Samstag, 30. Mai 2020

Neue Schwindsucht Kippelige Immobilienbranche alarmiert Amerika

New York: Investoren versteifen sich auf beste Immobilienlagen

3. Teil: Ausländische Investoren steigen wieder in den US-Markt ein

Doch jetzt braut sich ein neues Unwetter zusammen, das die Erholung abzuwürgen droht. Dazu trägt die wachsende Zahl von Hiobsbotschaften aus großen Banken bei, die einen umfangreichen Jobabbau ankündigen. Die Bank of America will 10.000 Stellen streichen, ein Drittel davon allein im laufenden Quartal. Die HSBC will 30.000 Jobs abbauen, ein Zehntel der Belegschaft.

Weil seit fünf Quartalen das Einkommen aus dem Eigenhandel stagniert, werden viele Banken für die verbliebenen Mitarbeiter die Boni um bis zu 25 Prozent kürzen, erwartet der Analyst Brad Hintz beim Vermögensberater Alliance Bernstein in New York. Das wird selbst in besonders resistenten Hochburgen der gewerblichen Immobilienwirtschaft wie New York die Mietnachfrage drosseln und die Preise unter Druck setzen. Die Konjunktur verliert eine weitere Stütze. Im schlimmsten Fall bekommt sie ein neues Sorgenkind.

"Die Aussichten auf hohe Inflation und langsames Wachstum lassen sich nicht mehr ignorieren", sagt der Chefökonom Victor Calanog beim Immobilienanalysten Reis in New York. Er bemüht ein Bild aus der Märchenwelt: "S&P hält Amerika lediglich einen Spiegel vor, der uns zeigt, dass wir nicht mehr die Schönste im Lande sind". Trotzdem gibt es auch Analysten und Investoren, die in diesem schwierigen Umfeld Einstiegschancen sehen.

Der JP Morgan-Analyst Michael Cembalest beispielsweise betont, er habe den Fehler gemacht, 2008 nicht rechtzeitig aus dem kollabierenden Markt auszusteigen. Jetzt wolle er nicht den Fehler begehen, zu spät in einer Erholung einzusteigen. Aus seiner Sicht spricht einiges für den gewerblichen Immobilien-Markt: Die niedrigen Preise, die geringen Finanzierungskosten sowie die gute Verzinsung auf die besten Gebäude.

Mietnachfrage dürfte sich verringern

Mehr noch: Ausländische Investoren steigen vermehrt wieder in den US-Markt ein, angelockt von eben diesen Vorteilen, aber auch vom schwachen Dollar, der ihre Investitionen subventioniert. Ausländische Investoren haben laut dem Immobilienbroker Jones Lang LaSalle im zweiten Quartal 49 Milliarden Dollar in US-Gewerbeimmobilien angelegt. Das ist eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr von stattlichen 56 Prozent. Dabei bieten Immobilien gegenüber anderen Assetklassen einen kräftigen Vorteil: "Mieteinnahmen gewähren eine sofortige Verzinsung", sagt der Präsident bei Green Street Advisors, Craig Leupold.

Die Chancen, davon Gebrauch zu machen, dürften jetzt aber leiden. Denn selbst die Optimisten werden sich schwer tun, das nötige Kapital für ihre Investitionen zu beschaffen. "Es gibt erste Zeichen im CMBS-Markt, dass Kapital abgezogen wird", steht im jüngsten Marktbericht "Americas View Point" beim Immobilienspezialisten CB Richard Ellis. Schlimmer noch: "Die Mietnachfrage dürfte sich verringern und die jüngste Erholung wichtiger Indizes wie Leerstandsraten, Flächennachfrage und Mietpreisen bremsen". Das sehen auch Banker so, die es wissen sollten: "Die Kreditausreichung hat sich klar erkennbar verlangsamt", sagt Richard Parkus, ein Analyst bei Morgan Stanley.

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