Offener Immobilienfonds Axa Immoselect wird aufgelöst

Die Rettung des offenen Immobilienfonds Axa Immoselect ist gescheitert. In den zwei Jahren, die der Fonds bereits eingefroren ist, konnten die Fondsmanager nicht genug Immobilien verkaufen, um für Abzugswünsche von Anlegern bei einer Wiederöffnung ausreichend Bargeld zu haben.
IKB-Zentrale in Düsseldorf: Auch das Gebäude der Krisenbank gehört dem Axa Immoselect - "langfristig an ein Kreditinstitut vermietet", heißt es

IKB-Zentrale in Düsseldorf: Auch das Gebäude der Krisenbank gehört dem Axa Immoselect - "langfristig an ein Kreditinstitut vermietet", heißt es

Frankfurt am Main - "Wir bedauern die Auflösung sehr, da wir in den letzten Monaten intensiv für eine Wiederöffnung des Fonds gekämpft haben", hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung von Axa Investment Managers. "Die für eine erfolgreiche Wiederöffnung erforderliche Liquidität" sei aber nicht wiederherzustellen gewesen, begründete die Investmentgesellschaft des französischen Versicherungskonzerns Axa  diesen Schritt.

Die aktuelle Liquiditätsquote, also der Anteil frei verfügbarer und nicht in Immobilien gebundener Mittel, liege trotz Objektverkäufen bei gerade einmal 10 Prozent - nötig für eine Wiederöffnung sind normalerweise 25 bis 30 Prozent. Ansonsten würde der Fonds sofort wieder in Schieflage geraten.

Die erneute Zuspitzung der Euro-Krise habe die Entscheidungsprozesse potenzieller Immobilienkäufer verzögert, und die Zahl der Anleger, die bei einer Wiederöffnung des Fonds ihre Anteilsscheine hätten zurückgeben wollen, wäre vermutlich höher ausgefallen als noch im Frühjahr vermutet.

Im Zuge der Auflösung sei beabsichtigt, alle Immobilien des Sondervermögens zu verkaufen. Die erste Abschlagszahlung an die Anleger solle im April 2012 erfolgen. Der Axa Immoselect  war vor knapp zwei Jahren ebenso wie der Fonds Degi International  von Konkurrent Aberdeen Immobilien eingefroren worden. Für den Degi-Fonds, der zu rund 19 Prozent liquide ist, muss eine Entscheidung bis zum 16. November fallen.

Diese Entscheidung dürfte auch von den Besitzern der anderen elf Immobilienfonds mit Spannung verfolgt werden, die zurzeit ebenfalls ihre Pforten geschlossen haben. Fünf davon werden bereits komplett aufgelöst. Insgesamt sind von den Schließungen etwa 30 Prozent des Vermögens in Höhe von rund 85 Milliarden Euro betroffen, das derzeit in offenen Immobilienfonds angelegt ist.

Immobilienfonds weiterhin beliebte Geldanlage

Das Problem der Branche ist, dass im Zuge der Finanzkrise Großanleger plötzlich beträchtliche Geldmengen aus den Fonds abgezogen und diese so in Liquiditätsnot gebracht hatten. Unter solchen Umständen erlaubt es der Gesetzgeber, die Rücknahmen von Fondsanteilen auszusetzen - allerdings nur für maximal zwei Jahre. Dann muss der Anbieter entscheiden, ob er den Fonds öffnet oder das Produkt auflöst. Im Falle der Liquidation haben die Fondsgesellschaften drei Jahre Zeit, die Immobilien notfalls auch mit Verlust zu veräußern. Wer als Anleger nicht so lange warten möchte, kann seine Anteile zwar an der Börse verkaufen, muss dann aber eventuell hohe Abschläge in Kauf nehmen.

Beim Auffüllen der Kassen kommen die Gesellschaften zwar gut voran. "Zahlreiche geschlossene OIFs verkaufen derzeit Objekte", schrieben die Analysten der Ratingagentur Scope in einer Studie. Dadurch signalisierten die Manager, dass sie an eine nachhaltige Wiedereröffnung glauben. Dennoch sind die Liquiditätsquoten dieser Fonds nach Ansicht von Scope Analysis immer noch zu niedrig, um die Produkte dauerhaft offen halten zu können.

Die Bundesregierung hat nun gegengesteuert und festgelegt, dass vom 1. Januar 2013 an Altanleger nicht mehr täglich, sondern erst nach einer Kündigungsfrist von 12 Monaten ihr Kapital aus den Fonds abziehen können. Für Neuanleger beträgt die Wartefrist sogar 24 Monate. Allerdings dürfen Sparer unabhängig davon bis zu 30.000 Euro in jedem Halbjahr abheben.

Trotz der aktuellen Turbulenzen in der Branche jedoch haben die Investoren dieser Anlageklasse nicht den Rücken gekehrt. Im Gegenteil flossen den offenen Immobilienfonds zwischen Januar und August per Saldo fast 740 Millionen Euro zu, wie die aktuelle Statistik des Branchenverbandes BVI zeigt.

ak/dpa-afx/rtr
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