Nach Shortseller-Attacke Bafin beginnt Sonderprüfung bei Leasingfirma Grenke

Shortseller Fraser Perring hat den Grenke-Konzern unter Druck gesetzt. Nachdem dieser bereits zwei Untersuchungen durch Wirtschaftsprüfer in Auftrag gegeben hat, wird nun auch die Bafin aktiv.
Grenke-Firmensitz in Baden-Baden

Grenke-Firmensitz in Baden-Baden

Foto: Uli Deck / dpa

Die Finanzaufsicht Bafin hat eine Sonderprüfung bei der Leasingfirma Grenke  gestartet. Die Beratungsgesellschaft Mazars habe im Auftrag der Bafin die Untersuchung aufgenommen, teilte Grenke am Montag mit. "Wir haben von Anfang an volle Transparenz und selbstverständlich umfassende Kooperation mit den Aufsichtsbehörden zugesagt", erklärte Grenke-Chefin Antje Leminsky. Es sei im Interesse der Firma, der Mitarbeiter, Kunden und Investoren, dass die Vorwürfe des britischen Investors Fraser Perring aus der Welt geschaffen würden. Perring, ein sogenannter Shortseller, der auf sinkende Aktienkurse bestimmter Unternehmen wettet, wirft Grenke unter anderem Betrug, Geldwäsche und Bilanzfälschung vor. Die Finanzaufsicht Bafin steht nun im Fall Grenke unter verschärfter Beobachtung, da der Bafin im Fall des Wirecard-Bilanzskandals vorgeworfen wird, ihren Aufsichtspflichten nicht genügt zu haben.

Der seit einigen Wochen unter Druck stehende Leasingspezialist Grenke  hat auch selbst zwei eigene externe Prüfgutachten in Auftrag gegeben: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG wurde bereits am 18. September beauftragt, ein Sondergutachten zu erstellen, das insbesondere die Substanz des Geschäfts untersucht. Zusätzlich wurde am 24. September die unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton mandatiert, um die Grenkes Franchise-Übernahmen zu überprüfen. Warth & Klein Grant Thornton sei eine der führenden mittelständischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland, hieß es.

Grenke will nach einem Absturz des eigenen Aktienkurses infolge von Anschuldigungen des Leerverkäufers Viceroy Research, hinter dem der britische Shortseller Fraser Perring (46) steckt, klären lassen, ob die übernommenen Gesellschaften eine marktübliche Bewertung hatten und ob die eingefädelten Deals für Grenke vorteilhaft waren. Dabei geht es auch um die Gültigkeit von Kaufverträgen und um die jeweils beteiligten Parteien. Grenke-Papiere waren vor den Vorwürfen des Shortsellers noch 55 Euro wert, derzeit werden sie bei knapp 32 Euro gehandelt.

Viceroy hatte behauptet, das Franchising-System des Konzerns sei ein Dickicht, mit dem Grenke Scheingewinne verschleiere, die bei der Übernahme von Einzelgesellschaften dann mit überhöhten Bewertungen in der Grenke-Bilanz landeten. Viceroy hat die Grenke-Aktien nach eigenen Angaben "geshortet" und dürfte so an fallenden Kursen verdienen. 

Aktie kaum verändert

Um die Anschuldigungen des britischen Investors zu den Barmitteln der Firma zu widerlegen, hat Grenke auf seiner Internetseite zudem zwei Kontoauszüge der Bundesbank veröffentlicht. Auf zwei Konten befanden sich demnach Anfang Juli mehr als 930 Millionen Euro. Vergangene Woche hatte der Vorstand gesagt, per Mitte September habe sich das Guthaben bei der Bundesbank auf 761 Millionen Euro belaufen. Die Bundesbank erklärte, sie äußere sich nicht zu einzelnen Banken oder Finanzdienstleistern, weder in Bezug auf die Bankenaufsicht noch in Bezug auf den Zahlungsverkehr.

An der Börse herrscht nach wie vor Unsicherheit. Die Aktien von Grenke  notierten am Montag kaum verändert bei 31,60 Euro. Bevor Perring seinen Bericht veröffentlichte, waren die Titel noch 55 Euro wert. Perring wettet nach eigenen Aussagen auf einen Kurssturz der Aktien, er ist ein sogenannter Leerverkäufer. Diese Art der Börsengeschäfte ist erlaubt, manche Experten halten sie sogar für notwendig, um einen reibungslosen Handel zu gewährleisten. Investoren verkaufen dabei Wertpapiere, die sie sich gegen eine Gebühr von anderen Marktteilnehmern geliehen haben. Sinkt der Kurs bis zum Rückgabedatum, können sie sich am Markt billiger mit den Titeln eindecken und streichen die Differenz ein. Steigt der Kurs, droht ein Verlust.

la/dpa/Reuters
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