Prinzipien veröffentlicht Norwegens Staatsfonds fordert mehr Geschlechterneutralität

Der norwegische Staatsfonds gehört zu den wichtigsten Investoren weltweit. Das Thema Nachhaltigkeit spielt bei den Beteiligungen bereits eine wichtige Rolle, zur Frage der Gleichheit zwischen den Geschlechtern hielt sich der Mega-Investor bislang bedeckt. Das hat der Ölfonds heute geändert.
Menschen am Strand von Oslo: Der norwegische Staatsfonds kann als wichtiger Aktionär Einfluss auf das Management von Unternehmen ausüben

Menschen am Strand von Oslo: Der norwegische Staatsfonds kann als wichtiger Aktionär Einfluss auf das Management von Unternehmen ausüben

Foto: Berit Roald/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Mit mehr als einer Billion Euro Vermögen ist der norwegische Ölfonds der größte Staatsfonds der Welt und als solcher ein wichtiger Teilhaber an nahezu allen großen, börsennotierten Unternehmen weltweit - jetzt hat er erstmals öffentlich gemacht, welche Anforderungen er an die Vielfalt und Geschlechtergleichheit in Unternehmen in seinem Portfolio stellt. Der Fonds veröffentlichte am Montag auf seiner Website ein Positionspapier über die Diversität in Aufsichtsräten ("board diversity") , in dem er drei Grundsätze zu diesem Thema festlegt. So müssen Aufsichtsräte sicherstellen, dass eine große Bandbreite an Sichtweisen und Meinungen in ihre Entscheidungen einfließen, heißt es in dem Papier. Ein Aufsichtsrat sollte daher eine Vielfalt an Kompetenzen und Hintergründen repräsentieren.

Zur Frage der Geschlechterausgeglichenheit nennt der Fonds in seinem Positionspapier den konkreten Wert von 30 Prozent, den keines der Geschlechter unterschreiten sollte. Aufsichtsräte, bei denen eines der Geschlechter auf eine geringere Quote komme, sollten sich zum Ziel setzen, dies zu ändern, und über die Fortschritte auf diesem Gebiet berichten, so das Papier. Zudem fordert der Fonds, dass es einen formellen Nominierungsprozess für Aufsichtsratsmitglieder geben sollte, der ebenfalls dem Ziel der Vielfalt Rechnung trage.

Grundsätze zum Thema Geschlechterneutralität gibt es beim norwegischen Staatsfonds nach Angaben der "Financial Times " bereits seit 2018. Bislang seien diese jedoch nicht publiziert worden, weil der Fonds die Sorge gehabt habe, die Verbreitung "norwegischer Werte" in aller Welt könne negativ aufgenommen werden. Laut "FT" war Norwegen das erste Land weltweit, das eine Geschlechterquote in öffentlichen Unternehmen einführte, und zwar bereits 2008.

Die Anforderungen an Diversität und Geschlechtergleichbehandlung sind indes nicht die einzige Hürde, die Unternehmen im Portfolio des norwegischen Staatsfonds nehmen müssen. Fondsmanager Nicolai Tangen (54), ein ehemaliger Hedgefonds-Lenker, der erst vor Kurzem das Ruder des Ölfonds übernahm, legt auch beim Thema Nachhaltigkeit hohe Maßstäbe an, wie er vor wenigen Tagen im Interview mit manager magazin sagte . So habe der Fonds bereits Aktien von problematischen Unternehmen in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte ("Environmental, social, governance", ESG) verkauft. Das umfangreiche Research, das der Fonds zu diesem Zweck betreibe, habe sich als profitabel erwiesen, so Tangen zu manager magazin . "Ich denke, wir werden das in Zukunft ausbauen."

cr