Trotz Sanktionen Russland bedient erneut Dollar-Anleihe

Wegen der Sanktionen wird über eine mögliche Zahlungsunfähigkeit Russlands spekuliert. Doch nun hat Moskau laut Finanzministerium auch die dritte Dollar-Anleihe seit Beginn des Ukraine-Krieges bedient.
Börsianerin in Moskau: Investoren hegen Zweifel an Russlands Zahlungsfähigkeit

Börsianerin in Moskau: Investoren hegen Zweifel an Russlands Zahlungsfähigkeit

Foto: MAXIM SHEMETOV/ REUTERS

Russland hat nach Darstellung des Finanzministeriums auch die dritte fällige Zinszahlung für eine Fremdwährungsanleihe seit Beginn der Invasion in der Ukraine geleistet. Ein Coupon in Höhe von 102 Millionen US-Dollar auf eine 2035 fällige Fremdwährungsanleihe sei an die National Settlement Depository, ein russischer Wertpapierverwahrer, überwiesen worden, teilte das russische Finanzministerium am Dienstag mit. Von dieser zentralen Verwahrstelle wird das Geld in der Regel an die internationalen Gläubiger weitergeleitet. Mit der Überweisung habe das Finanzministerium seine Verpflichtungen aus den Anleihebedingungen "vollständig" erfüllt, hieß es weiter.

Die Zahlungen werden als Test dafür gewertet, ob die Regierung in Moskau ihren internationalen Verpflichtungen nachkommen kann und Investoren bedient. Das mit westlichen Sanktionen belegte Russland hatte erst vor wenigen Tagen die Überweisung von mehr als 117 Millionen Dollar für zwei andere Fremdwährungsanleihen veranlasst und damit eine Staatspleite abgewendet.

Wenn Moskau zahlungsunfähig wird, wäre es das zweite Mal, dass das Land seine Verbindlichkeiten nicht erfüllen würde. Während der Russischen Revolution von 1917 hatten die Bolschewiken Schulden aus der Zarenzeit nicht anerkannt. Und auch im Jahr 1998 konnte Russland seine Schulden nicht bedienen. Da damals das Verhältnis zwischen Ost und West allerdings deutlich besser war, einigte sich die Regierung in Moskau mit ihren internationalen Gläubigern auf eine Umschuldung.

Derzeit sind russische Fremdwährungsanleihen im Gesamtvolumen von etwa 40 Milliarden Dollar im Umlauf. Rund die Hälfte davon wird von ausländischen Investoren gehalten. Mehrere Ratingagenturen hatten ihre Bewertung für die Kreditwürdigkeit Russlands zuletzt tief in den Ramsch-Bereich gedrückt, was eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit signalisiert.

Standard & Poor's beispielsweise hatte die Zahlungsfähigkeit Russlands jüngst als gefährdet eingeschätzt. Das Land sei trotz umfangreicher Devisenreserven "sehr anfällig für Zahlungsausfälle", urteilten die Bonitätsprüfer in einer Mitteilung von Mitte März. Der Internationale Währungsfonds hält gravierende Folgen für das weltweite Finanzsystem im Fall einer Staatspleite Russlands jedoch für wenig wahrscheinlich.

cr/dpa-afx, Reuters