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Risikoinvestments Die große NFT-Blase

Wie im Wahn haben Anleger mehr als 44 Milliarden Dollar in digitale Zockerware gesteckt. Der Traum vom raschen Reichtum wird für viele im Fiasko enden, nur wenige Profis kassieren ab.
aus manager magazin 3/2022
Profilbilder als Wettobjekt: Ein Programmiererduo generierte die 10.000 Cryptopunks im Jahr 2017, als Profilbilder für soziale Netzwerke wie Twitter. Wer zum Preishoch kaufte, hat rund die Hälfte seines Geldes verloren.

Profilbilder als Wettobjekt: Ein Programmiererduo generierte die 10.000 Cryptopunks im Jahr 2017, als Profilbilder für soziale Netzwerke wie Twitter. Wer zum Preishoch kaufte, hat rund die Hälfte seines Geldes verloren.

Foto:

Mininyx Doodle / Alamy / mauritius images

Jan Karnath (37) will die ganze Welt zur Ware machen. "Wir haben die Chance, dass alles ein Finanzprodukt wird", versprach (oder drohte) der Mitgründer des Berliner Start-ups Timeless vor dem Publikum, das sich Mitte November 2021 auf der Konferenz CryptX in Offenbach eingefunden hatte. "Einige finden das vielleicht ganz grauenhaft, aber das bietet enorme Chancen."

Die Idee: Anleger sollen nicht mehr nur Aktien oder Anleihen kaufen können, sondern einfach alles. Karnaths Start-up erwirbt seltene Air-Jordan-Sneaker, Uhren von Patek Philippe, den Zahn eines Tyrannosaurus Rex oder eine auf Konzerttour getragene Jacke von Michael Jackson, packt diese Gegenstände ins Bankschließfach und verkauft Anteile daran für 10 oder 50 Euro.

Karnath gefällt sich in der Rolle des Wegbereiters einer Revolution. Auf der Internetseite präsentiert sein Berliner Start-up mehrere Medienberichte, die es als "NFT-Pionier" feiern. Solche einzigartigen digitalen Registereinträge ("Non-Fungible Token", NFT) in neuartigen Rechnernetzen ("Blockchains") verkauft Timeless den Kunden (siehe auch Glossar). Die elektronischen Einträge bezeugen den Besitz eines Bruchteileigentums an Sammlerstücken.

Die wichtigsten Begriffe und Segmente im NFT-Geschäft

Dezentrale Netze aus Tausenden Computern führen ein gemeinsames Register. Darin kann der Besitz an austauschbaren Währungen wie Bitcoin und Ethereum eingetragen werden, ebenso das Eigentum an Gütern wie Kunstwerken oder Sammelbildern von Prominenten.

"Wir bedienen die Millennials", sagte Jan Karnath auf der CryptX-Bühne. Viele 20- bis 40-Jährige besäßen heute digitale Assets wie Bitcoin und NFTs, erklärte er dem Auditorium aus Programmierern und Bankern in einer alten Fabrikhalle in Offenbach. Der Durchschnittskunde sei 33 Jahre alt, handle auch mit Aktien und Kryptowährungen und kenne sich gut aus mit Autos oder Sneakern.

Karnaths Vision lockt prominente Finanziers für sein Unternehmen an: Timeless hat Ende November zwölf Millionen Euro eingeworben, im Investorenregister stehen die Venture-Capital-Töchter des Autoherstellers Porsche und der Private-Equity-Gesellschaft EQT.

Auch Kunsteditionen sind zu haben, von Street-Art-Heroen wie Kaws oder Banksy. "Kunst funktioniert deutlich besser, als wir gedacht hatten", frohlockte Karnath.

Für die Kunden hat das durchaus seine Tücken. Die Anteile lassen sich nur bei Timeless handeln, im Gegensatz zu den meisten anderen NFTs auf öffentlichen Blockchain-Netzen wie Ethereum. Die Anteilskäufer müssen also hoffen, dass im Handelssystem des Start-ups Käufer auftauchen, wenn sie ihre Anteile zu Geld machen wollen. Falls Timeless und deren Muttergesellschaft New Horizon das erlauben. "Der Verbraucher darf ü̈ber das Bruchteilseigentum am Sammlerstü̈ck nur mit ausdrücklicher Zustimmung von New Horizon verfügen", heißt es in der Verbraucherinformation des Start-ups.

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