Donnerstag, 27. Februar 2020

Hedgefonds "Die Superreichen sind weg"

Hedgefonds haben in Deutschland keinen leichten Stand. Sie gelten als kompliziert, als Investment für Superreíche. Und trotzdem kann Ottonormalanleger etwas von ihnen lernen - und vom Betrugsfall Madoff.

London - Vorbei am Eingang mit den klassizistischen Säulen, durch das Londontypische Großraumbüro - eine Flucht von Schreibtischen, teilweise besetzt, teilweise nicht - in das nüchterne Besprechungszimmer. Dort sitzt Anthony Lawler. Der gebürtige Südafrikaner ist Fondsmanager bei GAM und kümmert sich darum, dass die Dachfonds des Hauses in die richtigen Hedgefonds investieren. Zuletzt nicht immer eine einfache Aufgabe.

GAM-Sitz in Mayfair
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GAM-Sitz in Mayfair
mm: Mister Lawler, wurmt Sie eigentlich der Erfolg der Exchange Traded Funds? Deren Volumen wachen von Jahr zu Jahr anscheinend ohne Anstrengung, während Hegdefonds noch immer als Böse-Buben-Investment gelten.

Lawler: Ach, ich finde, die Einstellung hat sich schon geändert. Warren Buffett verwaltet mit seiner Firma Berkshire Hathaway ja auch einen Hedgefonds, nur dass das nicht so in der Öffentlichkeit ankommt. Vielleicht heißen deswegen viele Hedgefonds auch Alternative Strategien.

mm: Und die ETF?

Lawler: Ich würde es nicht Konkurrenz nennen, sondern eher Ergänzung. Im Idealfall kann der Hedgefonds Strategien nutzen, die ein ETF nicht leisten kann. Dafür bietet das ETF eine günstige Umsetzung für Anleger, die eine klare Vorstellung von der künftigen Marktentwicklung haben.

mm: Aber es gibt doch inzwischen auch ETF, die auch Private-Equity- oder auch Hedgefondsstrategien abbilden - ohne die hohen Gebühren der Hedgefonds.

Lawler: Ich denke, es ist nicht so einfach, ein ETF mit guter Hedgefonds-Performance zu finden. Ich wäre vorsichtig bei komplexen strukturierten Produkten, die als "Hedgefonds ETFs" verkauft werden - sie können undurchsichtig und sehr teuer sein und gute Performance ist nicht garantiert.

mm: Immerhin 2, 20, wie es so schön heißt. 2 Prozent Ausgabeaufschlag, 20 Prozent Performancegebühr.

Lawler: ETFs und Hedgefonds haben beide ihre Vor- und Nachteile. Bei Hedgefonds sollte man einfach nicht in einen durchschnittlichen Hedgefonds investieren. Man muss das Angebot anschauen und die Hedgefonds herausfiltern, die hervorragend performen.

mm: Also nur den Markt abbilden.

Lawler: Genau. Sie sollen Alpha erwirtschaften, also einen Zusatzertrag.

mm: Aber das gelingt nicht allen.

Lawler: Nein, wie gesagt - man muss halt die, die Alpha erwirtschaften, aufspüren können. Aber derzeit sieht es so aus, als würden die Investoren wieder mehr in Hedgefonds gehen, die Erträge lagen zuletzt auch über dem des Markts.

mm: ETF punkten ja mit einer vergleichsweise schlichten Struktur, dem Nachbauen eines Index. Schlucken die Kunden die komplexere Struktur eines Hedgefonds noch?

Lawler: Da haben ETF natürlich einen Vorteil. In der Praxis indes hilft das nicht unbedingt, denn da gilt: "buy high, sell low" - sprich: viele Kunden greifen bei den ETF und auch anderen Investmentprodukten auf einem Börsenhoch zu, um entnervt im Kurstal zu verkaufen.

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