Techkonzerne im Höhenflug Milliardengewinne für Google und Facebook

Für 2021 erwarten Facebook und Google rauere Zeiten. Das dritte Quartal war für die Techkonzerne aber ein Festspiel - auch dank deutlich steigender Werbeerlöse in der Krise.
Mitten in der Corona-Pandemie: Tech-Konzerne profitieren vom veränderten Verhalten der Nutzer und Werbekunden

Mitten in der Corona-Pandemie: Tech-Konzerne profitieren vom veränderten Verhalten der Nutzer und Werbekunden

Foto: DAMIEN MEYER/ AFP

Die großen Tech-Konzerne profitieren vom veränderten Verhalten der Nutzer und Werbekunden in der Corona-Pandemie. Amazon bescherte der Trend zum Einkauf im Internet einen Rekordgewinn im vergangenen Quartal, profitierte aber auch zunehmend von Werbeeinnahmen.

Facebook profitierte in seinem Werbegeschäft davon, dass immer mehr kleinere Firmen in den vergangenen Monaten ins Netz gingen, um Einbrüche durch die Krise aufzufangen. Bei Google brummt unter anderem das Geschäft der Videoplattform YouTube, während Menschen mehr zu Hause sind. Und bei Apple  wuchs in Zeiten von Arbeit im Homeoffice und Online-Lernen besonders das Geschäft mit Mac-Computern und iPads, jedoch nicht so sehr mit iPhones.

Bei Facebook  hatten sich Analysten zu Beginn der Krise noch Sorgen um das Geschäft gemacht. Einen großen Teil der Facebook-Werbekunden machen kleine und mittlere Unternehmen aus. Viele von ihnen - wie etwa Cafés oder Restaurants - wurden hart von der Pandemie getroffen. Doch es stellte sich heraus, dass Facebooks Geschäft sogar einen Schub bekam, da mehr Unternehmen in der Pandemie auf der Suche nach Alternativen ins Internet gingen. Der vor allem mit Werbung erzielte Umsatz des Online-Netzwerks stieg damit um 22 Prozent auf 21,2 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 7,85 Milliarden Dollar übrig - ein Plus von 29 Prozent. Zugleich gab es im Juli einen Werbeboykott großer Kunden aus Protest gegen Hassreden auf der Plattform.

Dass Facebook dennoch solides Wachstum verzeichnet, liegt auch daran, dass kleine und mittlere Unternehmen in der Krise auf der Suche nach neuen Geschäftsmöglichkeiten verstärkt ins Internet gehen. Facebooks Werbegeschäft sei von diesem beschleunigten Wandel vom traditionellen zum Onlinehandel angetrieben worden, betonte Finanzchef Dave Wehner. Facebook hatte schnell eine Handelsplattform entwickelt.

Facebook: 2021 Jahr mit Unsicherheiten

Die für das operative Geschäft zuständige Top-Managerin Sheryl Sandberg (51) nannte als Beispiel eine Familienfirma, die Seifen aus eigener Herstellung sonst auf Wochenmärkten verkaufte. In der Pandemie nutze sie nun Facebook als Plattform und habe ihr Geschäft ausgebaut. So sieht sich Facebook auch als Netzwerk, dass in der Krise eine schützenswerte Rolle für die Wirtschaft spiele. Für 2021 warnte Facebook aber vor einem härteren Jahr. Das Social-Media-Unternehmen gab dabei an, "mit erheblichen Unsicherheiten" konfrontiert zu sein.

Vor diesem Hintergrund kritisiert Facebook unter anderem die Pläne von Apple für Privatsphäre auf dem iPhone, bei denen die Nutzer jeder App einzeln das Tracking für Werbezwecke erlauben sollen. Das könnte Facebook daran hindern, Daten zu einem Nutzer quer über verschiedene Apps zu sammeln und damit die Werbung präziser zu personalisieren. Er sei besorgt, dass solche Einschränkungen oder EU-Datenschutzpläne "einen bedeutenden negativen Effekt für kleine Unternehmen und die wirtschaftliche Erholung im Jahr 2021 oder darüber hinaus haben könnten", sagte Gründer und Chef Mark Zuckerberg (36).

Die Zahl der täglich aktiven Facebook-Nutzer stieg binnen drei Monaten um 30 Millionen auf rund 1,82 Milliarden. Auf mindestens eine App aus dem Konzern - wie Instagram und WhatsApp - greifen täglich 2,54 Milliarden Nutzer zurück.

Google liefert zuverlässig

Die hohen Werbeeinnahmen und ein starkes Cloud-Geschäft sorgten auch bei der Google-Mutter Alphabet  im dritten Quartal trotz Corona-Pandemie für einen deutlichen Gewinnsprung. Das Nettoergebnis schoss im Jahresvergleich um fast 60 Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) in die Höhe, teilte der Internetgigant am Donnerstag nach US-Börsenschluss in Mountain View mit. Die Erlöse wuchsen um 14 Prozent auf 46,2 Milliarden Dollar. Analysten hatten einen Umsatz von 42,9 Milliarden US-Dollar oder ein Wachstum von 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet.

Nach einem Dämpfer im Vorquartal lief das Anzeigengeschäft von Google - Alphabets Haupteinnahmequelle - wieder rund und trug mit 37,1 Milliarden Dollar oder mit rund 80 Prozent den größten Anteil zum Umsatz bei. Laut Werbeanalysten profitierte Google dabei auch von den Ausgaben für politische Werbung vor den US-Präsidentschaftswahlen am 3. November.

Daneben florierten auch die Werbeerlöse der Videotochter YouTube und das Cloud-Geschäft mit IT-Diensten und Speicherplatz im Internet. Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen deutlich, die Aktie reagierte nachbörslich mit einem Kurssprung von über 7 Prozent. "Wir hatten ein starkes Quartal", freute sich Konzernchef Sundar Pichai (48).

Wettbewerbsklage gegen Marktmacht

Am Vortag hatte Pichai sich noch neben seinen Facebook- und Twitter-Pendants Zuckerberg und Jack Dorsey (43) im US-Senat rechtfertigen müssen. Wenige Tage vor der US-Wahl beschuldigten Vertreter der republikanischen Partei von Präsident Donald Trump (74) die "Big Tech"-Managern, auf ihren Plattformen konservative Ansichten zu unterdrücken und drohten ihnen mit schärferen Gesetzen.

Zudem hat das US-Justizministerium in der vergangenen Woche seine seit Langem erwartete Wettbewerbsklage eingereicht, die Google vorwirft, auf verbotene Weise seine Marktmacht bei der Internetsuche und damit verbundener Werbung zu auszuspielen. Die Quartalszahlen unterstreichen diese Dominanz einmal mehr. Doch auch sonst lieferte Alphabet in fast jedem Geschäftsbereich glänzende Zahlen ab. Sogar die als "Other Bets" bilanzierten Wetten auf Zukunftstechnologien wie selbstfahrende Autos verbuchten einen beachtlichen Umsatzanstieg.

akn/dpa/Reuters