Hohe Inflation EZB-Köpfe signalisieren Zinserhöhung im Sommer

Die US-Notenbank Fed hat der Inflation längst den Kampf angesagt. Die EZB zögerte lange, die Preissteigerung von zuletzt 7,4 Prozent zu bekämpfen. Doch nun signalisieren in kürzester Zeit gleich vier Notenbanker eine Zinserhöhung bereits im Sommer.
EZB-Vizepräsident Luis de Guindos und weitere Mitglieder des EZB-Rats bereiten die Märkte auf eine mögliche Zinserhöhung schon im Sommer vor

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos und weitere Mitglieder des EZB-Rats bereiten die Märkte auf eine mögliche Zinserhöhung schon im Sommer vor

Foto: Arne Dedert / dpa

In der Eurozone könnte eine erste Zinserhöhung im Kampf gegen die hohe Inflation früher als bisher gedacht erfolgen. Aus den Reihen der Europäischen Zentralbank (EZB) kommen zahlreiche Signale für einen Zinsschritt bereits im Sommer. "Ich sehe keinen Grund, warum wir unser Programm zum Kauf von Vermögenswerten nicht im Juli auslaufen lassen sollten", sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos (62) in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Aus heutiger Sicht sei dann auch eine Zinserhöhung im Juli möglich.

Etwa zeitgleich zu de Guindos hat sich auch EZB-Ratsmitglied Pierre Wunsch (54) ganz ähnlich geäußert. Ein Zinsschritt im Juli sei "sicherlich ein Szenario, das ich in Betracht ziehen würde", sagte der Präsident der belgischen Notenbank ebenfalls in einem Bloomberg-Interview. Voraussetzung sei aber "eine weitere Inflationsüberraschung". Bereits am Vortag hatte EZB-Ratsmitglied  und Bundesbank-Präsident Joachim Nagel (55) eine mögliche Zinsanhebung für Juli in Aussicht gestellt. Auch Martins Kazaks (48), ebenfalls EZB-Ratsmiglied und Präsident der lettischen Zentralbank, hält eine Zinserhöhung im Juli für möglich.

Wird sie ihm folgen? Nicht nur EZB-Vize Luis de Guindos votiert für eine Zinserhöhung bereits im Juli. EZB-Präsidentin Christine Lagarde zeigte sich in dieser Frage zuletzt noch zögerlich

Wird sie ihm folgen? Nicht nur EZB-Vize Luis de Guindos votiert für eine Zinserhöhung bereits im Juli. EZB-Präsidentin Christine Lagarde zeigte sich in dieser Frage zuletzt noch zögerlich

Foto: Thomas Lohnes / POOL / EPA

Hintergrund der Signale auf eine Zinserhöhung im Sommer ist die hohe Inflation im gemeinsamen Währungsraum. Im März ist die Inflationsrate nach revidierten Daten vom Donnerstag mit 7,4 Prozent auf den höchsten Stand seit der Euro-Einführung gestiegen. Die Teuerung liegt damit viel höher als das von der EZB angepeilte Inflationsziel von 2 Prozent.

Bisher wurde eine Zinserhöhung in der Eurozone an den Finanzmärkten im Herbst erwartet. Dabei geriet vor allem EZB-Präsidentin Christine Lagarde in der Vergangenheit immer wieder in die Kritik, weil sie sich zu zögerlich zeigte mit einer Wende in der Geldpolitik. Am vergangenen Donnerstag ließ die EZB den Leitzins, den sie das letzte Mal 2011 erhöht hatte, jedenfalls vorerst weiter bei 0 Prozent.

Mit den Hinweisen auf einen früheren Zinsschritt verstärkte sich am Devisenmarkt die Nachfrage nach dem Euro. Der Kurs der Gemeinschaftswährung  legte deutlich zu und konnte wieder über die Marke von 1,09 US-Dollar steigen. Zuvor hatte die unterschiedliche Ausrichtung der Geldpolitik zwischen den USA und der Eurozone die Gemeinschaftswährung noch stark belastet und der Euro war Mitte des Monats zum Dollar auf den tiefsten Stand seit Frühjahr 2020 gefallen. Während die US-Notenbank Fed die geldpolitische Wende vollzogen und im März eine erste Zinserhöhung beschlossen hat, wurde der Euro durch das Zögern der Europäischen Zentralbank belastet.

Derzeit liegt der Hauptrefinanzierungssatz der EZB, zu dem sich die Banken Geld bei der Notenbank leihen können, bei null Prozent. Der Leitzins befindet sich seit dem Frühjahr 2016 auf dem Rekordtief an der Nullmarke. Der Zinssatz für Einlagen bei der EZB liegt aktuell bei minus 0,5 Prozent. Banken müssen mit den Negativzinsen also eine Art Gebühr zahlen, die inzwischen viele Geldhäuser an ihre Kunden weitergeben.

rei/dpa-afx