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Geldgrab Ostimmobilien: Welche Promis ein Vermögen im Osten versenkten

Foto: Z1006 Matthias Hiekel/ dpa

Ostdeutschland Aufblühende Immobilienmärkte

Tausende Deutsche versenkten in den 90er Jahren viel Geld mit Immobilieninvestments in Ostdeutschland. Mehr als zehn Jahre später lockt der Markt erneut. In Potsdam, Dresden und Leipzig etwa macht sich der wirtschaftliche Aufschwung auch bei den Wohnungs- und Hauspreisen bemerkbar. Werden die Anleger wieder schwach?   

Hamburg - Zum Beispiel Werner Lorant. Für den schillernden Fußballtrainer, der einst namhafte Clubs wie 1860 München oder Fenerbahçe Istanbul coachte, lief es gar nicht gut in Ostdeutschland. Laut "Bunte" steht Lorant deshalb jetzt vor dem Ruin. "Ich habe mich vor 15 Jahren mit Ostimmobilien verspekuliert", erklärte er vor einigen Tagen in dem Blatt. "Das war der größte Fehler meines Lebens."

Lorant befindet sich in guter Gesellschaft: Seicht-Autorin Hera Lind, Schauspielerin Grit Böttcher, Fernsehkomikerin Tanja Schumann - die Liste der Promis, die in den 90ern viel Geld bei Immobiliendeals in den neuen Ländern versenkten, ist lang. Und durch tausende Privatleute - Zahnärzte, Architekten, Anwälte - wird sie noch viel länger.

Sie alle hatten eins gemeinsam: Sie ließen sich in der Nachwendezeit von der Gier und dem Reiz hoher Steuerersparnisse zu zweifelhaften Investments verleiten. Landauf, landab waren seinerzeit windige Verkäufer unterwegs, im Gepäck stets die ultimative Offerte: Eine 50-Quadratmeter-Wohnung etwa, beispielsweise in Leipzig, für damals noch 200.000 Mark.

Massenhaft enttäuschte Anleger

Das klang zunächst zwar nicht günstig. Dank staatlicher Aufbauförderung ("Sonder-Afa Ost") konnte die Hälfte des Preises jedoch von der Steuer abgesetzt werden. Zudem lockten rosige Aussichten: Wirtschaftlicher Aufschwung, "blühenden Landschaften" (O-Ton Altkanzler Helmut Kohl) - und ordentlich steigende Mieteinnahmen. Wer könnte da wiederstehen?

Bekanntlich kam es anders. Der Aufschwung im Osten ließ lange auf sich warten. Zu lange für viele, vor allem junge Menschen dort. Sie packten ihre sieben Sachen und zogen weg. Die Folge: Leerstehende Wohnungen, fallende Preise und Mieten - und massenhaft enttäuschte, zum Teil ruinierte Anleger im Westen. Der Preis der Leipziger Beispielwohnung etwa konnte in dem Zuge gut und gerne auf bis zu 40.000 Euro fallen, von ausbleibenden Mieteinnahmen ganz zu schweigen. Ging es um Kapitalanlagen, so galt der ostdeutsche Immobilienmarkt seither für lange Zeit als absolutes Tabu.

Das jedoch ändert sich möglicherweise gerade. Experten zufolge ist der Tiefpunkt der Marktentwicklung vielerorts durchschritten, die Altlasten - auch auf dem Wege zahlreicher Zwangsversteigerungen - weitgehend abgearbeitet. An bestimmten Standorten stehe dem ostdeutschen Immobilienmarkt jetzt tatsächlich ein Aufschwung bevor, meinen Fachleute.

Beispiel Potsdam: Die traditionsreiche Stadt vor den Toren Berlins nimmt auf dem ostdeutschen Wohnimmobilienmarkt eine Sonderstellung ein. Sie hat sich zum bevorzugten Domizil vieler Betuchter und Berühmter entwickelt. Moderator Günther Jauch etwa lebt dort, ebenso wie Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner und Modemacher Wolfgang Joop. Ein solcher Status hält sich gerne selbst am Leben, wie im Westen die Beispiele Sylt und Starnberger See zeigen.

Rückbauprogramme stützen Immobilienmärkte

"Nach wie vor erfreut sich der Potsdamer Immobilienmarkt einer recht großen Nachfrage", bestätigt Ralf Lenfers, Leiter der örtlichen Niederlassung des Nobelmaklers Dahler & Company. "Im gehobenen Segment bezieht sie sich allerdings fast ausschließlich auf die Bereiche Berliner-, Nauener- und Jägervorstadt sowie Teile Babelsbergs."

Laut Lenfers verzeichnet Potsdam ein signifikantes Bevölkerungswachstum, einerseits durch Zuzug, anderseits durch eine vergleichweise hohe Geburtenrate. Die Zielgruppe ist nach Angaben des Experten daher klar umrissen: Gut verdienende Familien mit Kindern, "die häufig einem Gelderwerb nachgehen, der in irgendeiner Form mit Berlin zu tun hat".

Nach Ansicht des Experten befindet sich Potsdam auf bestem Wege, zum exklusiven Wohnvorort Berlins zu werden. Doch mit ihrer Erfolgsstory steht die ehemalige Residenzstadt Preußens längst nicht mehr alleine da. Die auf Ostdeutschland spezialisierte, staatliche Immobiliengesellschaft TLG preiste kürzlich in einem Bericht den robusten Immobilienmarkt in ganz Ostdeutschland. Die Wirtschaftskrise sei dort wegen der geringeren Exportabhängigkeit weniger stark spürbar gewesen als im Westen. Die neuen Länder hätten sich zum Topstandort für Hightechbranchen entwickelt, etwa in den Bereichen Gesundheit, neue Energien und Biotechnologie.

