Energetische Sanierung Für wen sich Heizen ohne Gas und Öl rechnet

Neue Konkurrenz für den Gas- oder Ölbrennwertkessel im Keller: Häuslebauer installieren Pelletheizungen, Solaranlagen oder gar ein Miniblockheizkraftwerk als Energiequellen im Haus. Auch beim Neubau wird für regeneratives Heizen geworben. Doch nicht alles rechnet sich für Hausbesitzer.
Von Hans-Jörg Werth
Zwischen sinnvoller Investition und teurem Idealismus: Alternative Heizungen

Zwischen sinnvoller Investition und teurem Idealismus: Alternative Heizungen

Foto: DPA

Hamburg - Der Modernisierungsmarkt boomt. Jeder fünfte Hauseigentümer hat in den vergangenen drei Jahren nach Angaben der Landesbausparkassen größere Renovierungsarbeiten begonnen. Neben dem altersgerechten Umbau sind Investitionen in alternative Heizmethoden am Beliebtesten. Auf der Liste stehen Stückholzöfen, Pellet- oder Scheitholzheizung, Biomasseanlagen, Solaranlagen und Photovoltaik und Wärmepumpen - als alleinige Energiequelle oder in Ergänzung zu klassischen Gas- oder Ölbrennwertkesseln.

Alternative Energieträger sind - nach Fukushima noch stärker - im Aufwind. Der Einsatz ist aus ökologischer Sicht lohnend: Immerhin mehr als 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland wird von Gebäuden verursacht. Doch am Gesamtmarkt spielt - je nach Lobby und Förderaktivitäten- regeneratives Heizen weiterhin ein Nischendasein. Zum Einsatz kommen überwiegend die klassischen Energieträger Öl und Gas.

Die Bundesregierung hat mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) festgelegt, dass der Energieverbrauch von Häusern künftig drastisch sinken muss. Was für Eigentümer und Kaufinteressenten zukünftig Pflicht ist oder aber Ermessensfrage, ist jedoch vielen ebenso wenig klar wie die passende Energieversorgung. Soll es lieber ein Miniblockheizkraftwerk oder die Pelletheizung sein. Wärmepumpen liegen aktuell stark im Trend - deren tatsächlichen Kosten allerdings häufiger über den Angaben der Anbieter.

Wer neu baut, muss zumindest die gesetzlichen Mindeststandards einhalten: Eine Brennwertanlage mit Solarthermie für Warmwasser. Alles darüber hinaus ist keine Pflicht, sondern Kür - oder teils teurer Idealismus des Betreibers. Die Mindestanforderungen zum Einsatz von regenerativen Energien sind im Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) festgelegt. Bei Heizungsanlagen mit integrierter Solarwärme- Nutzung ist ein regenerativer Anteil von 15 Prozent Pflicht. Öl- und Gas- Brennwertkessel kosten ab 2500 Euro, kombiniert mit zehn Quadratmetern Solarkollektoren insgesamt ab rund 12.500 Euro.

Entscheidung für das Wohlgefühl

"Letztlich entscheidet sich der Verbraucher immer noch für bestmöglichen Komfort und bezahlbare Anlagen", sagt der Rotenburger Energieberater und Architekt Thomas Maas. Unter dieser Prämisse ist beispielsweise der Kaminofen zumindest in verdichteten Gebieten, also städtischen Wohnräumen mit wenig Wald, eher eine Fehlbesetzung. Trotz schöner Wohlfühlatmosphäre. Der Verbrennungsprozess ist im Vergleich zu herkömmlichen Öfen durch eine geschickte Luftführung deutlich optimiert worden. Holz verursacht nur ein Drittel der Heizkosten. Kaminöfen mit Wassertasche zum Heizen zu verwenden, bedarf einer qualifizierten handwerklichen Umsetzung. Häufig scheitert das Modell an der praktischen Umsetzung, weil zum Beispiel die Leitungszuführung nicht optimal gestaltet werden kann.

Immer mehr Bauherren setzen auf Wärmepumpen, die im Erdreich gespeicherte Energie nutzbar machen. Kostenpunkt: ab etwa 16.000 Euro. Deren Amortisierung kann jedoch zwischen acht bis zu 15 Jahre liegen. Je nach Wärmepumpenprinzip (Luft/Wasser), Grundstücksfläche und zu beheizbarer Wohnfläche fällt das Ergebnis laut Maas unterschiedlich aus.

