Folgen der Sanktionen Erste Zahlungsausfälle russischer Unternehmen

Erstmals seit Ausbruch des Ukraine-Krieges können russische Unternehmen ihre Zinsen nicht bezahlen. Die russische Eisenbahn und der Diamantenproduzent Alrosa sprechen von einer "technischen Zahlungsunfähigkeit". Sie machen die Sanktionen dafür verantwortlich.
Abfahrt von St. Petersburg: Die russische Eisenbahn habe genug Geld, um ihre Schulden zu bedienen, könne es aber wegen der Sanktionen nicht, heißt es

Abfahrt von St. Petersburg: Die russische Eisenbahn habe genug Geld, um ihre Schulden zu bedienen, könne es aber wegen der Sanktionen nicht, heißt es

Foto: IMAGO/Roni Rekomaa / IMAGO/Lehtikuva

Erstmals seit dem Einmarsch in die Ukraine hat eine europäische Gläubigervereinigung den Zahlungsausfall eines russischen Unternehmens festgestellt. Bei einer von der Russischen Eisenbahn ausgegebenen Anleihe sei ein Zahlungsversäumnis ("failure to pay") festgestellt worden, wie das EMEA Credit Derivatives Determinations Committee am Montag mitteilte, dem einige der weltgrößten Investmentbanken angehören.

Es handelt sich dabei um ein Darlehen in Höhe von 250 Millionen Schweizer Franken mit Fälligkeit 2026. Bank of America, Goldman Sachs und JPMorgan Chase sind einige der Ausschussmitglieder, die einen Zahlungsausfall sehen.

Die Eisenbahn betonte, sie habe versucht, die am 14. März fällig gewordenen Zinszahlungen zu leisten. Sie sei aber aufgrund "rechtlicher und regulatorischer Verpflichtungen innerhalb des Korrespondenzbankennetzes" dazu nicht in der Lage gewesen, heißt es in einer Mitteilung, die von der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange veröffentlicht wurde.

Alrosa: Tilgung der Schulden "technisch unmöglich"

Auch die russische Unternehmensgruppe Alrosa, einer der größten Diamantenproduzenten der Welt, kann eine Zinszahlung in Höhe von 11,6 Millionen Dollar (10,6 Millionen Euro) nicht begleichen, berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax am Montag. Grund für den Zahlungsausfall seien die gegen das Unternehmen verhängten Sanktionen. Großbritannien sanktionierte die Gruppe bereits am 24. März, vergangene Woche folgte das US-Finanzministerium.

Alrosa erklärte, die Sanktionen machten die Tilgung der Schulden "technisch unmöglich", obwohl die finanziellen Mittel zur Verfügung stünden. Ob die Unternehmensgruppe die Zinszahlung für einen 2024 fälligen Kredit in Rubel leistet oder keinerlei Rückzahlung stattfindet, blieb zunächst unklar. Fällig geworden war die Zahlung bereits am Samstag.

Kreml: Russland kann seine Verpflichtungen erfüllen

Die westlichen Sanktionen gegen Russland nach der Invasion in der Ukraine am 24. Februar haben die dortige Wirtschaft unter Druck gesetzt. Seither wird gerätselt, ob die Unternehmen und der Staat ihren Zahlungsverpflichtungen noch nachkommen können und ob den westlichen Kreditgebern hohe Abschreibungen drohen.

Der Kreml erklärte, Russland habe die notwendigen Mittel, um seine Schulden zu bezahlen. "Es kann nur eine technische, von Menschen verursachte Zahlungsunfähigkeit geben", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow zu Reportern. "Es gibt keine objektiven Gründe für einen solchen Ausfall. Russland hat alles, was es braucht, um alle seine Verpflichtungen zu erfüllen."

Die USA erhöhten zuletzt den wirtschaftlichen Druck auf Russland wegen der Invasion in der Ukraine. Das Finanzministerium hinderte die russische Regierung vergangene Woche daran, fällige Zahlungen von mehr als 600 Millionen Dollar an ihre Gläubiger aus den bei US-Banken gehaltenen Devisenreserven zu leisten. Die von der russischen Zentralbank gehaltenen Reserven waren nach Kriegsbeginn eingefroren worden, doch durfte Moskau bislang für Zahlungen auf in Dollar lautende Staatsanleihen noch darauf zurückgreifen. Mit der Blockade soll der Kreml zu einer Entscheidung gezwungen werden: Die Dollar, auf die er im Inland zugreifen kann, entweder für Zahlungen an seine Gläubiger zu nutzen oder für andere Zwecke als die Finanzierung des Krieges einzusetzen.

rei/Reuters/AFP