ein erster Privatisierungsversuch war 2008 an der Finanzkrise gescheitert. Die neuen Pläne drohte zwischenzeitlich die Schuldenkrise zu Fall zu bringen, doch haben sich die Märkte seit Jahresbeginn deutlich erholt. Kaufinteressenten haben damit eine bessere Chance, die Fremdfinanzierung zu stemmen. Erst vor wenigen Wochen schlug die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW ) ihre Wohnimmobilien an ein Konsortium unter Führung der Augsburger Gesellschaft Patrizia für 1,4 Milliarden Euro los. Auch die BayernLB bereitet den Verkauf ihrer Immobilientöchter vor.

Diesen Rückenwind will das Bundesfinanzministerium nutzen. Der Verkauf soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen. Die TLG hat sich seit 1991 von einer Tochter der Treuhand zu einem aktiven und profitablen Portfolio-Manager gemausert. Sie verwaltet ein Immobilienvermögen von 1,67 Milliarden Euro. Dazu zählen neben den Wohnungen Einzelhandelsstandorte, Bürogebäude und Hotels. Regional konzentriert sich die TLG auf die Ostseeküste, Berlin und den Raum zwischen Erfurt und Dresden. Filetstücke im Gewerbebestand sind der Spreestern in Berlin und der Wilsdruffer Kubus in Dresden.

Gewerbeimmobilien werden getrennt verkauft

Zum erwarteten Verkaufserlös machte das Finanzministerium keine Angaben. Um eine größere Bieterzahl anzulocken, hat der Bund die TLG in ein Wohnungs- und ein Gewerbeportfolio aufgespalten. Eine regionale Aufspaltung des Portfolios ist dagegen nicht geplant. Dass Investoren für Wohnungen und Gewerbeimmobilien bieten, gilt als sehr unwahrscheinlich. Börsennotierte Immobiliengesellschaften fokussieren sich meist auf einen der beiden Bereiche.

So dürften sich Deutsche Wohnen oder GSW, die beide vor allem in Berlin stark präsent sind, das Wohnungsportfolio näher anschauen, sagte ein Branchenkenner. Die Bestände der TLG seien gut gemanagt. "Für Finanzinvestoren ist das eher nichts, die Rendite ist zu klein." Im Ministerium wurde betont, dass die TLG nicht nur wegen ihrer niedrigen Leerstandsquote von 2,5 Prozent interessant sei. Die Gesellschaft stehe auch finanziell auf einer gesunden Basis. Der Fremdkapitalanteil liege im Wohnungssegment bei 55 Prozent - was die Objekte pfandbrieftauglich macht. Bei den Gewerbeimmobilien seien es weniger als 35 Prozent.

Wer für die Wohnungen bietet, muss sich wie beim LBBW-Paket mit einer Sozialcharta anfreunden, die die Rechte der Mieter bei einem Eigentümerwechsel absichert. "Es kommen keine Erwerber zum Zug, die nur einen schnellen Euro machen wollen", sagte ein Beamter mit Einblick in den Prozess. Auch Luxussanierungen solle es nicht geben.

wed/rtr

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