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Energiesparen: Das neue Sanierungsprogramm auf Staatskosten

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Neue Finanzspritze Frisches Staatsgeld für Haussanierer

Wer sein Gebäude auf niedrigen Energieverbrauch trimmen möchte, erhält ab dem 1. März auch für einzelne Sanierungsschritte viel Geld vom Staat. Dabei gilt: Je höher die erzielte Energieeinsparung, desto attraktiver die Förderung durch die bundeseigene KfW-Bankengruppe. Fünfstellige Zuschüsse sind drin.
Von Hans-Jörg Werth

Hamburg - Ständig steigende Energiekosten lassen Wilhelm Sandmann heute kalt. Sein Haus aus dem Jahr 1935 benötigt kaum noch Brennstoff. Der Diplom-Ingenieur aus Hannover hat es umfassend modernisiert: Dickere Fensterscheiben, eine zusätzliche Dämmung der Außenwände sowie ein neues Dach sorgen für eine dichte Gebäudehülle. Die Ölbrennwertheizung spart Energie, indem sie die Kondensationswärme des Wasserdampfs im Abgas für Heizzwecke nutzt. Billig war das nicht: Rund 60.000 Euro hat Sandmann aus eigener Kraft in die Umbaumaßnahmen investiert.

Nicht jeder Eigentümer kann wie Wilhelm Sandmann, trotz maximaler KfW-Förderung, eine Komplettsanierung in einem Zuge finanziell stemmen. Dem individuellen Investitionszyklus von Eigentümern angepasst, soll das wieder aufgelegte KfW-Programm zur energetischen Sanierung von Einzelmaßnahmen nun erneut für Belebung u.a. bei Handwerkeraufträgen sorgen. Erst zum 1.September 2010 wurde es aufgrund knapper Haushaltsmittel eingestellt. Inzwischen stehen etwa 850 Millionen Euro Fördergelder zur Verfügung. Die bis dato geltende Regelung für Sanierungswillige, dass nur komplette Sanierungspakete förderfähig sind, entfällt.

"Das kommt insbesondere privaten Hausbesitzern zugute, die oftmals aus Kostengründen zeitlich versetzte Sanierungsmaßnahmen bevorzugen", so Axel Nawrath, Vorstandsmitglied der KfW-Bankengruppe. Zudem ist das KfW-Programm 152 geeignet, wenn energetisch sanierter Wohnraum gekauft werden soll. "Interessenten erhalten einen langfristig zinsgünstigen Kredit in Höhe von bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit".

Klassischer Sanierungsbedarf besteht meist in der Fassadendämmung, dem Einbau einer Lüftungsanlage, der Erneuerung der Heizungsanlage oder dem Austausch von Fenstern. Letzteres gilt bei Eigentümern als beliebte weil schnell umsetzbare Maßnahme mit guter Kosten-Nutzen-Analyse. Dabei gilt der Grundsatz: Je besser der erreichte Energiestandard nach einer Sanierung, umso höher die Förderung aus. Wenn der beste KFW 55 Effizienzhaus-Standard erreicht ist, gibt es den maximalen Zuschuss in Höhe von 13.125 Euro.

70.000 Euro für die Sanierung eines 40 Jahre alten Einfamilienhaus

Haus & Grund schätzt die Kosten der Sanierung eines Einfamilienhauses mit 120 Quadratmetern Wohnfläche aus dem Jahr 1970, also noch vor Inkrafttreten der Ersten Wärmeschutzverordnung 1977, nach heutigen Standards auf etwa 70.000 Euro. Ein dicker Brocken, der viele Eigentümer überfordere. Die jetzt bereitgestellten Mittel für einzelne Maßnahmen zur schrittweisen Erneuerung seien daher hilfreich. Sie können innerhalb von zwölf Monaten abgerufen werden.

