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Mallorca und Ibiza: Die heißesten Immobilienmärkte der Balearen

Foto: Getty Images / Chris Jackson

Ferienhäuser Schnäppchentour auf Mallorca

Zur Urlaubssaison lohnt sich wieder ein Blick auf die Immobilienmärkte der spanischen Ferieninseln. Auf Mallorca und Ibiza sei nach drei Jahren Krise das Preistief erreicht, sagen Makler. Wer kaufen will, finde jetzt noch gute Gelegenheiten. Das Interesse der Käufer ziehe bereits wieder an.

Hamburg - Die Immobilienkrise in Spanien - zumindest in Bezug auf Ferienimmobilien auf den balearischen Inseln geht sie offenbar allmählich zu Ende. Marktteilnehmer berichten einhellig davon, dass sich die Geschäfte deutlich beleben. Die Anfragen von Kaufinteressenten nehmen zu, immer häufiger können die Makler wieder zu Besichtigungen ausrücken - und auch die Zahl der unterschriebenen Kaufverträge steigt, ist zu hören.

Zum Beispiel auf Ibiza. Ins dortige Luxussegment ist offenbar schon wieder besonders viel Schwung gekommen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Maklerhauses Engel & Völkers hervor, die manager magazin exklusiv vorliegen. Demnach verzeichneten Premiumvillen in den Toplagen der Insel in den vergangenen Monaten Preisanstiege von rund 10 Prozent. Die Vermarktungsdauer in diesem Bereich sei zudem von 24 Monaten vor einem Jahr auf zurzeit nur noch sechs bis neun Monate zurückgegangen.

Für Nachfrage sorgen laut Engel & Völkers vor allem ausländische Käufer, in erster Linie aus Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland. Besonders gefragt seien restaurierte Fincas mit Meerblick im Norden der Insel, sagt Marcus von Busse, Geschäftsführer des Regionalbüros von Engel & Völkers in Spanien, dem der neue Hype im ersten Quartal auf Ibiza ein Umsatzplus von 32 Prozent bescherte.

Sonderfall Luxussegment

Den Trend beobachtet auch Natascha Sandig, Geschäftsführerin beim Makler Porta Ibiza: "Jahrelang war der belebte Süden mit seiner zum Teil sehr minimalistischen Architektur gefragt", sagt sie. "Jetzt interessieren sich viele Käufer plötzlich für die alten Fincas im Norden Ibizas." Laut Sandig lassen sich zurzeit Objekte jenseits der Zwei-Millionen-Euro-Grenze besonders gut verkaufen. "Da muss meist nicht mehr renoviert werden", sagt die Maklerin. "Für einen Zweitwohnsitzkäufer in dieser Kategorie, der nicht viel Arbeit mit seinem Objekt haben möchte, kann das ein wichtiges Kriterium sein."

Das Luxussegment ist allerdings ein Sonderfall, denn auch während der Krise gab es dort kaum Preisabschläge. Das Marktgeschehen legte lediglich eine Verschnaufpause ein. Der Grund: Die Hausbesitzer in dieser Liga befinden sich in der Regel nicht in Geldnot und können einen Verkauf oft problemlos auf Eis legen bis sich die Lage bessert - was jetzt der Fall zu sein scheint.

Anders ist es in niedrigeren Preissegmenten, wo Maklern zufolge in den vergangenen Monaten veritable Einbrüche zu verzeichnen waren. Zwar herrscht auch dort inzwischen vielerorts wieder reges Kaufinteresse. Das Angebot ist jedoch nach Jahren der Krise offenbar noch gewaltig. Entsprechend groß ist nach wie vor der Druck auf die Preise.

Die Zahlen von Engel & Völkers belegen das: Bei Häusern und Appartments in mittleren Lagen Ibizas beobachtete der Makler zuletzt einen Preisrückgang von durchschnittlich 10 Prozent. Die Vermarktungsdauer dieser Immobilien liege weiterhin bei ein bis zwei Jahren, so die Fachleute. Die Misere, die mit dem Platzen der Immobilienblase vor rund drei Jahren begann, ist dort also noch nicht ausgestanden.

Eine Staatssekretärin auf Werbetour

Zum Hintergrund: Der Einbruch des gigantisch aufgepumpten Immobiliensektors war 2008 einer der Hauptauslöser für die schwere Wirtschaftskrise, in die Spanien dann geriet. Er fiel zusammen mit dem Beginn der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise.

An Spaniens Immobilienmarkt platzte seinerzeit ein Preisballon riesigen Ausmaßes. Seit dem ersten Quartal 2008 gingen die Immobilienpreise im Schnitt um real mehr als 20 Prozent zurück, so das Ministerium für Wohnungsbau und Städteplanung. In der Spitze seien sogar Einbrüche um bis zu 40 Prozent zu verzeichnen. Betroffen, so das Ministerium, seien vor allem Gebiete mit vielen Ferienhäusern, wo der durchschnittliche Preisabschlag 24 Prozent betrage.