Abriss von Plattenbauten bringt Mietsteigerungen

Laut TLG wirkt sich dies am Immobilienmarkt bereits aus: Wo die Wirtschaft stark ist, steige auch die Nachfrage nach Wohnungen, Büros und Läden. Besonders deutlich sei das in Potsdam, Dresden, Leipzig und Jena zu beobachten, so das Unternehmen. Auch Erfurt und Eisenach seien interessant - nicht zuletzt wegen der günstigen Lage an der Autobahn A4.

Marian Ziburske kann das nur bestätigen. Mit seiner regionalen Immobiliengesellschaft Westminster in Forst bei Cottbus hat er gerade ein 40-Millionen-Euro-Wohnungspaket erworben, verteilt über die Standorte Halle, Leipzig, Weißenfels, Bernau und Frankfurt an der Oder. Nach eigenen Angaben war das einer der größten Deals dieses Jahres am ostdeutschen Immobilienmarkt.

Ursache für den Aufschwung ist nach seinen Angaben jedoch nicht nur die günstige wirtschaftliche Entwicklung. Die öffentlichen Programme, mit denen vielerorts der Abriss beziehungsweise der Rückbau alter Immobilienbestände gefördert wurde, haben nach Ansicht Ziburskes ebenfalls eine entscheidende Rolle gespielt. "So sind vor allem viele Plattenbauten verschwunden und die Leerstände zurückgegangen", sagt er.

Die Folge sind naturgemäß Mietsteigerungen. "In Potsdam und Dresden haben die Mieten inzwischen wieder deutlich angezogen", sagt Ziburske. "In Leipzig bemerken wir gerade den beginnenden Aufschwung."

Die Wohnimmobiliengesellschaft Estavis berichtet ebenfalls von steigenden Mieten. Vorstandschef Florian Lanz macht zudem auf besondere steuerliche Möglichkeiten aufmerksam. "Die steuerlichen Vergünstigungen bei der Denkmalsanierung machen Leipzig und andere Städte im mitteldeutschen Raum vor allem für Privatanleger interessant", sagt er. "Sie können die Sanierungskosten in den ersten zwölf Jahren nach Ende der Sanierung vollständig absetzen."

Fachleute warnen vor Unwägbarkeiten

Aber reicht das alles? Sollen Anleger tatsächlich wieder in den ostdeutschen Immobilienmarkt investieren? Lutz Menzel meint: Ja. Als Geschäftsführer der Immobilienfirma Alt + Kelber Wohninvest ist er auf die Privatisierung von Mietwohnungen spezialisiert. Er verkauft die Objekte also an die aktuellen Bewohner - oder an Kapitalanleger. "Man soll immer in einen Markt einsteigen, wenn die Entwicklung noch bevor steht", sagt Menzel. "Nicht, wenn sie schon vorbei ist."

Und in "Boomregionen wie Chemnitz, Dresden und Leipzig" sieht der Experte ausgezeichnete Perspektiven. "Dort entwickelt sich die Wirtschaft gut und die Bevölkerungszahlen legen zu", so Menzel. "Auch die Immobilienpreise ziehen bereits an."

Das lässt sich empirisch belegen: Laut Hauspreisindex HPX der Kreditplattform Hypoport etwa haben Eigentumswohnungen im Osten Deutschlands seit 2005 um mehr als 5 Prozent zugelegt - während sie im Norden, Westen und Süden der Republik um rund 5 Prozent zurückgingen. Ähnlich ist das Bild bei neuen Einfamilienhäusern. Die stiegen in den vergangenen fünf Jahren zwar deutschlandweit im Wert - laut HPX jedoch nirgends so stark wie im Osten.

Der Osten hinkt dem Westen nach wie vor hinterher

Und damit nicht genug: Die Bausparkasse LBS beobachtet den Aufschwung nicht nur in den großen Städten, sondern auch schon im ländlicheren Bereich. "Im Umfeld der Großstädte zeigt der Preistrend eindeutig nach oben", sagt Wolfgang Lis, Sprecher der Geschäftsführung LBS Immobilien in Potsdam. Die Preisentwicklung werde getragen von einer regionalen Nachfrage, die teilweise schwer zu befriedigen sei.

Bei aller Euphorie machen die Fachleute allerdings auch Einschränkungen: "Man darf nicht vergessen, dass der Osten dem Westen nach wie vor in vielerlei Hinsicht hinterher hinkt", sagt Alt + Kelber-Geschäftsführer Menzel. "Wir haben nach wie vor eine hohe Arbeitslosigkeit, und das Einkommensniveau ist noch längst nicht ausgeglichen."

Das sieht auch Michael Voigtländer, Immobilienökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, so. "Den ostdeutschen Immobilienmarkt muss man abhängig vom Standort und der genauen Lage der Immobilie sehr differenziert betrachten", sagt Voigtländer. "Es gibt dort wohl Chancen, aber auch noch enorme Unwägbarkeiten in Bezug auf die künftige Entwicklung." Schnäppchen jedenfalls, da ist sich der Experte sicher, das schnelle Geld also, kann man am ostdeutschen Immobilienmarkt derzeit nicht machen.

Zumindest was das angeht, hätte sich gegenüber den 90er Jahren also nicht viel geändert.

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