Mit der KfW-Neuauflage sind auch die Anforderungen an die technische Umsetzung um durchschnittlich 20 Prozent gestiegen. Bisher bezogen sich die technischen Mindestanforderungen bei den Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle (Dach, Außenwand und Kellerdecke) auf den Wärmedurchgangswiderstand, dem sogennanten "R-Wert", des neu aufzubringenden Dämmstoffes. Bereits vorhandene Bauteile blieben unberucksichtigt.

Ab März muss der von der KfW vorgegebene Wärmedurchgangskoeffizient, der sogenannte "U-Wert", fur das gesamte Bauteil inklusive der neu aufzubringenden Dämmung erreicht werden. "Damit wird auch eine bereits vorhandene Dämmung berücksichtigt", so KfW-Referent Lars Rahn. Der zusätzliche Dämmaufwand sei damit für manche Sanierer gegebenenfalls geringer.

"Wenn ohnehin saniert werden muss, dann richtig", rät Stephan Kohler, Vorsitzender der Dena-Geschäftsführung. Damit werde der Markt- und Wohnwert der Immobilie gesteigert. Über einen längeren Zeitraum verteilte Einzelsanierungen sollten laut Kohler immer im Gesamtkontext nötiger Gebäudesanierungen gesehen werden. Gute Fensterisolierung nutze nichts, wenn die Außenfasse keine Dämmung hat.

Der Chef der Deutschen Energieagentur stützt sich auf eine Dena-Sanierungsstudie mit der wissenschaftlichen Auswertung von 350 Praxisbeispielen, zumeist alte Bestandsbauten mit hohem Sanierungspotenzial. Danach würden bei ohnehin anstehenden Sanierungsmaßnahmen Mehrkosten von 80 Euro/qm genügen, um einen Effizienzstandard wie beim Neubau zu erreichen. Der Vermieter könne die Kosten rentabel auf die Kaltmiete umlegen, der Mieter profitiere gleichzeitig von den geringeren Heizkosten, so dass die Warmmiete nicht steige, sagt Kohler.

Mieterhöhungen nach Sanierungen möglich

Vermieter müssen ihren Mietern drei Monate vor Sanierungsstart erklären, welche Arbeit durchgeführt werden sollen, wann sie beginnen und enden. Nach Abschluss kann die jährliche Miete um 11 Prozent der für die Wohnung aufgewendeten Kosten erhöht werden. Sind beispielsweise für 5000 Euro neue Isolierglasfenster eingebaut worden, kann die Miete um jährlich 550 Euro erhöht werden.

Sicher, ob solche Mieterhöhungen schließlich durchzusetzen sind, hängt vielfach doch vom Einzelfall ab. Nach Meinung von Torsten Weidemann, Referent Wohnungswesen und Stadtentwicklung bei Haus & Grund Deutschland, relativiert das auch die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Dena. Mieterhöhungen in solcher Größenordnung seien aufgrund der oft stark regional schnankenden Marktlage nicht durchgängig durchsetzbar. Das allerdings ändert jedoch nichts am Sanierungsbedarf an sich.

Laut KfW können Darlehn ab sofort flexibler in die individuelle Finanzierungsplanung integriert werden. So sei es beispielsweise nun möglich, fällige Sparguthaben aus Bausparverträgen, Versicherungen & Co. nach Ablauf der vier- bis achtjährigen endfälligen Kreditlaufzeit zur Tilgung einzusetzen. Aufgrund der gestiegenen technischen Anforderungen auch bei Einzelmaßnahmen ist für alle Bauvorhaben zur energetischen Sanierung ein Bau-Sachverständiger Pflicht. Das bundeseigene Geldhaus übernimmt bis zu 50 Prozent der förderfähigen Beratungs-, Planungs- und Baubegleitungskosten. Der Höchstbetrag pro Antragsteller liegt bei 2000 Euro.

Tipp: Die Antragsunterlagen  müssen vor Beginn des Vorhabens bei der KfW im Original eingegangen sein. Es gilt der Beginn der Handwerkerleistung vor Ort bzw. beim Ersterwerb die Beurkundung des notariellen Kaufvertrages.

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