Uhren als Geldanlage Was bringen Uhren?

Die Aktienkurse wanken, Anleihen werfen nichts ab, die Immobilie ist zu teuer - so mancher kommt auf die Idee, eine Uhr als Anlage zu nutzen. Nur ein Tick? Ein Gespräch mit dem Uhrmacher Andreas Hentschel.
Von Arne Gottschalck
Andreas Hentschel: Uhrmacher aus Hamburg von der Uhrenmanufaktur Hentschel

Andreas Hentschel: Uhrmacher aus Hamburg von der Uhrenmanufaktur Hentschel

Foto: Torsten Milarg / Hentschel Hamburg

mm: Herr Hentschel, Hand aufs Herz - können Armbanduhren eine Geldanlage sein?

Hentschel: Grundsätzlich würde ich bei diesem Thema zwischen Uhren aus aktueller Produktion und historischen Uhren unterscheiden. Die aktuellen Uhren werden von Juwelieren oder Uhrenhändlern angeboten. Die Gewinnmarge beträgt im Durchschnitt bis zu 50 Prozent vom Verkaufspreis.

mm: Hart für den Endkunden ...

Hentschel: Ja, als Endverbraucher wird man kaum jemals so günstig einsteigen können wie der Händler es konnte. Eine Wertsteigerung, wenn überhaupt, kann man daher höchstens durch einen Wiederverkauf an einen Nicht-Uhrenhändler realisieren. Das gestaltet sich aber in der Realität sehr schwierig, da es immer wieder zu Problemen und Unsicherheiten bezüglich Garantie und Echtheit gibt. Selbst wenn eine Uhr augenscheinlich gut und präzise läuft, kann sie doch ernste mechanische Probleme haben, die für den Laien nicht zu erkennen sind. Auch Fremdeingriffe ins Uhrwerk und der Austausch von Teilen können nicht sicher ausgeschlossen werden. Das ist also eine äußerst unsichere Situation für den eventuellen Käufer einer Uhr von Privat.

Solche Erfahrungsberichte kursieren überall im Internet. Die Uhrenforen sind voll davon und die privaten Interessenten entsprechend vorsichtig. Das bedeutet eine sehr schwache Ausgangssituation für den Wiederverkäufer einer gebrauchten Uhr. Der einzige Anreiz kann da ein sehr günstiger Preis sein, der weit unter dem Verkaufspreis eines Händlers liegen, sonst gibt es keinen Anreiz.

mm: Gibt es da so etwas wie den Wertverlust, den ein Neuwagen auf den ersten Metern vom Autohof einfährt?

Hentschel: Beim Verkauf einer Uhr beträgt ihr Wert immer nur die Summe, die ein Käufer dafür bereit ist zu zahlen. Selbst eine neue ungetragene Uhr ist genau wie ein Neuwagen bereits nach dem Kauf erheblich viel weniger Wert als der Neupreis. Einzige Ausnahme sind künstlich verknappte Modelle, die genau den Zeitgeist treffen. Beispiel Rolex Submariner mit grüner Lynette. Prozentual würde ich aber schätzen handelt es sich bei diesen Stücken um unter 1 Prozent aller produzierten Armbanduhren der Luxusklasse.

Von wegen limitierte Serie

mm: Was bedeutet das eigentlich für die Uhrenhersteller?

Hentschel: Durch angeblich limitierte Serien versuchen die Hersteller den Anschein zu erwecken zu diesen oben erwähnten 1 Prozent der Luxus-Neuuhren zu gehören mit Wertsteigerungspotential. Limitierungen auf 1000 Stück und so weiter sind aber keine wirklichen Limitierungen. Die echten 1 Prozent sind auf wenige Exemplare limitiert, da der Herstellungsaufwand, zum Beispiel durch Handarbeit, so hoch ist.

mm: Bleiben die historischen Uhren.

Hentschel: Die echten Uhren als Wertanlage und guten Aussichten auf Wertzuwachs sind historische Uhren. Armbanduhren, Taschenuhren und Großuhren. Die teuersten jemals verkauften beziehungsweise versteigerten Armbanduhren sind historische Raritäten. In diesem Bereich gibt es sehr viele Beispiele für große Renditen. Meines Erachtens ist das der einzige Bereich bei Uhren, der wirklich als Wertanlage geeignet ist. Allerdings muss man sehr viel Ahnung davon haben. Ich selbst habe kaum Aktien, sondern einige dieser Klassiker. Ich beobachte bei den großen Auktionen die Wertentwicklung und bin äußerst zufrieden damit.

mm: Die Deutschen gelten, um es vorsichtig zu sagen, als Volk mit wenig Ahnung von Aktien. Wie ist das bei Uhren?

Hentschel: Die Verbraucher, die mir in der Manufaktur begegnen sind meines Erachtens heutzutage wesentlich besser informiert. Sie wissen von den großen drei Uhrenkonzernen und die damit verbundene Plattformpolitik. Ich werde häufig gefragt, ob unsere Werke auch von der Swatch-Group sind wie über 90 Prozent der Luxusuhren über 3000 Euro. Mir begegnen allerdings schon hauptsächlich Menschen, die über reines Markendenken hinausgewachsen sind.

mm: Und das bedeutet für die Anlage?

Hentschel: Die größte Wertanlage ist die erworbene Armbanduhr, die man ein Leben lang trägt und an der vielleicht die nächste Generation noch Freude hat. Meine Oma hat mir immer wieder gesagt: "Wir sind zu arm um billig zu kaufen" und "Billig gekauft ist teuer gekauft". Das hat mich ganz bestimmt sehr geprägt und veranlasst, mit meiner Uhrenmanufaktur die Uhrenwelt durch echte handgearbeitete und ganz persönliche Armbanduhren zu ergänzen, die möglichst ein Teil des Lebens werden und nicht nur eine Episode.

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