Luxusimmobilien Teurer wohnen

Luxus ist gefragt, trotz der Krise. Das gilt auch für Wohnimmobilien in Deutschlands Städten, wie eine Studie belegt: Der Überblick zeigt, in welchen deutschen Metropolen das stärkste Interesse an Luxus-Wohnraum herrscht. 
Von Arne Gottschalck
Edles Holz, weite Flure: So wohnt man in der Preisklasse 750.000 Euro aufwärts

Edles Holz, weite Flure: So wohnt man in der Preisklasse 750.000 Euro aufwärts

Foto: SPIEGEL ONLINE

Hamburg - So manches kann sie kalt lassen. Zum Beispiel die Erkenntnis der Direktbank Comdirect, dass jeder zweite Deutsche im kommenden Winter weniger heizen möchte, der Kosten wegen. Solche Fragen treiben Eigentümer von Luxuswohnimmobilien gemeinhin wenig um. Luxus, das definiert Makler Dahler & Co als Immobilien, die mehr als 750.000 Euro kosten. Ein Nischenmarkt? Ein Wachstumsmarkt!

Unter anderem deswegen, weil Luxus in Deutschland wieder vorzeigbar ist. "Das Krisentief aus den Jahren 2008 und 2009 ist überwunden. Deutsche legen ihre Scheu vor dem Luxus ab", sagt Johannes Spannagl, Chef des Markenexperten Brand Networks. Das gelte für Uhren und hochwertige Technologie. Aber es gilt auch für Immobilien, beobachtet man bei Dahler.

Und dabei hilft ausgerechnet die Euro-Krise. "Wir führen die große Nachfrage nach Luxuswohnimmobilien vor allem auf die anhaltende Unsicherheit an den internationalen Kapitalmärkten, auf die befürchtete Euro-Krise und die Gefahr steigender Inflationsraten zurück", sagt Björn Dahler, geschäftsführender Gesellschafter der Dahler & Company. "Vermögende Privatanleger und Investoren haben im vergangenen Jahr vor allem auf solide Kapitalanlagen in Form von Sachwerten gesetzt. Und dieser Trend hält an."

Tatsächlich wurden im Luxussegment im ersten Halbjahr 2011 im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres fast 50 Prozent mehr Immobilien verkauft. "Der Trend zur Premium-Eigentumswohnung setzt sich fort. Bereits im zweiten Halbjahr 2009 haben die Verkäufe in diesem Segment stärker angezogen als bei den Ein- und Zweifamilienhäusern. Dies war auch im ersten Halbjahr 2010 der Fall", so Dahler.

Auch für die Zukunft sind Experten optimistisch. So kommt die Beratungsgesellschaft Ernst Young in ihrer Studie "Trendbarometer Immobilien Investmentmarkt-Deutschland 2011" zu dem Ergebnis, dass 86 Prozent von über 100 befragten Investoren Deutschland auch im europäischen Vergleich für einen attraktiven Standort halten. Und das gilt auch für Wohnimmobilien. 84 Prozent der Befragten rechnet in diesem Segment mit weiterhin steigenden Preisen, zumindest in 1a-Lagen. Auch für 1b-Lagen sind noch 49 Prozent der Befragten optimistisch.

Dennoch gibt es zwischen den großen deutschen Immobilienstandorten erhebliche Unterschiede, wie die Zahlen von Dahler & Company anhand der Vermittlungen zeigen. Vor allem, was Luxuswohnungen anbelangt. Ein Überblick.

München: Die höchsten Zuwächse

Foto: A3216 Peter Kneffel/ dpa

München zum Beispiel zeigt sich als deutscher Luxusmeister, gemessen an dem Interesse an teuren Wohnungen. Zwischen dem ersten Halbjahr 2010 und dem ersten Halbjahr 2011 wuchs das Interesse an Luxuswohnungen um 141,3 Prozent, gemessen an den Transaktionen des Maklerhauses Dahler & Company. Dabei gilt dieser Zuwachs quer durch alle Preisklassen, vor allem aber in der Preiskategorie zwischen 750.000 und einer Million Euro - dort lag das Plus bei 240,91 Prozent.

An Luxushäusern dagegen sank das Interesse, gemessen an den Transaktionen des beschriebenen Zeitraums, um 2,5 Prozent. Einzig das Segment zwischen 750.000 und einer Million Euro konnte noch locken.

Frankfurt am Main: Bewegung im oberen Preissegment

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In Frankfurt am Main legte das Interesse an Luxuswohnungen um 133,3 Prozent zu. Vor allem die Preisklasse zwischen 750.000 und einer Million Euro fand reges Interesse; entsprechende Transaktionen legten nach Dahler & Company um 230 Prozent zu. Kaum Bewegung zeigte sich dagegen in der Preisklasse zwischen einer und 1,5 Millionen Euro, dort lag das Plus bei 10 Prozent.

Luxuswohnhäuser verzeichneten ein Plus des Interesses von 55,6 Prozent.

Berlin: Knapp 90 Prozent Zuwachs bei den Verkäufen

Berlin

Berlin

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

In der Bundeshaupstadt Berlin lag der Zuwachs der Verkäufe von Luxuswohnungen bei 87,8 Prozent, so die Zahlen von Dahler & Company. Dabei interessierte die Käufer insbesondere das Segment zwischen 1,5 und 2 Millionen; deren Käufe legten um 200 Prozent zu. Gerade medioker nimmt sich mit 62,07 Prozent der Zuwachs in der Preisklasse zwischen 750.000 und einer Million Euro aus.

Im Fall der Luxushäuser liegt der Zuwachs bei etwas über 58 Prozent. Mit einem Plus von 500 Prozent war das Interesse besonders an der preisklasse zwischen 1, und 2 Millionen Euro stark ausgeprägt.

Köln: Die vierthöchsten Zuwächse

Foto: Oliver Berg/ picture-alliance/ dpa

Köln verbuchte sowohl bei Wohnungen als auch bei Häusern ein deutliches Plus. So stieg das Interesse an Wohnungen zwischen dem ersten Halbjahr 2010 und dem ersten Halbjahr 2011 um 73,3 Prozent an, das an Häusern um 100 Prozent.

Vor allem Häuser in der Preisklasse zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro wurden nachgefragt. Das Plus der von Dahler & Company vermakelten Käufe lag bei 400 Prozent. Bei Wohnungen dominierte die Preisklasse zwischen 750.000 und einer Million Euro (+214,29).

Stuttgart: Die fünfthöchsten Zuwächse

Foto: Marijan Murat/ picture-alliance/ dpa

In Stuttgart wurden 40 Prozent mehr Luxuswohnungen im ersten Halbjahr 2011 als noch vor einem Jahr vermakelt (Dahler & Company). Vor allem die Preisklasse von 1 bis 1,5 Millionen dominierte - dort lag das Plus bei 300 Prozent.

Bei Wohnhäusern fiel das Plus mit 32 Prozent nicht ganz so deutlich aus. Es war die Preisklasse zwischen 750.000 und einer Million Euro, die den Handel mit Wohnhäusern bestimmte, das Plus dort lag bei 155,56 Prozent.

Hamburg: Die sechsthöchsten Zuwächse

Foto: DDP

In Hamburg lagen die Zuwächse im Segment Luxuswohnimmobilien, genauer Wohnungen, bei 37,7 Prozent. Wohnhäuser der gleichen Kategorie wurden sogar um 17,9 Prozent weniger gehandelt. Bei den Wohnungen dominierte die Preisklasse zwischen 750.000 und einer Millionen Euro - die Zahl der Kauffälle legte um über 90 Prozent zu. Auch die Championsleague legte zu; Wohnungen im Wert von über 2 Millionen Euro wurden zu 20 Prozent mehr nachgefragt, so Dahler & Company. An Objekten zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro dagegen ließ das Interesse nach.

Düsseldorf: Die siebthöchsten Zuwächse

Düsseldorf

Düsseldorf

Foto: ? Ina Fassbender / Reuters/ REUTERS

In Düsseldorf fiel der Zuwachs der untersuchten Transaktionen im Vergleich der sieben wichtigsten Immobilienstandorte Deutschlands an geringsten aus - nur um 11,7 Prozent stieg die Zahl der Wohnungskäufe im ersten Halbjahr 2011 im Luxussegment an. Blickt man auf Wohnhäuser, liegt der Sprung allerdings bei 175 Prozent deutlich höher. Bei den Wohnungen sorgte vor allem das Preissegment zwischen einer und 1,5 Millionen Euro für Auftrieb, das um 133,33 Prozent zulegte (Dahler & Company).

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