Gefährliche Preisexzesse Chinesen zocken jetzt wie wild am Rohstoff-Markt

Hoffen auf Gewinne: Chinas Industrie braucht viele Rohstoffe - und viele Chinesen spekulieren auf eine stärkere Wirtschaft und eine Erholung der Preise für Eisenerz und Co.

Hoffen auf Gewinne: Chinas Industrie braucht viele Rohstoffe - und viele Chinesen spekulieren auf eine stärkere Wirtschaft und eine Erholung der Preise für Eisenerz und Co.

Foto: Getty Images

An der Rohstoffbörse im chinesischen Zhengzhou ereignete sich in der vergangenen Woche Kurioses: An einem einzigen Tag wurden dort so viele Baumwoll-Kontrakte gehandelt, dass sie einem Gegenwert von 41 Millionen Ballen entsprachen. Es war der höchste Wert in fünf Jahren - und genug Baumwolle, um daraus mehr als eine Jeans für jeden Bewohner auf der Erde zu schneidern, wie Bloomberg  errechnet hat.

Das ist ein extremes Beispiel, und doch steht es sinnbildlich für die ebenso außergewöhnliche Entwicklung, die die chinesischen Rohstoffmärkte gerade durchlaufen. Dort breitet sich seit einigen Wochen ein regelrechtes Spekulationsfieber aus. Zu den üblichen Brancheninvestoren gesellt sich eine Armee von Day-Tradern und renditehungrigen Investmentmanagern, wie etwa die "Financial Times " berichtet. Sie alle haben offensichtlich nur ein Ziel: Sie wollen im Future-Handel das schnelle Geld machen.

Die Entwicklung ähnelt jener an den chinesischen Aktienmärkten, bevor diese im vergangenen Jahr kollabierten. Nachdem der Aktienhandel in Folge der Kursstürze inzwischen stärker reguliert ist, haben sich Chinas Privatanleger offenbar ein neues Spielfeld gesucht: den Rohstoffmarkt, wo der Einstieg nach vielfach jahrelangen Preisverlusten attraktiv erscheint.

Eisenerz, Kokskohle, Eier, Knoblauch, Baumwolle und so weiter und so fort - seit Februar haben die Spekulanten bereits die Handelsvolumina in den unterschiedlichsten Segmenten rasant in die Höhe getrieben. Laut Morgan Stanley wurden die Märkte von den plötzlichen Spekulationen regelrecht überrumpelt. Goldman Sachs  äußert sich ebenfalls besorgt über die Handelsvolumina, die an einzelnen Tagen zum Teil die gesamte jährliche Importmenge Chinas übersteigen.

Die Sorge kommt nicht von ungefähr. Denn das Wachstum des Handels an den chinesischen Märkten stellt eine vielfache Gefahr für die Preisbildung bei Rohstoffen weltweit dar, zitiert die "FT" aus einem Report der Citigroup . Letztlich könnten die Rohstoffkosten massiv steigen, was sich auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken würde.

Börsen-Verantwortliche reagieren - und spielen Hase-und-Igel

Die Gefahren haben offenbar auch verantwortliche Stellen in China erkannt. Auf die Explosion der Handelsvolumina reagierten sie bereits mit höheren Transaktionsgebühren, um den Markt zu beruhigen. Die Gebühr für Baumwoll-Futures in Zhangzhou beispielsweise wurde nach dem Exzess in der vergangenen Woche heraufgesetzt. Zudem kündigte die Börse dort weitere Maßnahmen an. Ähnliches tut sich in Shanghai, Dalian und an weiteren Handelsplätzen.

Ein genauer Blick zeigt allerdings: Chinas Wirtschaftslenker befinden sich inzwischen womöglich unfreiwillig in einem Hase-und-Igel-Spiel. Jedes Mal, wenn sie ein Problem durch Eingriffe lösen wollen, tut sich an anderer Stelle ein neues auf. Beobachtern zufolge resultiert beispielsweise der aktuelle Spekulationsrausch an den Rohstoffmärkten nicht nur aus der Regulierung des Aktienhandels.

Vielmehr spielen offenbar auch die Konjunkturspritzen eine Rolle, mit denen Peking die Wirtschaft ankurbeln will. So hat die Politik in diesem Jahr beispielsweise gezielt die Kreditvergabe ausgeweitet, schreibt etwa die "FT". Dadurch sei nicht nur die Bautätigkeit angeregt worden, sondern auch die Lust der Anleger, auf ein Wiedererstarken der chinesischen Wirtschaft zu wetten. Die darniederliegenden Rohstoffmärkte erscheinen vielen zu dem Zweck offenbar bestens geeignet.

manager-magazin.de / Wochit
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.