Donnerstag, 5. Dezember 2019

Kaufofferte an Tausende Betroffene US-Investor jagt Schnäppchen im P&R-Skandal

P&R-Logo an der Firmenzentrale in Grünwald bei München: Die Pleite der Unternehmensgruppe führte zum wohl größten Anlagedebakel Deutschlands.
picture alliance / Matthias Balk
P&R-Logo an der Firmenzentrale in Grünwald bei München: Die Pleite der Unternehmensgruppe führte zum wohl größten Anlagedebakel Deutschlands.

Schnäppchenjagd der besonderen Art: Die US-Investmentgesellschaft York Capital hat den Mega-Anlageskandal um die Münchener Container-Investmentfirma P&R als Renditechance ausgemacht und unterbreitet betroffenen P&R-Opfern das Angebot, ihre Forderungen zu übernehmen. Wie manager magazin vom Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Schirp erfuhr, mit dem York Capital zu dem Zweck zusammenarbeitet, erhalten erste P&R-Investoren in diesen Tagen Post mit entsprechenden Kaufofferten. Zudem soll eine Website eingerichtet werden, über die sich weitere P&R-Kunden, die an einem Verkauf an York Capital interessiert sind, melden können.

Nach Angaben von Rechtsanwalt Schirp besteht die Offerte von York Capital aus zwei Komponenten. Erstens: Der US-Investor bietet beim Kauf einer Forderung einen Preis von 14 Prozent der eigentlichen Insolvenzforderung des jeweiligen Gläubigers. Und zweitens: Mit dem Kauf der Forderungen will York Capital die Betroffenen auch von Rückforderungsansprüchen freistellen, die die Insolvenzverwalter im P&R-Verfahren, die Anwälte der Münchener Kanzlei Jaffé, gegenwärtig prüfen.

Für Tausende P&R-Opfer bietet sich damit womöglich die Gelegenheit, kurz und schmerzlos aus dem Verfahren auszusteigen. Zwar enthalten die fraglichen P&R-Verträge nach Angaben von Rechtsanwalt Schirp eigentlich einen Passus mit einem Abtretungsverbot, welches dem Verkauf an York Capital entgegenstehen würde. Dieses hält Schirp jedoch für "rechtsunwirksam".

Inwieweit der Preis von 14 Prozent, den York bietet, angemessen erscheint, muss indes jeder Betroffene selbst abwägen. Zur Orientierung: Zuletzt taxierten die Insolvenzverwalter im P&R-Komplex die Summe der gesamten Forderungen der insgesamt rund 54.000 Gläubiger auf etwa drei Milliarden Euro. Demgegenüber will Kanzlei Jaffé aus der Verwertung des P&R-Containerbestandes Erlöse von mehr als einer Milliarde Euro erzielen.

Eine grob überschlägige Rechnung aufgrund dieser Zahlen führt zu einer möglichen Insolvenzquote von etwa 30 Prozent, deutlich mehr als die von York offerierten 14 Prozent also. Das ist allerdings eine Rechnung, die noch zahlreiche Unbekannte enthält, die die Höhe der tatsächlichen Quote letztendlich beeinflussen können. Zudem dürfte sich das P&R-Insolvenzverfahren noch Jahre hinziehen.

"Der Käufer der Forderungen hat etwas, was viele Privatanleger nicht haben: Geld und Zeit", kommentiert Rechtsanwalt Schirp die Offerte der Amerikaner. "Der Investor setzt darauf, dass im Laufe des Insolvenzverfahrens eine Quote erzielt werden kann, die oberhalb der 14 Prozent liegt, die er jetzt gegenüber den Anlegern anbietet. Für die geschädigten Anleger ergibt sich die Chance, sofort Geld zu erhalten und aus den Insolvenzverfahren auszusteigen."

Im Gegenzug verzichten die Anleger dann aber auch auf mögliche höhere Erlöse, wie auch der Anwalt feststellt. "Es ist letztlich eine individuelle Entscheidung, die jeder Anleger für sich selbst treffen muss."

Christoph Rottwilm auf Twitter

Bei York Capital handelt es sich um ein weltweit agierendes Investmentunternehmen mit Hauptsitz in New York. Der Research-Plattform Whalewisdom.com zufolge verfügte das Unternehmen zuletzt über ein verwaltetes Vermögen von rund 20,5 Milliarden Dollar. Laut Rechtsanwalt Schirp befindet sich York Capital - wie verschiedene andere internationale Investoren ebenfalls - in Deutschland auch über den P&R-Skandal hinaus auf der Suche nach möglichen Engagements in schiefliegende Investments.

Über die Höhe des gesamten Volumens, welches York Capital in Forderungen im P&R-Skandal investieren will, war von dem Unternehmen zunächst keine Information zu bekommen.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung