Immobilien "Zahl der Kaufgesuche aus Griechenland verdoppelt"

Griechische Käufer stürmen den deutschen Häusermarkt. Immobilienscout24-Chef Marc Stilke schildert im Gespräch mit manager magazin Online, wie die Finanzkrise die Immobilienpreise hierzulande in die Höhe treibt und wie eine Luxusvilla am besten vermarktet wird. 
Großbaustelle Hafencity in Hamburg: Deutsche Immobilien sind gefragt - auch im Ausland

Großbaustelle Hafencity in Hamburg: Deutsche Immobilien sind gefragt - auch im Ausland

Foto: Kay Nietfeld/ picture-alliance/ dpa

mm: Herr Stilke, Sie sprechen von einer gestiegenen Nachfrage aus Griechenland am deutschen Wohnimmobilienmarkt. Seit wann beobachten Sie dies und wie zeigt es sich konkret?

Stilke: Als Immobilienportal können wir die Suchanfragen unserer Nutzer vor allem quantitativ auswerten, das heißt wir können Zu- oder Abnahmen sehr schnell identifizieren. Im Zuge der Euro-Krise kam die Frage auf, ob wir diese Entwicklung auch auf dem Portal sehen können. Wir haben deshalb geprüft, ob es einen Anstieg von Kaufgesuchen mit griechischen IP-Adressen gibt.

mm: Und der war zu beobachten?

Stilke: Ja, das Ergebnis war recht eindeutig: Die Anzahl der Kaufgesuche aus Griechenland hat sich seit Jahresbeginn beinahe verdoppelt. Allerdings muss man auch sagen, dass die griechischen Kaufinteressenten im Vergleich mit Skandinaviern oder Engländern derzeit noch eine eher kleine Gruppe darstellen.

mm: Wofür interessieren sich die Griechen denn?

Stilke: Anhand der Daten und aus Gesprächen mit unseren Maklerkunden wissen wir, dass hauptsächlich Großstädte und hier besonders München im Visier griechischer Käufer sind. Dort werden vornehmlich hochwertige Objekte in den Toplagen gesucht.

mm: Kann man sagen, ob sich diese Nachfrage aus Griechenland bereits auf die Preise auswirkt?

Stilke: Um einen spürbaren Effekt auf die Preisentwicklung zu haben, ist eine einzelne Käufergruppe aus einem Land zu klein. Es ist die Summe der ausländischen und inländischen Kaufinteressenten, die Immobilienpreise wirklich steigen lässt.

mm: Aber einen generellen Preisanstieg gibt es doch nach wie vor?

Stilke: Richtig, es gibt aktuell enorm viele deutsche Käufer, die nach der Finanzkrise große Vorbehalte gegenüber Finanzprodukten und Aktien haben. Eine Immobilie als Sachwert verspricht hier Sicherheit. Diese hohe Nachfrage ist maßgeblich für den positiven Preiseffekt verantwortlich, den wir derzeit in vielen deutschen Großstädten beobachten.

mm: Wie hat sich das größere Interesse an Immobilien seit dem Beginn der Finanzkrise auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Stilke: Im Vergleich zu vor der Wirtschaftskrise sind die Kaufgesuche auf unserem gesamten Portal angestiegen: um über 500 Prozent seit Anfang 2007. Das bedeutet zwar nicht, dass im gleichen Zeitraum ebenso viele Abschlüsse erfolgt sind, aber es zeigt das enorm hohe Interesse an der Immobilie als Investment.

mm: Können Sie auch die tatsächliche Preisentwicklung verfolgen?

Stilke: Mit unserem Immobilienindex IMX können wir sehen, dass die Angebotspreise für Wohnimmobilien seit Beginn des Jahres angestiegen sind, insbesondere in den großen Städten. Makler in München haben uns berichtet, dass in bestimmten Lagen Objekte eher zugeteilt als verkauft wurden, da das vorhandene Angebot zu klein ist.

mm: Welche Trends sehen Sie generell in der Immobilienvermarktung im Internet?

Stilke: Der größte Trend ist sicherlich das Thema Mobileweb. Unsere Apps sind innerhalb kürzester Zeit über 1,3 Millionen Mal heruntergeladen worden und wir bekommen inzwischen rund 10 Prozent unseres gesamten Traffics über den mobilen Kanal. Im Vergleich zum letzten Jahr entspricht das in etwa einer Verdopplung. Das überrascht insofern nicht, da mithilfe von Smartphones die Immobiliensuche noch einfacher wird, etwa wenn ich mir über GPS jede verfügbare Immobilie im Umfeld meines Standortes anzeigen lassen kann.

mm: Gibt es Unterschiede zwischen einfachen Objekten und Luxus-Immobilien?

Stilke: Rein technisch läuft die Vermarktung gleich ab. Allerdings muss man bedenken, dass der Interessentenkreis für ein Luxus-Objekt deutlich kleiner ist als der für ein einfaches Objekt. Stimmt dann noch die Lage nicht zu 100 Prozent, kann dies zu einer längeren Vermarktungsdauer führen. Deshalb empfiehlt es sich bei Luxusobjekten, ein möglichst aussagekräftiges und informatives Onlineexposé zu erstellen.

mm: Das heißt?

Stilke: Man kann zum Beispiel mit zusätzlichen Objektvideos arbeiten oder eine prominentere Platzierung im Portal buchen. Die wichtigste Regel in der Onlinevermarktung lautet jedoch: Bilder, Bilder, Bilder. Denn über 80 Prozent der Exposés ohne Fotos werden von den Nutzern überhaupt nicht angeklickt.

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