Ukraine-Krise Wie Anleger an der Alternative Flüssiggas mitverdienen können

Die Ukraine-Krise zeigt die Abhängigkeit der EU-Staaten von russischem Gas. Flüssiggas aus anderen Staaten könnte eine Alternative sein. In Europa entstehen mehr Terminals für den Umschlag von Flüssiggas. Der Investor könnte daran mitverdienen.
Flüssiggas-Terminal in Japan: In Polen wird derzeit ein Terminal für den Flüssiggas-Import aus den USA gebaut

Flüssiggas-Terminal in Japan: In Polen wird derzeit ein Terminal für den Flüssiggas-Import aus den USA gebaut

Foto: REUTERS

Mit einer respektablen absoluten Mehrheit hat die Ukraine einen erfolgreichen Unternehmer zum Präsidenten gewählt. Wer es hinbekommt, aus einem altmodischen Kombinat aus der Sowjetzeit eine moderne Schokoladenfabrik mit guten Gewinnen und hoher Beschäftigung zu machen, dem sollte es auch gelingen, das Land in Richtung sozialer Marktwirtschaft und anderer Reformen voranzubringen, meinen viele.

Zu den vielen großen Aufgaben des neuen Präsidenten gehört der Aufbau einer sicheren und von Russland möglichst unabhängigen Energieversorgung. Denn bisher bezieht die Ukraine, ebenso wie die baltischen Staaten, Schweden, Finnland und Bulgarien 100 Prozent ihres Erdgasverbrauches aus Russland. Ungarn liegt mit 70 Prozent und Polen mit 54 Prozent nur knapp dahinter.

In den Wintern 2005/2006 und 2008/2009 kam es bereits im Zuge von Streitigkeiten mit russischen Lieferanten zu Engpässen in der Versorgung. Manche Industrieunternehmen mussten damals sogar ihre Produktion einstellen. Die aktuelle politische Lage könnte zu einer Störung der russischen Gaslieferungen führen. Dies wäre aufgrund der Abhängigkeit von russischen Erdgaslieferungen eine fatale Situation für die Ukraine.

Da Westeuropa etwa ein Drittel seines Gasimports aus Russland bezieht, hat europaweit die Suche nach alternativen Bezugsquellen eingesetzt. Neben dem Aufbau eines europäischen Pipelinenetzwerkes mit Anschluss an die großen Förderländer von Norwegen bis Algerien und Libyen kommt auch der Import von Flüssiggas (LNG) aus den USA in Betracht.

In Polen wird bereits ein Terminal für LNG-Import aus den USA gebaut. Erdgas ist in den USA, auch nach Verflüssigung zum Verkauf nach Europa, wesentlich billiger als in Europa. Durch den Import von preiswertem US-Gas könnte also im Laufe der Zeit der Aufbau neuer Infrastruktur wieder hereinverdient werden.

Anleger, die sich für diese Perspektiven interessieren, sind nach unserer Ansicht mit einem Blick auf die Anlagenbauer von LNG-Terminals, Pipelines und Raffinerien gut beraten.

Warum Chicago Bridge & Iron einen Kauf wert sein könnte

Ein besonders interessantes Unternehmen ist die Chicago Bridge & Iron. Das Unternehmen ist eine rund 125 Jahre alte Energieinfrastruktur-Gesellschaft, die Entwurf und Bau solcher Anlagen betreibt. Im ersten Quartal 2014 hat das Unternehmen Aufträge im Wert von 5,8 Milliarden Dollar erhalten, womit der Auftragsbestand insgesamt auf 30,7 Milliarden Dollar angestiegen ist. Dies lastet die Produktion für über zwei Jahre aus.

Dieser Orderzuwachs setzt sich in kräftigem Umsatz- und auch Ertragszuwachs um. Im ersten Quartal Quartal 2014 ist der Umsatz um 30 Prozent und der Reingewinn sogar um 140 Prozent gestiegen. Für die nächsten zwei Jahre erwarten unabhängige Analysten ungefähr 20 Prozent Zuwachs im Gewinn pro Aktie pro Jahr.

Da Chicago Bridge über 50 Jahre Erfahrung in diesem Bereich von der Planung über den Bau bis zur Wartung verfügt, ist das Unternehmen nach unserer Meinung auch weiterhin gut positioniert, vom Boom in der amerikanischen Energieindustrie zu profitieren.

Bereits im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, also großenteils vor Beginn des großen Energiebooms, ist der Gewinn pro Aktie im Schnitt um 17 Prozent jährlich gestiegen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für den erwarteten Gewinn des Geschäftsjahres 2015 beträgt 15. Dies ist nach unserer Meinung ein günstiger Wert für ein derartiges Qualitätsunternehmen mit starker Marktstellung und hervorragenden Zukunftsperspektiven.

Der internationale Großanlagenbau war immer ein zyklisches Geschäft und wird es auch in Zukunft sein. Abschwungphasen nach einem starken Investitionsboom liegen in der Natur der Sache. Interessierte Investoren sind deshalb gut beraten, vor allem die Entwicklung der Auftragseingänge im Auge zu behalten, um beispielsweise nach Ausbau der neuen europäischen Energieinfrastruktur dann auch wieder in einigen Jahren auszusteigen.

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