Geldanlage Mischen, nicht murksen

Der Dax notiert auf Höchstständen - eine neue schöne Aktienwelt, die Geldanlage einfach macht? Von wegen, winkt Christopher Nichols ab, Investmentdirektor bei Standard Life Investments und damit auch für die Streuung der Anlagen des Hauses zuständig. Es käme auf etwas ganz anderes an.
Von Arne Gottschalck
Wechselhaftes Börsenklima: Ein Schirm hilft - freilich weniger in der gezeigten Form als vielmehr in einer Anlagevariante, die mit allen Witterungen klar kommt. Der Gars-Fonds von Standard Life Investments nimmt das für sich in Anspruch

Wechselhaftes Börsenklima: Ein Schirm hilft - freilich weniger in der gezeigten Form als vielmehr in einer Anlagevariante, die mit allen Witterungen klar kommt. Der Gars-Fonds von Standard Life Investments nimmt das für sich in Anspruch

Foto: YUYA SHINO/ REUTERS

mm: Die Menschen sparen - doch oft kommt dabei nicht wirklich etwas heraus. Woran liegt's?

Nichols: Die Mehrheit der Investoren machen allerlei falsch. Vor allem unterschätzen sie die Macht der Streuung über verschiedene Anlageklassen, die Assetallocation. Sie versuchen also, mit bestimmten Sektorwetten etwas Alpha zu generieren ...

mm: ... also den Index zu schlagen.

Nichols: Ja. Doch die entscheidende Frage, die über den Erfolg einer Anlage entscheidet, ist die nach der richtigen Aufteilung in Aktien, Anleihen, Volatilität und so weiter, eben die Gewichtung der Anlageklassen.

mm: Warum tun sich die Menschen da so schwer - neu sind diese Erkenntnisse ja beileibe nicht.

Nichols: In der Tat, neu sind sie nicht. Vermutlich sind wir Menschen so.

mm: Aber viele Investoren nutzen doch angeblich feinkalibrierte Modelle - taugen die nichts?

Nichols: Die meisten sind rückwärtsgewandt. Viele Investoren nutzen "mean variance"-Analysen, die sich auf eine Kombination von historischen Durchschnittswerte von Volatilität und Korrelationen sowie Kapitalmarktannahmen stützen. Dies ist im besten Fall ein bisschen eine Prognose - doch das ist aberwitzig und reicht nicht aus, weil es nicht dynamisch genug ist.

mm: Was gehört denn alles in ein gestreutes Portfolio?

Nichols: Zumindest Aktien, Anleihen, Währungen. Wichtig ist, dass es dauerhafte und liquide Anlagen sind. Schließlich gilt es im Krisenfall auch auszusteigen. Da können wir mit irgendwelchen Miniaktien, mit Kleinstwährungen oder irgendwelchen seltsamen Märkten nichts anfangen. Uns geht es dabei darum, ein gegebenes Renditeziel mit einem Minimum an Risiko zur erreichen.

mm: Das sagen die meisten Anbieter von Absolute-Return-Produkten.

mm: Wir haben aber mehr bewegliche Teile im Portfolio als die meisten und können daher unsere Ziele auch erreichen.

Das Ende der Streuung?

Nichols: Indem wir von der anderen Seite denken. Wir setzen unsere Renditeziele fest, 5 Prozentpunkte über dem Geldmarktsatz Libor. Und wir verfolgen dabei das Ziel, das Risiko so gering wie möglich zu halten.

mm: Wie passt das den meisten Ihrer Investoren. Viele haben sich doch selbst ein gewisses Risikobudget gesetzt.

Nichols: Wir stellen fest, dass viele Investoren eine asymmetrische Nutzenfunktion haben -über eine konkrete Zielrendite hinaus erwarten sie auch eine Risikoreduzierung. Sie werden lachen, manche fragen sich tatsächlich, wie sie unser Produkt denn in ihr System einfügen sollen.

mm: Ein ungewöhnliches Problem.

Nichols: Ich dachte anfangs auch nicht, dass so etwas möglich ist.

mm: Es scheint aber zu funktionieren; ihr Gars-System ist inzwischen gut 18 Milliarden Pfund schwer. Wie lange halten Sie denn die Ideen im Fonds?

Nichols: Im Schnitt drei Jahre. Es kann allerdings auch sein, dass sich so eine Idee bereits nach drei Wochen auszahlt, das hatten wir einmal. Manchmal wartet man aber auch viel länger, weit über drei Jahre. Diese Ziele können zeitlich eben manchmal sehr zufällig erreicht werden.

mm: Zum Schluss noch mal zurück zur breiten Streuung - zuletzt machte die all-asset-correlation von sich reden, der Effekt, dass sich alle Assetklassen ähnlich entwickelten. Das Ende der Streuung?

Nichols: Nein. Diesen Effekt gibt es zwar, das ist aber auch ein statistischer Effekt. 2008 zum Beispiel korrelierten Aktien und Anleihen, wie auch andere wachstumsorientierte Assetklassen, zwar eng - aber genau das Gegenteil geschah bei anderen Assetklassen wie beispielsweise Volatilität. Deswegen muss man ja auch auf mehr Anlageklassen als die üblichen - und sie auch pflegen und stetig hinterfragen.

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