Die Wärmepumpe erzeugt aus 25 Prozent zugeführter Energie 100 Prozent Heizleistung. Der Umwelt wird über Wärmetauschersysteme Wärme entzogen, die in einem so genannten Kältekreislauf auf ein höheres Temperaturniveau gebracht wird und dann für Heizzwecke genutzt werden kann.

Die Sonne stellt Energie im Überfluss zur Verfügung. Mit einer Kollektorfläche von wenigen Quadratmetern kann der Warmwasserbedarf außerhalb der Heizperiode größtenteils gedeckt werden. Ausschließlich für Warmwasser genutzt, ist Solarnutzung nach Aussage von Experten jedoch eher Alibi als rentable Investition. Durch den photovoltaischen Effekt lässt sich Strom aus den kostenlosen Sonnenstrahlen gewinnen. Im Prinzip eine trotz weiter sinkender Einspeisevergütung überlegenswerte Methode. Zur Stromerzeugung sollte jedoch eine Dachfläche von mindestens 15 Quadratmeter zur Verfügung stehen, und das möglichst gen Süden ausgerichtet.

Ökologisches Bauen groß in Mode

Auch die Energiegewinnung aus Biomasse (Sonnenenergie, die von Pflanzen durch Photosynthese in biochemische Energie verwandelt wurde) gilt als zukunftsträchtig, denn sie ist in großem Umfang vorrätig und muss nur durch entsprechende Anlagen aufbereitet werden. Bei Biomasse- und Erdwärmeanlagen schreibt der Gesetzgeber einen regenerativen Anteil von 50 Prozent vor. Hier haben Holzpellet-Kessel in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt, sie kosten ab 10.000 Euro.

Martin Bentele, Geschäftsfuhrer des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbandes (DEPV) spricht von Preisvorteilen bis zu 40 Prozent gegenüber Heizöl (Stand März 2011). "Im Gegensatz zu den Öl- und Strompreisen, die internationalen Krisen und Katastrophen ausgesetzt sind, basiert der Pelletpreis auf regionalen Produktions- und Handelsstrukturen. Er bildet daher einen transparenten, nicht von globalen Krisen beeinflussten Markt ab."

Wenn es um weniger Energieverbrauch und eine Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes geht, werden vielfach Blockheizkraftwerke als geeignetes Mittel propagiert. Im Prinzip handelt es sich um einen stationären Motor, der nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung sowohl elektrischen Strom als auch Wärme produziert. Die Aggregate sind teilweise nicht größer als zwei handelsübliche Waschmaschinen. Ab einem Modulpreis von 10.000 Euro werden Mini-Blockheizkraftwerke im unteren Leistungsbereich angeboten.

Die Rechnung geht nach Aussage von Architekt Maas ohnehin meist erst ab vier bis fünf Wohneinheiten richtig auf. Beispiele von Hauseigentümern, die sich in einer Wohnsiedlung ein Mini BHKW teilen, seien eher die Ausnahme: Oft genug scheitert es an der praktischen Umsetzung.

Baden, Kochen, Gartennutzung parallel möglich

Der Ingenieur Joachim Cordes ist mit seinem Architekturbüro auf ökologisches Bauen spezialisiert. Er bewertet die große Palette unterschiedlichster Heizmethoden jenseits fossiler Brennstoffe zwar positiv. Bei einer eindeutigen Empfehlung tut sich der frühere Lehrbeauftragte für nachhaltiges Bauen allerdings schwer. "Die Amortisierungszeit muss passen, der Mindeststandard der thermischen Hülle mit entsprechender Wärmedämmung und damit abgestimmt das Heizungskonzept, das auch entsprechendes Lüften beinhaltet", nennt Cordes drei goldene Regeln.

Die Heizungstechnik in Deutschland sei gut, aber nur im optimalen Zusammenspiel und bei sinnvoller Nutzung funktioniere alles nach Wunsch. Prinzipiell seien herkömmliche Anlagen häufig in ihrer Leistung zu groß bemessen. Der Grund liege im Verbraucherverhalten: Alles sei danach ausgerichtet, dass Baden, Duschen, Küchen- und Gartennutzung parallel laufen könne.

Passen einzelne Puzzleteile nicht optimal zusammen, verliert das gesamte Wärmekonzept jedoch an Effizienz, warnt Cordes. Zum Beispiel: Hat das Mini BHKW zum Beispiel einen Otto Motor oder einen Stirling Motor? Bei einem Otto Motor muss das Gerät rund um die Uhr laufen und ist dann nach einer gewissen Laufleistung (maximal 10 Jahre) in der Regel kaputt. "Wird das BHKW mit Biogas betrieben, kann nach KfW 55-Standard gefördert werden, bei Gasbefeuerung geht das nicht", ergänzt Cordes. "Allerdings ist der Kostenbeitrag für Biogas wiederum höher als bei Gas."

