Freitag, 26. April 2019

Eddie Lampert bietet 5,2 Milliarden Dollar für US-Traditionskaufhaus Windiger Milliardär rettet Wirtschaftsikone Sears vor der Pleite - vorerst

Eddie Lampert (Bild von 2004)

Einst versprach Eddie Lampert, die US-Wirtschaftsikone Sears wieder groß zu machen. Dann zerlegte der Finanzakrobat das zuvor mit einem Wettbewerber verschmolzene Traditionskaufhaus, verkaufte nach und nach wertvolle Assets. Im Oktober meldete Sears Insolvenz an. Nun will der Milliardär und Großaktionär das Unternehmen aus der Pleite rauskaufen. 23.000 weitere Jobs sind gefährdet. Gläubiger kündigen Widerstand an.

Der Milliardär Eddie Lampert hat das US-Traditionskaufhaus Sears in einer Insolvenzauktion mit einem 5,2 Milliarden Dollar schweren Gebot vor der Pleite gerettet. Durch die Übernahme würden die Jobs von bis 45.000 Beschäftigten gesichert und könnten gut 400 Filialen ihr Geschäft fortsetzen, berichtet Reuters.

Der Deal bedarf noch der Zustimmung des Insolvenzrichters, die Anhörung dazu findet am 1. Februar statt. Gläubiger des zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags mit rund 11 Milliarden Dollar verschuldeten Unternehmens sollen bereits ihren Widerstand gegen den Verkauf bekundet haben.

Sears zählt derzeit insgesamt 68.000 Beschäftigte, viele Menschen werden also im Zuge des Deals wohl noch ihren Job verlieren. Vor gut drei Monaten beschäftigte das Unternehmen noch rund 90.000 Mitarbeiter. Im Oktober hatte Sears Insolvenzschutz beantragt.

Lampert ist Verwaltungsratschef des Unternehmens, mit 31 Prozent der Anteile größter Aktionär und zugleich Gläubiger des 126 Jahre alten Einzelhändlers. In der Auktion war Lampert offenbar einziger Bieter. Nach früheren Berichten hatten andere Interessenten lediglich für Teile der Kette bieten wollen.

Mit den jetzt berichteten 5,2 Milliarden Dollar soll Lampert das Angebot seines Hedgefonds ESL Investments noch einmal um mehrere Hundert Millionen Dollar nachgebessert haben. Der Fonds hielt zuletzt 18,5 Prozent an dem Kaufhauskonzern.

Nicht nur Amazon setzte der einstigen Ikone Sears zu ...

Vor gut zwei Wochen hatte Reuters unter Berufung auf Insider berichtet, dass Lampert Sears Schulden in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar erlassen wolle. Teil des Plans sei eine Finanzierung über die Sears-Kreditgeber Bank of America, Citigroup sowie die Royal Bank of Canada gewesen. Die Institute hätten Darlehen in Höhen von insgesamt 1,3 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen wollen. Weitere 400 Millionen Dollar hätten andere Kapitalgeber beisteuern sollen.

Sears war einst eine Ikone der US-Wirtschaft. In der Nachkriegszeit war das Unternehmen größter Arbeitgeber der USA und versorgte als Versandhandelspionier die wachsenden Vorstädte Amerikas flächendeckend. In den folgenden Jahrzehnten machten dann aufstrebende Discounter wie Walmart und Target dem Platzhirschen Konkurrenz.

In jüngerer Vergangenheit litt Sears vor allem unter dem scharfen Wettbewerb durch Onlinehändler wie Amazon und Co. Seit 2008 stagnieren die Umsätze. In den vergangenen sieben Jahren wies die Kette bei deutlich steigenden Schulden nur Verluste aus und musste in der Folge die Zahl seiner Filialen drastisch reduzieren: Im Jahr 2012 zählte die Kette laut Bloomberg Businessweek rund 4000 Niederlassungen, zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags nach Chapter 11 waren es gerade mal noch 766.

Auch andere Wettbewerber erwischte es. Mehr als 20 große Einzelhändler in den USA mussten seit Anfang 2017 schließen.

... auch das Wirken von Großaktionär Lampert ist umstritten

Die Rolle von Lampert bei Sears ist nicht unumstritten. Einst als Finanzgenie gefeiert, hatte der Hedgefondsbesitzer den Wettbewerber Kmart aus der Pleite geführt und 2004 mit Sears zusammengelegt. Doch statt wie angekündigt eine neue Macht im Einzelhandel aufzubauen, zerlegte Lampert die Ketten, verkaufte nach und nach werthaltige Assets.

Sears Misere sei zu einem Großteil auch hausgemacht, sagen Kritiker. Sie werfen Lampert schlicht Missmangement vor, wie etwa eine halbherzige Onlinestrategie. Auch habe Lampert viel weniger Geld als die Wettbewerber dafür ausgegeben, die Verkaufsstellen schick und anspruchsvoll zu modernisieren - etwas, das die Konsumenten zunehmend von stationären Händlern erwarten.

Hedgefondskollege Robert Chapman nannte die Sears Holding einmal "a total shit show". Das Unternehmen sei schon lange insgeheim im Liquidationsmodus gewesen. Der Finanzakrobat Lampert habe nie das Überleben von Sears im Sinn gehabt.

Der Ausschuss der ungesicherten Gläubiger erklärte dann auch, dass er gegen den Verkauf Einspruch bei Gericht einlegt und beantragt habe, jahrelange Verfehlungen von ESL und Lampert unter Strafe zu stellen. Das derzeitige Angebot des Fonds sei "nichts anderes als die endgültige Erfüllung eines jahrelangen Programms, um Sears und seine Gläubiger der Vermögenswerte und die Angestellten ihrer Jobs zu berauben". Lampert und ESL bestreiten die Vorwürfe.

Zweifel an der Überlebensfähigkeit von Sears bleiben

Wie dem auch sei. Manche Experten räumen auch einer noch weiter abgespeckten Kaufhauskette Sears nur geringe Überlebenschancen ein. Schließlich hätten sich die Marktbedingungen und das Kaufverhalten jüngerer Generationen, die vor allem in Internet shoppen statt die nächste Sears-Filiale aufzusuchen, seit dem Insolvenzantrag nicht wesentlich verändert.

"Ist diese Big-Box-Kette ein tragfähiges Geschäft?", fragt David Wander, Konkursanwalt von Davidoff Hutcher & Citron, und bekräftigt die Skepsis vieler Gläubiger. "Wenn es Herrn Lampert gelingt, das Unternehmen mit einer verschuldeten Bilanz und den angeblich rentablen Geschäften erfolgreich umzustrukturieren, wird es dann in dieser schwierigen Umgebung, in der alle von Amazon geschlagen werden, Geld verdienen?"

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