Montag, 21. Oktober 2019

Abspaltung von Berkshire Hathaway Tracy Britt Cool - Buffetts Topfrau gründet Mini-Berkshire

Tracy Britt Cool: Einst als potenzielle Nachfolgerin gehandelt, macht Buffetts Topfrau jetzt ihren eigenen Laden auf

Sie wurde schon als mögliche Nachfolgerin von Warren Buffett gehandelt - jetzt geht die 35-Jährige eigene Wege: Tracy Britt Cool, einstige Assistentin von Warren Buffett und aktuell Verwaltungsrätin und Chefin von Beteiligungen seiner Holding Berkshire Hathaway, will es jetzt selbst wissen und gründet ein Berkshire Hathaway im Kleinformat.

Sie wolle "eine langfristige Plattform und ein auf Dauer angelegtes Vehikel aufbauen, um Unternehmen zu kaufen und aufzubauen", skizzierte Cool gegenüber dem "Wall Street Journal" ihre Pläne. Firmen, bei denen es sich sehr lohne, "sie auf das nächste Level zu bringen, die aber zu klein für Berkshire sind". Und das mithilfe von Strategien, die sich auch bei Berkshire bewährt hätten. Details zur Struktur und Finanzierung kommunizierte Cool allerdings nicht.

Wie um Buffett selbst, ranken sich auch um Tracy Britt Cool bereits Legenden. Die Tochter zweier Landwirte heuerte 2009 bei dem Value-Investing-Großmeister an, nachdem sie diesen beim Besuch einer Gruppe der Harvard Business School kennengelernt hatte. Angetreten mit Mais und Tomaten der elterlichen Farm zum Besuch bei der Investmentlegende, arbeitete die Harvard-Absolventin, die schon als Kind einen eigenen Marktstand betrieb und auf dem Hof früh lernte, Verantwortung zu übernehmen, zunächst als Assistentin Buffetts. Einen Job, den dieser extra für sie geschaffen hatte.

Später kümmerte sie sich neben Aufsichtsposten unter anderem bei Kraft Heinz vornehmlich darum, trudelnde Portfoliofirmen wieder auf die Erfolgsspur zu setzen - mal im Verwaltungsrat, mal als CEO, wie zuletzt beim Küchenausrüster Pampered Chef, wo Cool 2014 den Chefposten übernahm und das Unternehmen wieder auf Kurs brachte. Einst als mögliche Nachfolgerin Buffetts gehandelt, geriet sie später allerdings wieder aus dem Fokus.

"Sie war der Feuerwehrmann", fasste Buffett den Job der mittlerweile zweifachen Mutter zusammen. "In allem, womit ich sie betraut habe, hat sie einen erstklassigen Job gemacht."

Im Streit verlässt Cool ihren einstigen Mentor, der ihr einst attestierte, wie er zu denken, nicht. Er verstehe ihre Entscheidung, zitierte das "Wall Street Journal" Buffett. Schließlich habe er Mitte der 50er Jahre selbst seinen Job bei der Investmentfirma seines damaligen Mentors Benjamin Graham aufgegeben, um etwas Eigenes aufzubauen. Bei Cools neuer Firma einsteigen will Buffet nach eigenen Worten aber nicht.

In einem Aspekt dürfte Cool ihrem alten Chef allerdings voraus sein. "Das Schwerste ist es, Dinge zum Kaufen zu finden", sagte Buffett. "Da hat sie den leichteren Job."

In gewisser Weise tritt Coll damit nun doch in Buffetts Fußstapfen.

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