Montag, 23. September 2019

Neuer Boom Investoren kaufen wieder deutsche Immobilien

Wohnblöcke als Anlageobjekt: Finanzinvestoren sind wieder interessiert

Internationale Investoren stürmen wieder den deutschen Immobilienmarkt. Bis zu 30 Milliarden Euro dürften 2012 in Mietshäuser, Gewerbeparks und ähnliche Objekte fließen. Dass den Großanlegern ähnliche Investments erst kürzlich massive Verluste bescherten, scheint sie wenig zu kümmern.

Hamburg - Backstein und Beton sind bei institutionellen Investoren als Anlageklasse nach wie vor äußerst gefragt. Vor allem in Deutschland: Einer Umfrage von Ernst & Young Real Estate unter Großanlegern zufolge gilt Deutschland als der stabilste Immobilienmarkt in Europa. 27 bis 30 Milliarden Euro wollen die Anleger in gewerbliche Immobilien und Wohnungsportfolios stecken, ermittelten die Berater. Vergangenes Jahr investierten die Profiinvestoren 28 Milliarden Euro in deutsches Betongold, 2010 waren es 23 Milliarden Euro.

Vor der Wirtschaftskrise fanden deutsche Immobilien bei Investoren aus aller Welt schon einmal großen Anklang. Bis 2006/2007 baute sich hierzulande wie auch anderswo an den internationalen Märkten ein schwungvoller Boom auf. 2008/2009 ließ das Interesse jedoch jäh nach.

Dass der Markt nun wieder floriert, zeigt zum Beispiel der jüngste Verkauf eines Pakets von 21.000 Wohnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) für rund 1,5 Milliarden Euro an ein Konsortium unter Führung der Immobiliengesellschaft Patrizia Börsen-Chart zeigen. Auch die BayernLB will auf Drängen der EU demnächst 33.000 Wohnungen auf den Markt werfen - Berichten zufolge steht Patrizia als Kaufinteressent erneut bereits in den Startlöchern.

Zudem sind es vor allem Finanzinvestoren, die sich um die steinernen Anlagen deutscher Provenienz reißen. Fast 60 Prozent ihrer Immobilieninvestitionen in Westeuropa steckten große Private-Equity-Fonds wie Blackstone, Carlyle & Co. vergangenes Jahr in deutsche Objekte, ermittelte die Schweizer Beratungsfirma Swisslake Capital.

Investoren haben Schiffbruch erlitten

Nach Angaben des Immobiliendienstleisters CB Richard Ellis (CBRE) kamen 53 Prozent des gesamten Investitionsvolumens in deutsche Gewerbeimmobilien 2011 aus den USA sowie dem europäischen Ausland. Zum Vergleich: 2009 waren es gerade einmal 13 Prozent. Allein im Einzelhandelsbereich waren 2011 ausländische Käufer an neun der 20 größten Transaktionen beteiligt, so Jan Dirk Poppinga, Head of Retail Investment bei CBRE in Deutschland.

Den Grund für die Attraktivität des deutschen Immobilienmarktes fasst die IVG Immobilien Börsen-Chart zeigen in ihrem jüngsten Newsletter "Market Tracker" prägnant zusammen: Deutschland ist trotz der globalen Wachstumsabschwächung im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt, heißt es dort. Der wettbewerbsstarke Exportsektor profitiere von der Abwertung des Euro Börsen-Chart zeigen, Deutschland gelte zudem als sicherer Hafen für Kapital, was sich an den niedrigen Zinsen für Bundesanleihen zeige. Auch die gute Verfassung des Arbeitsmarktes spiele eine Rolle, so die IVG.

Angesichts dieses reizvollen Umfeldes vergessen die Finanzprofis offenbar, dass sie mit ihren Immobilieninvestments erst vor kurzem Schiffbruch erlitten haben. Dabei ist es erst wenige Jahre her, dass sich das vermeintlich stabile Betongeld als übler Wertvernichter entpuppte - zum Teil auch in Deutschland.

Zunächst waren es fragwürdige US-Hypothekenkredite ("Subprime"), die zu einer der größten Finanzkrisen der Nachkriegszeit führten - und das Vertrauen der Anleger in die Wertbeständigkeit von Immobilien massiv erschütterten. Die Folge war ein rapider Vertrauensverlust, der sich am deutlichsten bei den in Deutschland lange Zeit sehr beliebten offenen Immobilienfonds zeigte.

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