Die Qual der Wahl hat der Verbraucher. Sie hängt von vielen Faktoren ab. Von Marktmacht und Markennamen der Hersteller sollte man sich laut Cordes möglichst nicht beeinflussen lassen.

Eine Entscheidung für Jahrzehnte

Ist man beim Neubau zu einer Entscheidung gelangt, bindet man sich in der Regel für etwa zwei Jahrzehnte und mehr an das neue Heizsystem. Denn so lange sollte im Durchschnitt ein Heizkessel halten. Eine Um- oder Aufrüstung macht häufig aus finanziellen Gründen in dieser Phase keinen Sinn. Cordes rät, für Neubauten und insbesondere Modernisierungsmaßnahmen im Bestand, sich an qualifizierte Gebäudeoptimierer zu wenden.

Die Techniken sind vorhanden, Gebäude (z.B. im Passivhausstandard) zu verträglichen Kosten so zu bauen, "dass diese fast keine Heizenergie oder Klimatechnik mehr brauchen", meint Folkmar Rasch, Geschäftsführer von faktor 10 Gesellschaft für Siedlungs- und Hochbauplanung mbH. Mit steigendem Wissen zum energieeffizienten Bauen sei festzustellen, dass der Weg beim Neubau am Passivhaus oder einem ähnlichem Standard nicht vorbeifuhrt, so Rasch. Gegner dieser Bauweise sagen, dass die Wärme bei diesem Prinzip im Haus bleibe, aber trotz Lüftungsanlagen die Schimmelbildung ein großes Problem sei.

Hausbesitzer, die in der eigenen Immobilie wohnen, brauchen keinen Energieausweis für ihr Haus. Doch spätestens wenn das Haus verkauft bzw. vermietet werden soll, braucht der Besitzer das Dokument. Energetische Sanierungen sind oft teuer. Nachrüstpflichten beim Altbau sind allerdings eingeschränkt.

Es gilt: Weder nachträgliche Fassaden- und Dachdämmung, noch der Einbau neuer Fenster sind vorgeschrieben. Nur wenn ein Bauteil ohnehin saniert wird, muss dies in manchen Fällen nach den Vorgaben der EnEV geschehen. Und mit der wieder eingeführten Möglichkeit von KFW-Förderungen für Einzelmaßnahmen können private Hausbesitzer den Modernisierungsbedarf stückweise finanziell stemmen.

Eine weitere Option ist, dass Immobilieneigentümer, Unternehmen oder Behörden die Energieversorgung an Spezialisten, sogenannte Contractoren, übergeben. Sie outsourcen damit Verantwortung, Arbeit, Kapitalbindung und auch einen Teil der Kosten. Der Ansatz ist immer ähnlich: Senkung des Energieverbrauchs und der damit verbundenen Treibhausgasemissionen. Contracting-Dienstleister erzielen ihren Gewinn über das effektive Betreiben und Warten der Anlagen, den günstigen Einkauf von Energie (Gas oder Öl) und durch vorausschauendes Energiecontrolling.

Zugleich sind die Anbieter von der Ökosteuer befreit. Die Verträge laufen laut Cordes in der Regel etwa 15 Jahre über eine monatliche Pauschale, ein Einsatz könne vor dem Hintergrund finanzieller Engpässe des Hauseigentümers zum Erwerb einer neuen Heizungsanlage durchaus Sinn machen.

Energetische Sanierung ist für Vermieter oft ein Verlustgeschäft

Um das Klima in dem Ausmaß zu schützen, wie die Bundesregierung sich das in ihrem Energiekonzept vorgenommen hat, müssten doppelt so viele Wohngebäude in Deutschland saniert werden wie derzeit. Aktuell wird jährlich etwa ein Prozent der 18 Millionen Wohngebäude modernisiert. Doch vor allem für Vermieter ist die energetische Sanierung oftmals ein Verlustgeschäft, wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Studie errechnet hat: "Vier von zehn Eigentümern erzielten nach einer energiesparenden Investition in ihre Immobilie anschließend keine höhere Miete als vorher", so Michael Voigtländer, Leiter der Forschungsstelle Immobilienökonomik.

