Betrugsverdacht Anklage gegen Ex-Präsidenten von Borussia Dortmund

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den ehemaligen Präsidenten von Borussia Dortmund, Gerd Niebaum, erhoben. Er soll bei Krediten in Zusammenhang mit Ostimmobilienanlagen gegenüber seinen Banken falsche Angaben gemacht haben.
Unter Verdacht: Ex-BVB-Präsident Niebaum soll bei Krediten geschummelt haben

Unter Verdacht: Ex-BVB-Präsident Niebaum soll bei Krediten geschummelt haben

Foto: REUTERS

Dortmund - Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den Dortmunder Anwalt, Notar und ehemaligen BVB-Präsidenten, Gerd Niebaum, wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue erhoben. Niebaum soll nach Immobilienkäufen Ende der 90er Jahre in Ostdeutschland zur Überbrückung von Engpässen ab 2005 Darlehen aufgenommen, die Banken aber nicht über das Ausmaß seiner Verbindlichkeiten informiert haben. Zudem habe er aus einem Nachlass, den er als Testamentsvollstrecker zu verwalten gehabt habe, mehr als 450.000 Euro als Darlehen entnommen, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag in Dortmund mit. Niebaums Anwälte weisen die Vorwürfe zurück.

Über die Eröffnung des Hauptverfahrens muss jetzt das Gericht entscheiden. Die Frage sei, ob das Risiko kalkulierbar gewesen sei oder Schadensqualität habe. Darüber müsse nun die Wirtschaftsstrafkammer entscheiden, sagte Oberstaatsanwältin Ina Holznagel. Niebaum-Anwalt Sven Thomas erklärte, es sei kein konkreter Schaden eingetreten. Die Kredite seien bis heute bedient und zwischen 2006 und 2011 neben den Zinszahlungen auch Tilgungen in der Größenordnung von mehr als 2,7 Millionen Euro erbracht worden.

Der Betrag aus der Testamentsvollstreckung sei inzwischen beim Amtsgericht hinterlegt. "Das Verfahren werde ergeben, dass Herr Dr. Niebaum zu dieser Darlehnsvergabe berechtigt war und ein Schaden ebenfalls nicht zu verzeichnen ist, wie bereits die vollständige Hinterlegung beweist", erklärte Thomas in Düsselorf. Niebaum hatte bereits während der Ermittlungen im November 2009 den "Ruhr Nachrichten" gesagt, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Er arbeite kooperativ mit der Staatsanwaltschaft zusammen.

Schadenswiedergutmachung verspätet?

Die Anklage geht nach Erklärung ihrer Sprecherin davon aus, dass Niebaum seinerzeit die Beträge aus eigenen Mitteln nicht fristgerecht zurückzuzahlen in der Lage war. Das Vermögen der geschädigten Banken und Klienten habe er bewusst in strafbarer Weise gefährdet. Die Schadenswiedergutmachung sei verspätet und unzureichend erfolgt. Das Darlehen aus dem Nachlass sei in diesem Jahr hinterlegt worden. Teilweise seien Bankdarlehen aber noch nicht beglichen. Die Rückzahlung habe 2008 eingesetzt.

Die Immobilienkäufe soll Niebaum Ende der neunziger Jahre getätigt haben. Die Käufe hätten einen hohen Liquiditätsbedarf zur Folge gehabt, der nach Auffassung der Anklage ab 2005 durch den Abschluss mehrerer Darlehnsverträge kurzfristig überbrückt werden musste. Banken hätten ihm Kredite von insgesamt rund einer Million Euro gewährt.

Niebaum war bis November 2004 Präsident beim BVB. Im Februar 2005 trat er auch als Folge der Finanzkrise des Vereins als Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA zurück. Während seiner Amtszeit wurde der BVB drei Mal Meister sowie Champions League- und Weltpokalsieger.

cr/dpa

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