Dienstag, 17. September 2019

Schwäbisch Hall Neugeschäft mit Bausparern wächst kräftig

Traum vom Eigenheim: Deutsche suchen Sicherheit für ihr Geld

Die Bausparkasse Schwäbisch Hall profitiert von den Unsicherheiten an den Finanzmärkten und hat beim Neugeschäft 2011 kräftig zugelegt. Der Marktführer gewann gut 10 Prozent mehr Kunden. Die hohe Nachfrage hat jedoch auch ihre Kehrseite: Das Unternehmen verdient weniger an Provisionen.

Stuttgart - "Erneut haben wir uns als Stabilitätsanker in der Krise erwiesen", sagte Vorstandschef Matthias Metz am Donnerstag in Stuttgart. Im vergangenen Jahr schloss der Branchenprimus in Deutschland 900.000 neue Bausparverträge mit einem Volumen von 31,7 Milliarden Euro ab. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 10,5 Prozent.

Auch 2012 will Metz beim Neugeschäft wieder die Marke von 30 Milliarden Euro knacken. "Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr - und darüber hinaus - vom Trend zu sicheren Spar- und Finanzierungsformen profitieren", sagte der Manager. Ende 2011 betreute die Bausparkasse hierzulande rund 6,8 Millionen Kunden (Vorjahr: 6,7 Millionen). Deren 7,4 Millionen Verträge summieren sich auf einen Bausparbestand von 237 Milliarden Euro (Vorjahr: 225 Milliarden Euro).

In der Baufinanzierung verzeichnet Schwäbisch Hall das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte. Das Volumen der Sofortfinanzierungen und Bauspardarlehen legte um 3,9 Prozent auf den Rekordwert von 11,2 Milliarden Euro zu.

Allgemein läuft es derzeit gut für die Branche - die herben Verluste bei Aktien, Fonds und Anleihen während der Krise lassen das Modell des konservativen, sicheren Ansparens mit einem Bausparkonto für viele Menschen wieder attraktiver erscheinen. Die Branche setzt neben der Eigenheimfinanzierung auf weitere Impulse im Bereich Modernisierung, etwa bei Investitionen in die Wärmedämmung von Häusern, und den altersgerechten Umbau.

Schwäbisch Hall trägt Bausparidee auf andere Kontinente

Doch das brummende Neugeschäft hat auch eine Kehrseite: Die Provisionen, die die Außendienstmitarbeiter bekommen, steigen. Dies drückt auf den Gewinn. Zudem macht den Bausparkassen das anhaltend niedrige Zinsniveau Sorgen. Das Vorsteuerergebnis sank bei Schwäbisch Hall im vergangenen Jahr um 8,5 Prozent auf 300 Millionen Euro.

Seine Position als Marktführer hat Schwäbisch Hall eigenen Angaben zufolge ausgebaut. Der Marktanteil liege bei 29,6 Prozent - nach 28,6 Prozent 2010. Zweitplatzierter ist der Stuttgarter Finanzkonzern Wüstenrot und Württembergische (W&W).

Bis zum Jahr 2020 will Metz die Zahl der Kunden weltweit um eine Million auf elf Millionen erhöhen. Dafür soll auch das Auslandsgeschäft weiter ausgebaut werden. "In Chile führen wir erste Gespräche über die Einführung des Bausparens, in Russland haben wir sie erneut aufgenommen", sagte Metz. In mehreren osteuropäischen Ländern und China ist die Bausparkasse bereits aktiv. Rund 3,3 Millionen Kunden im Ausland haben Verträge mit einem Volumen von 52 Milliarden Euro. Vielerorts sei das Geschäft allerdings nicht leicht, das Bausparen müsse erst bekanntgemacht werden, sagte Metz.

Die Zahl der Mitarbeiter legte weltweit leicht auf 14.688 zu, in Deutschland gab es ein leichtes Plus auf 7110 Beschäftigte. Im laufenden Jahr sollen in Deutschland 100 neue Außendienst-Mitarbeiter eingestellt werden, derzeit sind es 3888.

ak/dpa-afx

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