Mittwoch, 18. September 2019

Kunst Das Investment der Superreichen

Das Investment der Superreichen

Gemälde, Schmuck, Skulpturen: Kunst erzielt Rekordpreise
Sotherbys / Zeng Fanzhi

Beim Kauf von hoch gehandelten Kunstwerken bleiben die Superreichen in der Regel unter sich. Das zeigt eine Liste des Auktionshauses Sotheby's - und der im Jahr 2013 erzielten Preise.

Hamburg - Kunst kommt von Können, so kalauert es oft. Können muss man aber auch die Anlage in Kunst. Und das können die wenigsten.

Das liegt zum einen an der Herausforderung, Kunst als Anlage tatsächlich zu verstehen. Gefällig ist noch lange nicht gewinnträchtig. Der potentielle Kunstkäufer muss Objekte also in Phasen einordnen, die Qualität und den Erhaltungszustand beurteilen können. Und eine ganze Menge mehr. Das können die wenigsten.

Hanseatisch zurückhaltend formuliert es Peter Raskin, Leiter International Private Banking von Berenberg: "Es empfiehlt sich nicht, teure Kunst ohne Fachwissen zu kaufen. Gerade bei den teuren Losen ist fundiertes Wissen zur Provenienz, zur Marktfrische, zum kunsthistorischen Rang und zum konservatorischen Zustand sehr hilfreich."

Vor allem aber muss der Kunstfreund erkennen, ob er das Gemälde oder die Skulptur künftig zu einem höheren Preis wird verkaufen können. Je günstiger er an so ein Kunstwerk kommt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihm das gelingt. Doch einen "fairen Preis", der nach festen Kriterien ermittelt wird, gibt es für Kunstwerke nicht.

Intransparenter Kunstmarkt

"Einige Preise entwickeln sich stark nach oben, und der Markt selbst erscheint zunehmend komplex", so Raskin. "Die Fairness eines Preises bestimmen auf der einen Seite der Verkäufer - und auf der Käuferseite idealerweise die Kenner, indem sie möglichst viele Vergleichsdaten heranziehen und darüber urteilen, wie außergewöhnlich und hochwertig ein Werk ist." So also ob an der Börse eine Handvoll Experten den Aktienkurs eines Unternehmens festlegt.

Doch derzeit dreht sich das Karussell um Angebot und Nachfrage so schnell wie lange nicht mehr - und sorgt für steigende Preise. 2013 summierten sich die teuersten zehn Auktionen von Sotheby's auf mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Die Versteigerung der Privatsammlung des Kunsthändlers Jan Krugier endete damit, dass 100 Prozent der Werke verkauft wurden, 80 Prozent über dem Schätzwert.

Eein Werk des Künstlers Andy Warhol, der "Silver Car Crash", wechselte für 105 Millionen Dollar im vergangenen Jahr bei Sotheby's den Eigentümer. Für das Auktionshaus war es die teuerste Kunstauktion des Jahres. Selbst auf Rang zehn der Liste der teuersten Sotheby's-Transaktionen wurden noch über 33 Millionen Dollar fällig. Für einen Teppich.

Kunstfreunde mit nicht ganz so tiefen Taschen kommen da nicht hinterher. Denn sie müssen das Geld nicht nur absolut haben, sondern auch relativ. Sonst steckt ihr gesamtes Vermögen in einem Werk - und die allgemeinen Grundsätze der Risikostreuung werden vernachlässigt. Denn was passiert, sollten die Preise für Kunst wieder fallen - und das komplette Vermögen steckt in einem einzigen Kunstwerk?

Derweil sind damit Schnäppchen in weite Ferne gerückt. Allerdings muss Kunst nicht immer teuer sein. "Wir kennen die Legenden um Vincent van Gogh", sagt Kunstkenner Raskin. Zu Lebzeiten konnte der Maler kaum vom Verkauf seiner Werke leben. Und "wir kennen auch die Gegenbeispiele, dass besonders teure Kunst im Rang wieder fallen kann. Man muss nicht nur gute Kenntnisse, sondern auch eine sehr gute Nase haben, um zu wissen, was aussichtsreich ist, zumal heute sehr viele Investoren unterwegs sind." Wenig überraschend, dass er einer unabhängigen Beratung das Wort redet. Er dürfte gute Gründe dafür haben.

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