Sonntag, 21. Juli 2019

Größter Anlageskandal Deutschlands Wie bei P&R eine Million Container verschwinden konnten

Container gesucht: Wie konnte bei P&R eine Lücke von einer Million Boxen im Bestand entstehen?

2. Teil: Wie die Lücke im Bestand vermutlich entstand

Dass damit der Verdacht verbunden ist, es könnte sich um einen Fall von großangelegtem Betrug handeln, liegt auf der Hand. Entsprechend teilte die Münchener Staatsanwaltschaft ebenfalls am heutigen Donnerstag mit, sie sei von Insolvenzverwalter Jaffé über den Sachverhalt informiert worden und habe Ermittlungen wegen Betrugsverdachts gegen sämtliche früheren und heutigen Geschäftsführer der Unternehmensgruppe aufgenommen.

Die Frage ist nun: Wo sind die fehlenden eine Million Container sowie die damit verbundenen Investorengelder hin? Oder besser: Wie konnte diese riesige Lücke im P&R-Containerbestand tatsächlich entstehen?

So viel steht wohl fest: Vom Schiff gefallen oder anderweitig verloren gegangen sind die Behälter ziemlich sicher nicht. Vielmehr spricht vieles dafür, dass es sie in der Realität nie gab, sondern ausschließlich innerhalb der Buchführung von P&R.

Die Suche nach der verlorenen Container-Million beginnt 2007. In dem Jahr trat nach Angaben der Staatsanwaltschaft München erstmals ein Fehlbestand bei den P&R-Boxen auf, der dann im Laufe der Jahre immer größer wurde. Selbst Insolvenzverwalter Jaffé und seine Leute, die seit Wochen das P&R-Reich durchleuchten, haben die Sache eigenen Angaben zufolge bislang nicht vollständig aufgeklärt. Die Staatsanwaltschaft sieht offenbar ebenfalls viel Arbeit auf sich zukommen - sie hat für die Ermittlungen eigens eine Arbeitsgruppe "Container" ins Leben gerufen.

So bleibt aus gegenwärtiger Sicht lediglich der Versuch, die Ereignisse, die zum heutigen Debakel geführt haben, auf Grundlage der wenigen Information sowie vernünftiger Überlegungen zu rekonstruieren: Wer die Geschäfte von P&R durchblicken will, muss zunächst verstehen, dass sie von zahllosen Variablen beeinflusst werden. Wie entwickeln sich beispielsweise die Containerpreise? Wohin tendieren die Mieten? Wie groß ist die Nachfrage von Seiten der Investoren nach Containerkäufen - und wie groß das Interesse der Leasinggesellschaften sowie der Reedereien, die Boxen zu benutzen? Es ist wie eine Jonglage mit zahlreichen Bällen, die alle gleichzeitig in der Luft gehalten werden müssen.

Irgendwann im Jahr 2007, so ist zu vermuten, ist den P&R-Verantwortlichen wohl erstmals einer der Bälle heruntergefallen. In dem Jahr entstand in den verworrenen Geldströmen aus Mieteinnahmen, Kaufpreiszahlungen, Eingängen von Investorengeldern, Überweisungen von Rückkaufpreisen und ähnlichem plötzlich eine kleine Lücke. Vielleicht waren versprochene Rückkaufpreise plötzlich zu hoch im Vergleich zum tatsächlichen Preisniveau am Markt. Oder eingeplante Verkaufseinnahmen fielen niedriger aus als erwartet.

Sollte die Annahme stimmen, dann hat in dem Moment vermutlich einer der Verantwortlichen bei P&R eine fatale Entscheidung getroffen: Er beschloss womöglich, Gelder, die von Investoren für den Containerkauf an P&R überwiesen worden waren, nicht zu diesem Zweck zu verwenden. Stattdessen, so ist anzunehmen, nutzte P&R diese Gelder, um die plötzlich aufgetretene Lücke in den Finanzen zu stopfen - beispielsweise, um andere Anleger auszuzahlen.

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