Dienstag, 26. Mai 2020

Baugeld wird teurer Euro-Krise setzt Häuslebauer unter Druck

Vorsicht Baustelle: Kredite für den Hausbau werden wegen der Euro-Schuldenkrise allmählich wieder teurer

Seit September steigen wieder die Hypothekenzinsen. Grund ist Experten zufolge die teurere Refinanzierung an den Anleihemärkten, also letztlich die Euro-Schuldenkrise. Der Abwärtstrend bei den Baugeldkosten, der 2008 begonnen hatte, könnte damit beendet sein.   

Hamburg - Der Blick auf den Chart lässt nicht viel Raum für Interpretationen: 2008 notierte der Index der Finanzberatung Max Herbst (FMH) für 1A-Baugeld mit zehn jähriger Laufzeit noch bei 5,5 Prozent. Dann ging es - mit kurzer Unterbrechung im vergangenen Jahr - kontinuierlich abwärts. Bis Anfang September 2010 fiel der Index auf 3,2 Prozent, auf ein historisches Tief also. Im Klartext heißt das: Baugeld wurde während dieser Zeit immer billiger, und zwar auch bei anderen Laufzeiten.

Damit könnte es nun aber vorbei sein. Inzwischen ist der FMH-Index wieder gestiegen, für die Zehn-Jahres-Hypothek beispielsweise auf zuletzt 3,7 Prozent. Das könnte man als normale Schwankung im weiterhin intakten Abwärtstrend deuten. Oder man argumentiert, dass die Phase immer günstigerer Hypothekenkonditionen nun möglicherweise beendet ist. Experten neigen zu letzterem.

"Ich gehe davon aus, dass die Trendwende am Zinsmarkt stattgefunden hat", sagt etwa Robert Haselsteiner, Vorstand beim Kreditvermittler Interhyp, zu manager magazin. Und auch Torsten Daenert, Leiter für Strategie und Produkte im Geschäftsfeld Privatkunden-Kredit bei der Commerzbank, meint: "Die Zeiten sinkender Zinsen sind vorläufig vorbei."

Deutschland zahlt die Zeche

Als Grund nennen die Experten zum einen das allgemein gestiegene Zinsniveau bei Staatsanleihen. Auch die Papiere der USA würden wieder höher verzinst, das führe immer auch zu steigenden Zinsen in Europa, heißt es.

Vor allem aber sei die Euro-Schuldenkrise ausschlaggebend sowie die Aussicht, dass diese mehr und mehr zur finanziellen Belastung für die Bundesrepublik Deutschland wird. Offenbar schätzen Investoren das Risiko, das durch die Schuldenlast von Ländern wie Griechenland, Irland und Portugal für Deutschland besteht, zunehmend höher ein. Die Diskussion um eine gemeinsame Anleihe aller Euro-Staaten gibt solchen Vorbehalten zusätzlich Nahrung.

"Die Märkte gehen inzwischen davon aus, dass Deutschland die Zeche für die Misere in der Euro-Zone zahlen wird", sagt Haselsteiner. "Alles deutet auf eine Transferunion und im schlimmsten Fall auch auf eine gemeinsame Schuldenfinanzierung über gemeinsame Anleihen, womit die Bonität Deutschlands immer mehr verwässert wird."

Für die Entwicklung macht Haselsteiner die Bundesregierung verantwortlich. Namentlich Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) hätten ihre anfangs konsequenten Positionen nach und nach aufgeweicht. "Sie werden derzeit von den drei großen Ländern Spanien, Italien und Frankreich zusammen mit Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker unter massiven Druck gesetzt", sagt der Manager. "Es sieht ganz so aus, als ob Deutschland ein zweites Mal für den Euro bezahlen wird." Von 2001 bis 2009 habe Deutschland bereits ein "signifikant niedrigeres Wachstum als der Rest Euro-Lands" verzeichnet. Und ab 2010 komme es nun zu Transferzahlungen, Garantien und einer "nachhaltigen Verwässerung der eigenen Bonität zu Gunsten der reformsäumigen Länder".

Ein Blick auf die Zahlen bestätigt diese Einschätzung: Die Zinsen, die der Bund für seine Anleihen zahlen muss, sind ebenfalls bereits gestiegen. Die Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit etwa bringt inzwischen wieder beinahe 3 Prozent. Und der Chartverlauf ähnelt auffallend jenem der Baugeldkonditionen: Bis Ende August ging es abwärts mit den Bundeszinsen, bei zehn Jahren Laufzeit auf bis zu 2,09 Prozent. Dann kam die Trendwende.

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