Telekom führt Gewinnranking an Dax-Konzerne erzielen in der Krise Rekordgewinne

Trotz Chipkrise, Corona und gestörter Lieferketten haben die Dax-Konzerne im dritten Quartal Rekorde bei Umsatz und Gewinn erzielt. Vor allem Asien treibt das Geschäft an. Das Gewinnranking führt die Deutsche Telekom an - vor der Allianz und den Autobauern. BASF und Bayer verzeichnen ein Comeback.
Umbau: Trotz steigender Gewinn setzt Telekom-Chef Tim Höttges auf ein Sparprogramm und baut Jobs ab, um die Investitionen in den USA und die Netze in Deutschland stemmen zu können

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Foto: Federico Gambarini/dpa

Trotz der weltweiten Engpässe bei der Versorgung mit Halbleitern, trotz teurer Rohstoffe und gestörter Lieferketten haben die deutschen Top-Konzerne im dritten Quartal erneut Rekorde bei Umsatz und Gewinn erzielt. Insgesamt stieg der Gesamtumsatz der 40 im Dax notierten Unternehmen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent. Damit wurde auch der Umsatz des Vorkrisenjahres 2019 um vier Prozent übertroffen, Deutschlands Top-Konzerne erzielen also so viel Umsatz wie nie zuvor.

Das zeigt eine manager magazin vorliegende Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf Basis der Geschäftsberichte der Unternehmen. Die große Mehrheit der Dax-40-Konzerne legte im Vergleich zum Vorjahr beim Umsatz deutlich zu – lediglich drei Unternehmen (Volkswagen, Airbus, Continental) wiesen im dritten Quartal einen Umsatzrückgang auf.

Hauptumsatztreiber war im dritten Quartal das Geschäft in Asien, wo die Erlöse in Summe um 14 Prozent stiegen. In Nordamerika wurde im dritten Quartal ein Wachstum von 13 Prozent verzeichnet, in Europa lag der Gesamtumsatz hingegen auf dem Vorjahresniveau (minus 0,1 Prozent).

152 Prozent Gewinnplus - Konzerne verdienen besser als vor der Krise

Noch besser als die Umsätze entwickelten sich die operativen Gewinne der deutschen Top-Konzerne: Nach einem Gesamt-Ebit von 14,2 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum erwirtschafteten die Dax-Konzerne im abgelaufenen Quartal einen Gesamtgewinn von 35,7 Milliarden Euro – ein Plus von 152 Prozent. Dass sich der Gewinn mehr als verdoppelt hat, hat natürlich auch mit dem Einbruch der Geschäftstätigkeit im Corona-Herbst 2020 zu tun. Gegenüber dem dritten Quartal des Vorkrisenjahres 2019 wuchs der Gewinn aber ebenfalls - und zwar um 21 Prozent.

"Wir befinden uns im zweiten Jahr der Pandemie, und die Rahmenbedingungen sind nach wie vor sehr schwierig: Unterbrechungen der Lieferketten, stark steigende Logistik- und Materialkosten, Lieferprobleme bei Rohstoffen sowie Bauteilen und daraus resultierende Produktionsdrosselungen machen den Unternehmen zu schaffen", sagt Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung bei EY. "Dennoch hat es die große Mehrheit der deutschen Top-Konzerne im dritten Quartal geschafft, Kurs zu halten." Die internationale Aufstellung vieler Unternehmen und der Fokus auf Hochtechnologie und auf Premium-Segmente zahle sich derzeit aus - so zog zum Beispiel die Nachfrage in Asien deutlich an.

"Feierstimmung kommt trotz guter Finanzzahlen derzeit nicht auf", ergänzt Mathieu Meyer, Partner bei EY. "Es ist möglich, dass wir im vierten Quartal noch stärkere Auswirkungen der Lieferengpässe sehen werden." Die vierte Corona-Welle und der kommende Winter könnten zu weiteren Produktionsausfällen und Logistikstörungen führen - dies könnte Domino-Effekte auslösen.