Die Folge: Der spanische Bausektor, die Banken und weitere Branchen gerieten in den vergangenen Jahren heftig ins Schlingern. Das dokumentieren auch die Zahlen für das iberische Wirtschaftswachstum. 2007 legte die Wirtschaft laut EU-Statistik noch um 3,6 Prozent zu, dann kam der Einbruch. 2008: plus 0,9 Prozent; 2009: minus 3,7 Prozent; 2010: minus 0,1 Prozent.

Inzwischen hofft die Regierung, das Schlimmste hinter sich zu haben. Tatsächlich verzeichnete die Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres wieder ein leichtes Plus, wozu nach Regierungsangaben vor allem die Umstrukturierung des Bankenapparats, die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes sowie die Reform des Rentensystems beigetragen haben.

Spaniens Regierung buhlt um Investoren

Auch in Madrid wurde zudem mit Freude die Rückkehr ausländischer Investoren an den spanischen Immobilienmarkt zur Kenntnis genommen. Nach Angaben des Wohnungsbauministeriums stieg die Zahl der Käufe von Ausländern im vergangenen Jahr um 20,8 Prozent. Einen großen Anteil daran, so das Ministerium, hatten deutsche Käufer.

Doch das reicht der Politik offenbar noch nicht. "Jetzt ist ein idealer Zeitpunkt, um in spanische Immobilien zu investieren", sagt Beatriz Corredor, Staatssekretärin für Wohnungsbau und Städteplanung, die sich kürzlich eigens auf Werbetour durch Europa begab. "Die Statistiken zeigen, dass die Preise deutlich gefallen sind, während unsere Wettbewerbsvorteile bestehen bleiben." Für deutsche Käufer zählt Corredor dazu vor allem die Sicherheit des Investments, die geografische Nähe sowie das gute Wetter und die Lebensqualität.

Tatsächlich kennt kaum ein Volk die Vorzüge Spaniens besser als die Deutschen - zumindest die Vorzüge als Urlaubsland. Allein 2010 reisten 8,8 Millionen Bundesbürger in das Land am Mittelmeer. Fast 7 Prozent der regelmäßigen Spanien-Touristen aus der Bundesrepublik besitzen dort auch eine Ferienimmobilie, so das Wohnungsbauministerium.

Ganz oben auf der Favoritenliste der deutschen Urlaubsziele stehen nach wie vor die balearischen Inseln, genauer: die größte davon, nämlich Mallorca. In einer Umfrage der Vermittlungsplattform Homeaway unter Ferienhausurlaubern landete die Insel kürzlich einmal mehr auf dem dritten Platz, geschlagen lediglich von der deutschen Ost- sowie Nordseeküste.

Entscheidung an der Urne

Und auch auf Mallorca läuft das Immobiliengeschäft wieder schwungvoller. "Wir hatten in den vergangenen Jahren Preisrückgänge im unteren und mittleren Preissegment von durchschnittlich 10 bis 12 Prozent, in der Spitze auch 20 Prozent", sagt Makler Daniel Waschke, der für Engel & Völkers den Südwesten der Insel betreut. "Dieser Teil des Marktes hat jetzt jedoch sein Tief erreicht. Die Top-Lagen blieben von der Krise ohnehin unberührt."

Auch Waschke berichtet von zahlreichen Käufern aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland, aber auch aus Skandinavien, Österreich und der Schweiz. Einen signifikanten Preisanstieg erwartet er allerdings in den nächsten zwölf bis 18 Monaten kaum, weil das Angebot nach der Krise noch zu groß sei.

Ähnlich sieht es Claudia Krekeler. "Die gestiegene Nachfrage ist möglicherweise auch auf Inflationsängste zurückzuführen", sagt die Geschäftsführerin der örtlichen Niederlassung des deutschen Nobelmaklers Dahler & Company. "Zudem sind Finanzierungen von den Banken auf der Insel inzwischen wieder einfacher zu bekommen."

Neue Impulse erwartet sich Krekeler aus der Politik, in der bereits ein lokaler Machtwechsel stattgefunden hat, der sich auch auf nationaler Ebene abzeichnet. "Für den Immobilienmarkt wäre es von Vorteil, wenn die Konservativen in Spanien wieder das Ruder übernähmen, da sich dadurch das Geschäfts- und Investitionsklima ändern wird", sagt sie.

Die Chancen darauf stehen nicht schlecht. Vor wenigen Wochen erst hat Spaniens konservative Volkspartei (PP) oder regionale Wählergruppierungen bei den Kommunal- und Regionalwahlen einen Erdrutschsieg errungen. Sollte sich dies in einem Jahr bei den Parlamentswahlen wiederholen, so wäre der sozialistische Ministerpräsident José Luis Zapatero am Ende. Auch im Immobiliengeschäft dürften ihm nicht viele nachtrauern.

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