Sonntag, 18. August 2019

Geldanlage Und wieder locken die Holland-Immobilien

Bürogebäude: Wo sich in Holland das Investment lohnt
dapd

Das gab es vor Jahren schon einmal: Immer mehr Investmenthäuser bieten ihren Kunden an, in niederländische Gewerbeimmobilien zu investieren. Sie versprechen ansehnliche Renditen in einer starken Wirtschaft mit stabilem Markt. Doch nicht jeder Fondsemittent bringt das nötige Know-how mit.

Hamburg - Die Firma Cofely Nederland N.V., spezialisiert auf Energiemanagement und maritimen Anlagenbau, residiert schon seit 1892 im Hafen von Rotterdam. Seit Jahrzehnten sitzt die Gesellschaft dort auf eigenem Grundstück an der Willingestraat 8, am Ufer der Maas. Das soll auch künftig so bleiben, im Herbst 2012 will Cofely an gleicher Stelle den neuen Firmensitz beziehen. Nur eins ändert sich dann: Vermieter des niederländischen Traditionsunternehmens werden in Zukunft wohl deutsche Anleger sein.

Erworben hat den Neubau nämlich das Hamburger Emissionhaus Wölbern Invest, der Mietvertrag über 15 Jahre ist bereits unterschrieben. Wölbern wird das Objekt demnächst in einen Immobilienfonds packen und Anlegern hierzulande zur Beteiligung anbieten. Für den Emittenten ist das scheinbar Routine - der Cofely-Fonds könnte in der Reihe der Hollandfonds aus dem Hause Wölbern die Nummer 71 werden.

Das Beispiel steht stellvertretend für viele. Denn nach Jahren der Abstinenz mehren sich seit einiger Zeit wieder die Beteiligungsangebote, mit denen deutsche Anleger in niederländische Gewerbeimmobilien investieren können.

MPC Capital, Hannover Leasing, Real I.S., König & Cie. und andere - die Liste der Emissionshäuser, die solche Offerten auf den Markt bringen, wird immer länger. Eine Umfrage der Ratingagentur Scope ergab, dass auch künftig weitere Emittenten in dieses Geschäft einsteigen dürften.

Preise noch vergleichsweise günstig

Und tatsächlich erscheint die Idee nicht schlecht: Die niederländische Wirtschaft steht ähnlich wie die deutsche nach der Krise wieder robust da. Einem Einbruch des Wirtschaftswachstums um beinahe 4 Prozent im Jahr 2009 folgte ein Plus von 1,7 Prozent im vergangenen Jahr. Für 2011 wird zwar auch in den Niederlanden damit gerechnet, dass der Aufschwung leicht abflaut. Einen Rückfall in eine Rezession halten Ökonomen aber für höchst unwahrscheinlich.

Vor dem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Immobilienmärkte von Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Co. wieder viele internationale Investorengelder anlocken. Der Immobiliendienstleister Jones Lang LaSalle (JLL) beziffert das Transaktionsvolumen am holländischen Gewerbeimmobilienmarkt im Jahr 2010 auf rund 6,1 Milliarden Euro. Es liegt damit etwa 15 Prozent über seinem Vorjahresniveau, allerdings noch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, der laut JLL von 2000 bis 2009 etwa 6,9 Milliarden Euro betrug.

Zum Vergleich: In ganz Europa legt das Investitionsvolumen in Gewerbeimmobilien seit einiger Zeit wieder kräftig zu. Laut JLL gab es auf dem Kontinent im vergangenen Jahr ein Plus von etwa 45 Prozent auf 102 Milliarden Euro. BNP Paribas Real Estate berichtet, allein auf die fünf größten Märkte (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien) entfielen 76,6 Milliarden Euro. Deutschland verzeichnete demnach ein Plus um 85 Prozent auf 19,6 Milliarden Euro.

Verglichen damit nimmt sich der Zuwachs in den Niederlanden vergleichweise bescheiden aus. Dabei sehen Fachleute durchaus Parallelen zwischen dem deutschen Immobilienmarkt und jenem im Oranje-Land: Beide gelten als weniger schwankungsanfällig als beispielsweise die Märkte in Großbritannien oder Frankreich. Und auf beiden lasse die Preisentwicklung noch lukrative Investments zu, ist zu hören.

"Die Preise beispielsweise für Bürogebäude sind in den Niederlanden ähnlich wie in Deutschland noch nicht so stark gestiegen wie etwa in London oder Paris", sagt etwa Machiel Wolters, Research-Chef beim internationalen Immobilienberater CB Richard Ellis (CBRE) in den Niederlanden. "Die Einstiegsrenditen sind daher noch höher." Für Büroobjekte etwa in bester Lage Amsterdams oder Den Haags beziffert Wolters die Einkaufsrendite auf etwa 5,5 bis 6 Prozent - gegenüber schätzungsweise 5 Prozent in der britischen und französischen Metropole.

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