Telekom mit höchstem Gewinn, Autobauer trotz Umsatzminus mit Gewinnplus

Den höchsten operativen Gewinn unter den Dax-Konzernen erwirtschaftete im dritten Quartal die Deutsche Telekom mit 3,5 Milliarden Euro. Auf Platz zwei folgt der Versicherungskonzern Allianz mit einem Ebit von 3,2 Milliarden Euro. Die Plätze drei bis fünf im Gewinnranking belegten die Autohersteller – obwohl gerade die Automobilindustrie die Auswirkungen der Chipkrise zu spüren bekommt und die Hersteller unter sinkenden Umsätzen leiden.

Volkswagen, Daimler und BMW erwirtschafteten zusammen einen operativen Gewinn von 8,4 Milliarden Euro, nachdem diese drei Unternehmen im Vorjahreszeitraum noch ein Gesamt-Ebit von 7,6 Milliarden Euro ausgewiesen hatten. BMW schaffte ein Gewinnplus von fast 50 Prozent, bei Daimler waren es knapp 16 Prozent mehr Gewinn als im Vorjahresquartal. Volkswagen kam trotz eines Gewinneinbruchs von 18 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro immer noch auf den fünfthöchsten Gewinn aller Dax-Unternehmen. Damit klingelt bei den Autobauern trotz sinkender Absatzzahlen die Kasse: Bei Volkswagen ging der Umsatz im dritten Quartal um 4,1 Prozent zurück, Daimler verbuchte ein minimales Plus von 0,1 Prozent. Lediglich BMW schaffte ein Umsatzplus von 4,5 Prozent.

BASF und Bayer steigerten den Gewinn am stärksten

Den stärksten Gewinnanstieg verzeichneten aber die Chemie- beziehungsweise Chemie/Pharmakonzerne BASF und Bayer, die jeweils nach Milliardenverlusten im Vorjahr nun Milliardengewinne ausweisen konnten. Der Wohnungskonzern Vonovia und der Versorger RWE haben ihre Gewinne jeweils mehr als verdreifacht. 26 Unternehmen konnten ihren operativen Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern, bei zehn Konzernen ging der Gewinn zurück. Die übrigen Unternehmen machten im dritten Quartal keine Angaben zum Gewinn.

BASF, Airbus, Telekom, Linde - 15 Unternehmen haben Jobs abgebaut

Auch die Beschäftigung entwickelte sich nicht einheitlich: Zwar stieg die Zahl der Mitarbeiter im Jahresverlauf insgesamt um 1,5 Prozent. Aber lediglich 14 Unternehmen verzeichneten einen Anstieg der Mitarbeiterzahl – zum Teil aufgrund von Zukäufen –, während 15 Unternehmen eine rückläufige Beschäftigung meldeten.

Zu den fünf Dax-Unternehmen, die ihre Mitarbeiterzahl prozentual am stärksten nach unten drückten, zählen BASF (6,1 Prozent), Airbus (6,1 Prozent), Telekom (5 Prozent), Linde (3,3 Prozent) und RWE (3,1 Prozent). Die übrigen Unternehmen machten keine entsprechenden Angaben. "Die meisten Unternehmen sind bei Neueinstellungen eher restriktiv, da derzeit generell Kostendisziplin und vor allem die Senkung der Fixkosten ganz oben auf der Agenda vieler Unternehmen stehen," sagt Ahlers.

Die Unternehmen täten nach Ahlers' Einschätzung gut daran, weiterhin auf Kostendisziplin zu setzen und zudem mit Hochdruck daran zu arbeiten, ihren Produktionsverbund und ihre Lieferketten krisenfest zu machen. Er rechnet damit, dass die aktuellen Beschaffungsprobleme den Trend zum sogenannten Backshoring verstärken werden, also zu einer Produktion näher an den Absatzmärkten - und zu einem teilweisen Rückzug aus sogenannten Best Cost Countries.

la
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