Anlegerschutzbedenken Schweizer Finanzaufsicht bremst Spac-Boom aus

Das Geschäft mit Spac-Börsenmänteln boomt in den USA und nimmt auch in Europa Fahrt auf. In der Schweiz allerdings zeigt sich die Finanzaufsicht skeptisch - sie hat zunächst Fragen zum Anlegerschutz.
Währungskursanzeige an der Börse in Zürich: Schweizer Anleger sollen vorerst nicht in Spacs investieren können

Währungskursanzeige an der Börse in Zürich: Schweizer Anleger sollen vorerst nicht in Spacs investieren können

Foto: Ennio Leanza/ dpa

Nachdem der Spac-Boom bereits die Börsenaufsicht in den USA auf den Plan gerufen hat, zeigt sich jetzt auch die Behörde in der Schweiz skeptisch, was zu einer Verzögerung des ersten Börsengangs eines Spacs bei den Eidgenossen führt.

Für die Finanzmarktaufsicht (Finma) des Landes sind bei diesen vor allem an der Wall Street boomenden Mantelgesellschaften noch nicht alle Fragen zum Anlegerschutz geklärt, wie ein Sprecher der Behörde am Freitag erklärte. Die Finma habe die für die Überwachung der Börsenteilnehmer zuständige SIX Exchange Regulation beauftragt, vor einer solchen Transaktion ihr Regelwerk anzupassen. "Die FINMA hat die SIX (SER) eingeladen, ihre Kotierungsregularien bezüglich SPAC zu überarbeiten, bevor die SIX (SER) dieses neue Finanzierungsinstrument mit einer solchen Tragweite für den Anlegerschutz einführt", hieß es.

Die Börse müsse sich im Rahmen der Selbstregulierung mit den Eigenheiten von Spacs (Special Purpose Acquisition Companies) befassen, um Risiken bei Markttransparenz, Anlegerschutz und Marktintegrität zu mindern, so die Behörde. Ein SIX-Sprecher erklärte, die regulatorischen Organe des Konzerns entwickelten die Notierungregeln so rasch als möglich weiter und unterbreiteten diese dann der Finma zur Genehmigung.

Spacs sind Unternehmenshüllen, die zunächst kein eigenes Geschäft haben. Diese sammeln mit einem Börsengang Geld ein und gehen erst danach auf die Suche nach einem Unternehmen, das sie mit dem Erlös kaufen können. Hinter ihnen stehen oft bekannte Manager, Banker oder Investoren. Den Übernahmezielen bietet diese Konstruktion den Vorteil, mit weniger regulatorischem Aufwand an eine Börsennotiz zu kommen.

Mehrere Spacs stehen für einen Börsengang an der SIX in den Startlöchern. Insidern zufolge gehört dazu ein Anlagevehikel, an dem unter anderem die aktivistische Fondsgesellschaft Veraison beteiligt ist. Unklar ist, ob die Vorbehalte der Regulatoren die Gesellschaften an andere Handelsplätze treiben könnten. In Europa haben sich bisher viele für Amsterdam entschieden. Der weitaus größte Teil dieser Deals entfällt aber auf die USA.

Seit Jahresbeginn wurden weltweit Spac-Deals im Rekordvolumen von 170 Milliarden Dollar eingefädelt. Im gesamten Vorjahreszeitraum waren es 157 Milliarden Dollar. Dies rief Insidern zufolge kürzlich auch die US-Finanzaufsicht auf den Plan. Die SEC sammelt Informationen zu Gebühren, Transaktionsvolumina und Risikokontrollen, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

cr/Reuters
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