Dienstag, 18. Juni 2019

Nachhaltige Geldanlage boomt Wie Anleger Rendite und gutes Gewissen verbinden können

No-Gos der Nachhaltigkeit: Die Top Ten der Dinge, die Investoren ausschließen
DPA

Verletzt ein Unternehmen die Rechte seiner Arbeitnehmer, dann ist das für nachhaltige Investoren offensichtlich so etwas wie die Plastiktüte der Geldanlage: So etwas geht gar nicht.

Immer mehr Geldanleger achten auch auf die Nachhaltigkeit ihrer Investments. Und laut einer Statistik des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) gehen die meisten von ihnen dabei nach dem Ausschlussprinzip vor. Das heißt: Sie legen ihr Geld nur in Unternehmen an, die bestimmten Ausschlusskriterien gerecht werden. So kann beispielsweise die Produktion von Alkohol- oder Tabakerzeugnissen ebenso gemieden werden wie die Tätigkeit in der Atom- oder Kohlekraftbranche. Und das Ausschlusskriterium, das dabei von Investoren am meisten beachtet wird, ist laut FNG: eben jene Verletzung von Arbeitsrechten. Ein absolutes No-Go also - so wie für viele ökologisch bewusst lebende Menschen die Plastiktüte an der Obsttheke.

Den börsennotierten Unternehmen auf der anderen Seite kann das kaum gleichgültig sein, denn die Bedeutung und der Einfluss nachhaltig denkender Investoren nimmt zusehend zu. Prominente Investmenthäuser wie der norwegische Staatsfonds beispielsweise haben sich bereits als nachhaltige Anleger geoutet. Zuletzt verbannten die Norweger im Mai dieses Jahres Unternehmen mit Bezug zu Alkohol und Glückspiel aus ihrem Portfolio, nachdem bereits vor Längerem die Themen Kohle und Pornografie auf die schwarze Liste gesetzt worden waren.

So wächst das Investmentvolumen, das nach nachhaltigen Grundsätzen - oder, wie es im Jargon auch heißt, ESG-Prinzipien - angelegt wird, stetig (ESG steht dabei für "environmental, social and governance"). Jüngsten Zahlen des FNG zufolge steckten 2018 allein in Deutschland insgesamt 219 Milliarden Euro in nachhaltigen Geldanlagen, eine Steigerung um beinahe 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das Volumen erscheint verglichen mit dem Gesamtmarkt der Kapitalanlagen hierzulande zwar immer noch gering. So beziffert allein der Fondsverband BVI das Volumen aller offenen und geschlossenen Investment- und Spezialfonds seiner Mitglieder zurzeit auf etwa 3,14 Billionen Euro. Das Wachstum des ESG-Sektors verläuft jedoch rasant. Laut FNG etwa betrug das unter diesem Label verwaltete Volumen noch 2014 lediglich 127 Milliarden Euro.

Weitere Expansion scheint zudem bereits programmiert. Das FNG etwa erwartet auch für die kommenden Jahre höhere Anlagevolumina. Als Grund nennt das Forum unter anderem, dass das Thema inzwischen auch auf der Agenda der Europäischen Union (EU) angekommen ist, die Unternehmen und Finanzhäusern Vorgaben in dieser Richtung machen will.

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