Sonntag, 8. Dezember 2019

Insolvenz droht Prokon-Anleger kündigen 188 Millionen Euro Kapital

Prokon in Itzehohe: Dem Unternehmen laufen die Anleger davon

Anleger ignorieren den Appell der von der Insolvenz bedrohten Prokon. Bislang verlangen sie rund 188 Millionen Euro Kapital von dem Windkraftfinanzierer zurück. Zahlte Prokon das Geld aus, wäre es nach eigenen Aussagen pleite.

Itzehoe - Bei der Windenergie-Firma Prokon bleibt die Gefahr einer Pleite hoch. Trotz massiven Drucks auf seine 75.000 Anleger, kein Kapital abzuziehen und bestehende Kündigungen rückgängig zu machen, haben Anleger bis zum Dienstag Genussrechte in Höhe von 187,7 Millionen Euro gekündigt, teilte das Unternehmen auf seiner Homepage mit. Das Genussrechtskapital beträgt dem Unternehmen zufolge knapp 1,4 Milliarden Euro.

In einem Schreiben an die Anleger hatte Prokon erklärt, eine Planinsolvenz lasse sich nur beim Erhalt von mindestens 95 Prozent des Genussrechtskapitals verhindern. Fünf Prozent von 1,4 Milliarden Euro wären 70 Millionen Euro, die zurzeit gekündigten 188 Millionen Euro machen gut 13 Prozent des Genussrechtskapitals aus. Prokon bittet die Anleger, sich bis zum 20. Januar zu erklären.

Bundesjustiz und -verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) erklärte, wo Verbraucher sich nicht selbst schützen könnten oder überfordert seien, müsse der Staat Schutz und Vorsorge bieten. Dies gelte insbesondere im Bereich des grauen Kapitalmarktes. Es sei ein wichtiger Schritt, dass die Bafin den kollektiven Schutz der Verbraucher als wichtiges Ziel ihrer Aufsichtstätigkeit erhalte.

Auch 1300 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Die Lübecker Staatsanwaltschaft geht mehreren eingegangenen Strafanzeigen gegen das Unternehmen nach. Die Prüfung, ob ein Anfangsverdacht wegen Betruges und weiterer Wirtschaftsdelikte bestehe oder nicht, werde mindestens noch einige Wochen dauern, teilte eine Sprecherin am Dienstag mit. Sollte es diesen Verdacht geben, würden Ermittlungen aufgenommen.

Verbraucherschützer haben wiederholt das Geschäftsmodell von Prokon infrage gestellt und mangelnde Transparenz beklagt. Für Genussrechte wurden bis zu 8 Prozent Zinsen versprochen. Mit dem kurzfristig kündbaren Kapital hat Prokon langfristige Investitionen wie Windkraftanlagen finanziert. Wie in den vergangenen Tagen war in der Unternehmenszentrale auch am Dienstag telefonisch zunächst kein Durchkommen für eine Stellungnahme.

Das Kieler Wirtschaftsministerium will sich zunächst informieren, bevor es Maßnahmen im Fall Prokon ergreift. Die Opposition von CDU und FDP hat Ministerpräsident Torsten Albig und Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (beide SPD) aufgefordert, sich für den Erhalt der Arbeitsplätze einzusetzen. Bei Prokon stehen neben dem Geld der Anleger rund 1300 Arbeitsplätze auf dem Spiel, davon knapp 500 in der Zentrale in Itzehoe (Kreis Steinburg).

rei/dpa

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