Fotostrecke

Immobilienfonds: Welche Fonds derzeit in Schwierigkeiten stecken

Foto: Mark Lennihan/ AP

Liquiditätskrise Weiterer Immobilienfonds wird aufgelöst

Erneut ein harter Schlag für die Branche der offenen Immobilienfonds: Mit dem Degi Europa muss ein weiterer Fonds aufgelöst werden. Grund sind Liquiditätsprobleme, die entstanden, weil zu viele Investoren an ihr Geld wollen. Weitere Fonds sind in einer ähnlichen Lage.

Hamburg - Das Sterben der offenen Immobilienfonds in Deutschland geht weiter. Der in der Finanzkrise ins Straucheln geratene milliardenschwere Degi Europa wird nach 38 Jahren abgewickelt, wie die Gesellschaft Aberdeen am Freitag mitteilte. "Nach eingehender Prüfung kann nicht garantiert werden, dass die Liquidität von über 30 Prozent für die Bedienung der Rückgabewünsche ausreicht", hieß es zur Begründung.

Die Anleger brauchen weiter einen langen Atem, denn sie bekommen ihr Geld nur in halbjährlichen Raten gestreckt bis 2013 zurück. Erst Ende September hatte Konkurrent KanAm angekündigt, seinen offenen Immobilienfonds US-Grundinvest aufzulösen - der erste Fall überhaupt in Deutschland. Die Angst vor einem Dominoeffekt war von Anfang an groß. Der Degi Europa war 1972 an den Start gegangen und warb mit sicheren Anlagen in europäische Gewerbeimmobilien vor allem um private Anleger.

Im Herbst 2008, als von der Finanzkrise verunsicherte Investoren Gelder in Milliardenhöhe abzogen, wurde der Degi Europa aus Angst vor einem Liquiditätsengpass eingefroren: Die Gesellschaft nahm keine Anteilsscheine mehr zurück. Die zweijährige Frist für eine vorübergehende Schließung wäre nun Ende Oktober ausgelaufen. Noch in den vergangenen Wochen hatte sich Aberdeen zuversichtlich gezeigt, den Degi Europa wieder öffnen zu können.

Fonds wäre nach Öffnung wieder in Schieflage geraten

Mit etlichen Immobilienverkäufen kam Geld in die Kasse. Die nun vollzogene Kehrtwende begründete Aberdeen mit dem weiter angespannten Marktumfeld. Zudem seien seit der Schließung Fondsanteile des Degi Europa im Wert von etwa 400 Millionen Euro zu überdurchschnittlichen Abschlägen an der Börse - dem Zweitmarkt - gehandelt worden. Allein eine Rückgabe dieser Anteile hätte den Fonds wohl erneut in Schieflage gebracht. Das Fondsvolumen lag zuletzt noch bei 1,3 Milliarden Euro.

Ziel sei es nun, private und institutionelle Investoren bei der Auszahlung gleich zu behandeln, begründete Aberdeen die Entscheidung für die Ratenzahlungen. Eine erste Tranche solle im Januar 2011 fließen. Bis zum 30. September 2013 müssen dann die restlichen 19 Immobilien aus dem Bestand abverkauft werden, um weitere Gelder freizusetzen. Für die Anleger dürfte dies mit Verlusten verbunden sein, denn Krisen-Fonds sind in einer schwachen Verhandlungsposition und müssen für gewöhnlich unter Buchwert verkaufen.

Schon in den vergangenen Jahren hatten die Investoren herbe Abwertungen ihrer Anteile verschmerzen müssen: Allein per Ende September wies der Degi Europa eine Wertentwicklung von minus 24 Prozent aus. Auch etliche andere offene Immobilienfonds, darunter Schwergewichte wie der SEB ImmoInvest und der CS Euroreal, sind seit der Finanzkrise eingefroren. Sie alle warten ab, in welcher Form das neue Anlegerschutzgesetz der Bundesregierung kommt, das eine stärkere Regulierung der Branche vorsieht.

Ob sich die Marktbereinigung fortsetzt, wird sich aber schon in den kommenden Tagen beim Fonds P2 Value von Morgan Stanley zeigen. Auch hier läuft zum Monatsende die Gnadenfrist ab. Nach früherem Bekunden bereitet Morgan Stanley die Wiederöffnung des Fonds in abgespeckter Form vor. Am Freitag äußerte sich das Unternehmen nicht. Über die aktuelle Netto-Liquidität des Fonds ist nichts bekannt.

cr/dpa/reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.