Montag, 9. Dezember 2019

Private-Equity-Häuser an der Wall Street Auf Schnäppchenjagd in der Öl-Industrie

Ölarbeiter in den USA: Der Preisverfall lockt Schnäppchenjäger auf den Plan
Getty Images
Ölarbeiter in den USA: Der Preisverfall lockt Schnäppchenjäger auf den Plan

Finanzinvestoren in den USA sammeln Milliarden ein, um nach dem Ölpreisverfall in der Branche günstig einzukaufen. Das können Privatanleger auch.

Hamburg - Rekorde am Aktienmarkt, hohe Immobilienpreise, mickrige Zinsen - es ist nicht leicht, in diesen Tagen attraktive Geldanlageziele zu finden. Prominente Adressen an der Wall Street haben nun offenbar den Ölsektor dafür auserkoren.

Kein Wunder: Der Ölpreis beispielsweise der Sorte Brent ist binnen eines halben Jahres von mehr als 100 Dollar je Barrel auf zeitweise weniger als 50 Dollar gefallen. Inzwischen hat sich der Preis wieder leicht erholt, ein Barrel Brent-Öl notiert bei etwa 58 Dollar.

Im Zuge des Absturzes sind auch die Aktienkurse vieler Unternehmen aus der Ölbranche unter die Räder gekommen - manche zu recht, andere wohl auch zu unrecht. An dem Punkt setzen offenbar professionelle Private-Equity-Investoren aus dem USA an: Sie wollen das günstige Preisniveau nutzen, um lukrativ einzukaufen, nämlich dort, wo die Bewertung aus Sicht der Fachleute zu stark nachgegeben hat. Einem Bericht des US-Senders CNN zufolge sammeln viele Investmenthäuser derzeit Geld ein, um in der Ölindustrie auf Schnäppchenjagd zu gehen.

Ein Beispiel: Laut CNN legte der Investmentriese Blackstone in diesen Tagen einen Fonds mit einem Volumen von 4,5 Milliarden Dollar (knapp vier Milliarden Euro) auf, um damit im Energiesektor zu investieren. Damit habe der Private-Equity-Gigant seine Kriegskasse gut gefüllt, um abgestürzte Ölfirmen oder -Projekte günstig einzukaufen, so der Bericht.

Investoren mit tiefen Taschen und langem Atem

Damit steht Blackstone nicht allein: Laut CNN hat auch Warburg Pincus, die Firma, in der der frühere US-Finanzminister Timothy Geithner sowie künftig auch Ex-Telekom-Chef René Obermann aktiv sind, im Oktober vergangenen Jahres einen neuen Energie-Fonds auf den Markt gebracht. Das Volumen in diesem Fall: vier Milliarden Dollar.

Die Investoren nutzen den Umstand, dass der Ölsektor von traditionellen Finanzierungswegen wie Banken oder Anleihen derzeit abgeschnitten ist, heißt es. "Private Equity Investoren können daraus Kapital schlagen", zitiert CNN einen Energie-Analysten. Sie haben tiefe Taschen und den erforderlichen langen Atem."

Allerdings betreten die Private-Equity-Häuser mit der Ölbranche keineswegs Neuland. Seit Jahren sind die Großinvestoren dort aktiv und fahren zum Teil erkleckliche Gewinne ein. Seit 2013, so CNN, floss Private Equity im Volumen von 101 Milliarden Dollar in Energie-fokussierte Fonds. Einige Häuser wie KKR oder Carlyle stehen weniger auf der Seite der Profiteure - sie mussten mit dem Ölpreisverfall vielmehr Verluste verbuchen, heißt es.

Die Frage ist, ob sich auch Privatinvestoren auf die Ö-Aktien stürzen sollten. Das direkte Investment birgt erhebliche Risiken: Noch ist nicht klar, ob die Talfahrt schon beendet ist. Ebenso schwierig ist es, zu beurteilen, welche der Werte sich wieder erholen werden und welche weniger. Star-Investor Warren Buffett beispielsweise hat sich gerade erst von seinen Engagements bei Exxon Mobil sowie ConocoPhillips getrennt.

Wer den Schritt dennoch wagen will, sollte daher in jedem Fall den Weg über einen Investmentfonds oder einen in dieser Richtung positionierten Indexfonds wählen. Hier einige Anregungen von manager magazin online (es handelt sich nicht um Kaufempfehlungen):

Seite 1 von 2

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung