Dienstag, 18. Juni 2019

Ostdeutschland Aufblühende Immobilienmärkte

Geldgrab Ostimmobilien: Welche Promis ein Vermögen im Osten versenkten
dpa

Tausende Deutsche versenkten in den 90er Jahren viel Geld mit Immobilieninvestments in Ostdeutschland. Mehr als zehn Jahre später lockt der Markt erneut. In Potsdam, Dresden und Leipzig etwa macht sich der wirtschaftliche Aufschwung auch bei den Wohnungs- und Hauspreisen bemerkbar. Werden die Anleger wieder schwach?   

Hamburg - Zum Beispiel Werner Lorant. Für den schillernden Fußballtrainer, der einst namhafte Clubs wie 1860 München oder Fenerbahçe Istanbul coachte, lief es gar nicht gut in Ostdeutschland. Laut "Bunte" steht Lorant deshalb jetzt vor dem Ruin. "Ich habe mich vor 15 Jahren mit Ostimmobilien verspekuliert", erklärte er vor einigen Tagen in dem Blatt. "Das war der größte Fehler meines Lebens."

Lorant befindet sich in guter Gesellschaft: Seicht-Autorin Hera Lind, Schauspielerin Grit Böttcher, Fernsehkomikerin Tanja Schumann - die Liste der Promis, die in den 90ern viel Geld bei Immobiliendeals in den neuen Ländern versenkten, ist lang. Und durch tausende Privatleute - Zahnärzte, Architekten, Anwälte - wird sie noch viel länger.

Sie alle hatten eins gemeinsam: Sie ließen sich in der Nachwendezeit von der Gier und dem Reiz hoher Steuerersparnisse zu zweifelhaften Investments verleiten. Landauf, landab waren seinerzeit windige Verkäufer unterwegs, im Gepäck stets die ultimative Offerte: Eine 50-Quadratmeter-Wohnung etwa, beispielsweise in Leipzig, für damals noch 200.000 Mark.

Massenhaft enttäuschte Anleger

Das klang zunächst zwar nicht günstig. Dank staatlicher Aufbauförderung ("Sonder-Afa Ost") konnte die Hälfte des Preises jedoch von der Steuer abgesetzt werden. Zudem lockten rosige Aussichten: Wirtschaftlicher Aufschwung, "blühenden Landschaften" (O-Ton Altkanzler Helmut Kohl) - und ordentlich steigende Mieteinnahmen. Wer könnte da wiederstehen?

Bekanntlich kam es anders. Der Aufschwung im Osten ließ lange auf sich warten. Zu lange für viele, vor allem junge Menschen dort. Sie packten ihre sieben Sachen und zogen weg. Die Folge: Leerstehende Wohnungen, fallende Preise und Mieten - und massenhaft enttäuschte, zum Teil ruinierte Anleger im Westen. Der Preis der Leipziger Beispielwohnung etwa konnte in dem Zuge gut und gerne auf bis zu 40.000 Euro fallen, von ausbleibenden Mieteinnahmen ganz zu schweigen. Ging es um Kapitalanlagen, so galt der ostdeutsche Immobilienmarkt seither für lange Zeit als absolutes Tabu.

Das jedoch ändert sich möglicherweise gerade. Experten zufolge ist der Tiefpunkt der Marktentwicklung vielerorts durchschritten, die Altlasten - auch auf dem Wege zahlreicher Zwangsversteigerungen - weitgehend abgearbeitet. An bestimmten Standorten stehe dem ostdeutschen Immobilienmarkt jetzt tatsächlich ein Aufschwung bevor, meinen Fachleute.

Beispiel Potsdam: Die traditionsreiche Stadt vor den Toren Berlins nimmt auf dem ostdeutschen Wohnimmobilienmarkt eine Sonderstellung ein. Sie hat sich zum bevorzugten Domizil vieler Betuchter und Berühmter entwickelt. Moderator Günther Jauch etwa lebt dort, ebenso wie Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner und Modemacher Wolfgang Joop. Ein solcher Status hält sich gerne selbst am Leben, wie im Westen die Beispiele Sylt und Starnberger See zeigen.

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