Selbst in den Fällen, in denen Mieterhöhungen erfolgten, sei der Gewinn für Vermieter in der Regel überschaubar: Bei 86 Prozent der sanierten Objekte betrug die dadurch erzielte Rendite weniger als 5 Prozent.

In einer anderen Studie der Kampagne "Impulse für den Wohnungsbau" wird der Abriss von 10 Prozent des Gebäudebestandes in Deutschland empfohlen. Nutznießer wären u.a. die Initiatoren des Bündnisses, ein Zusammenschluss aus Interessenverbänden der Bau- und Immobilienbranche. Darüber hinaus sind die IG Bau und der Deutsche Mieterbund beteiligt. Im Fokus der Untersuchung standen 36,2 Millionen Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern sowie in kleineren Mehrfamilienhäusern.

Unter energetischen Gesichtspunkten sind die Wohnungsbestände allerdings wesentlich besser als ihr Ruf, heißt es. Jede sechste Wohnung, die bis Ende der 70er Jahre gebaut wurde, sei weitgehend energetisch saniert. Lediglich 4 Prozent der alten Wohngebäude seien in punkto Energiesparen noch gar nicht modernisiert, heißt es in der Untersuchung. Statt einer Vielzahl länderspezifischer und kommunaler Programme sollten national aufgelegte Darlehen und Zuschüsse für sanierungswillige Immobilienbesitzer gebündelt werden, meint das IW Köln. Das könne letztlich mehr bewirken.

Verbesserte Konditionen nur noch bis Jahresende

Die neuen Förderrichtlinien für das Marktanreizprogramm zur Förderung erneuerbarer Energien gelten seit dem 15. März. Die Änderungen betreffen insbesondere Investitionszuschüsse für Solarkollektoren, für Anlagen zur Verfeuerung fester Biomasse sowie für Wärmepumpen im Gebäudebestand.

Die verbesserten Konditionen gelten ab sofort, allerdings nur bis zum Jahresende. Um die erhöhte Förderung in Anspruch nehmen zu können, muss der Antrag rechtzeitig vor dem 30. Dezember 2011 beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) eingereicht werden. So sehen die Änderungen im Detail aus:

  • Die Basisförderung für Solarkollektoren bis 40 Quadratmeter Kollektorfläche zur kombinierten Warmwasserbereitung und Raumheizung ist auf 120 Euro/Quadratmeter erhöht worden. Nach dem 30. Dezember 2011 beträgt die Förderung wieder 90 Euro/Quadratmeter. Für den zusätzlichen Austausch eines alten Heizkessels ohne Brennwertnutzung gegen einen neuen Brennwertkessel wird der Bonus auf 600 Euro erhöht (sogenannter Kesseltauschbonus), nach dem 30. Dezember sinkt der Betrag auf 500 Euro.
  • Die gleichen Konditionen gelten für den Kombinationsbonus für Solarthermie und Wärmepumpe beziehungsweise Solarthermie und Biomasse. Rund 1,5 Millionen dieser vor allem bei jüngeren Zielgruppen beliebten Anlagen sind derzeit laut Emnid insgesamt auf deutschen Dächern in Betrieb.
  • Emissionsarme Scheitholzvergaserkessel werden nun wieder pauschal mit 1000 Euro gefördert, wenn ihre Staubemissionen einen Grenzwert von maximal 15 Miligramm/Kubikmeter nicht überschreiten. Die bisherigen Förderungen bei Pelletöfen mit Wassertasche, Pelletkesseln (auch Kombinationskessel) und Holzhackschnitzelanlagen bleiben unverändert.
  • Außerdem wurden die geforderten Mindestjahresarbeitszahlen von Wärmepumpen reduziert. Bei der Förderung für Wärmepumpen gilt nun die Wärmeleistung anstatt der Wohnfläche als Bemessungsgrundlage. Das bisherige Förderniveau bleibt in etwa erhalten und beträgt zwischen 2400 Euro bei Wärmepumpen in Einfamilienhäusern bis hin zu 11.400 Euro bei Wärmepumpen mit einer Wärmeleistung von 100 Kilowatt. Förderanträge für Wärmepumpen mit einer Wärmeleistung von mehr als 100 Kilowatt sind zukünftig bei der KfW-Bankengruppe und nicht mehr beim Bafa zu stellen.
  • Hinweis: Förderanträge können ab sofort gestellt werden, allerdings nur, wenn für dieselbe Maßnahme nicht bereits ein Antrag gestellt wurde.

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