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No-Gos der Nachhaltigkeit: Die Top Ten der Dinge, die Investoren ausschließen

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Nachhaltige Geldanlage boomt Wie Anleger Rendite und gutes Gewissen verbinden können

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No-Gos der Nachhaltigkeit: Die Top Ten der Dinge, die Investoren ausschließen

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Verletzt ein Unternehmen die Rechte seiner Arbeitnehmer, dann ist das für nachhaltige Investoren offensichtlich so etwas wie die Plastiktüte der Geldanlage: So etwas geht gar nicht.

Immer mehr Geldanleger achten auch auf die Nachhaltigkeit ihrer Investments. Und laut einer Statistik des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) gehen die meisten von ihnen dabei nach dem Ausschlussprinzip vor. Das heißt: Sie legen ihr Geld nur in Unternehmen an, die bestimmten Ausschlusskriterien gerecht werden. So kann beispielsweise die Produktion von Alkohol- oder Tabakerzeugnissen ebenso gemieden werden wie die Tätigkeit in der Atom- oder Kohlekraftbranche. Und das Ausschlusskriterium, das dabei von Investoren am meisten beachtet wird, ist laut FNG: eben jene Verletzung von Arbeitsrechten. Ein absolutes No-Go also - so wie für viele ökologisch bewusst lebende Menschen die Plastiktüte an der Obsttheke.

Den börsennotierten Unternehmen auf der anderen Seite kann das kaum gleichgültig sein, denn die Bedeutung und der Einfluss nachhaltig denkender Investoren nimmt zusehend zu. Prominente Investmenthäuser wie der norwegische Staatsfonds beispielsweise haben sich bereits als nachhaltige Anleger geoutet. Zuletzt verbannten die Norweger im Mai dieses Jahres Unternehmen mit Bezug zu Alkohol und Glückspiel aus ihrem Portfolio, nachdem bereits vor Längerem die Themen Kohle und Pornografie auf die schwarze Liste gesetzt worden waren.

So wächst das Investmentvolumen, das nach nachhaltigen Grundsätzen - oder, wie es im Jargon auch heißt, ESG-Prinzipien - angelegt wird, stetig (ESG steht dabei für "environmental, social and governance"). Jüngsten Zahlen des FNG zufolge steckten 2018 allein in Deutschland insgesamt 219 Milliarden Euro in nachhaltigen Geldanlagen, eine Steigerung um beinahe 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das Volumen erscheint verglichen mit dem Gesamtmarkt der Kapitalanlagen hierzulande zwar immer noch gering. So beziffert allein der Fondsverband BVI das Volumen aller offenen und geschlossenen Investment- und Spezialfonds seiner Mitglieder zurzeit auf etwa 3,14 Billionen Euro. Das Wachstum des ESG-Sektors verläuft jedoch rasant. Laut FNG etwa betrug das unter diesem Label verwaltete Volumen noch 2014 lediglich 127 Milliarden Euro.

Weitere Expansion scheint zudem bereits programmiert. Das FNG etwa erwartet auch für die kommenden Jahre höhere Anlagevolumina. Als Grund nennt das Forum unter anderem, dass das Thema inzwischen auch auf der Agenda der Europäischen Union (EU) angekommen ist, die Unternehmen und Finanzhäusern Vorgaben in dieser Richtung machen will.

Institutionelle Investoren dominieren - doch private holen auf

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Die weltgrößte Fondsgesellschaft Blackrock gab zudem Ende vorigen Jahres eine bemerkenswerte Einschätzung ab. Bis 2028, so der Investmentriese anlässlich des Starts von sechs neuen Indexfonds mit speziell ethischer und ökologischer Ausrichtung, werde das Volumen aller nachhaltig orientierten Indexfonds oder ETFs weltweit auf 400 Milliarden Dollar ansteigen. Zur Orientierung: Im Herbst 2018 betrug dieses Volumen laut Blackrock rund 25 Milliarden Dollar, bei einem ETF-Gesamtvolumen von rund um den Globus etwa fünf Billionen Dollar. Der US-Fondskonzern erwartet im nachhaltigen Bereich also eine Steigerung um nicht weniger als 1500 Prozent binnen zehn Jahren.


mm-Redakteur Mark Böschen sagt, worauf bei grünen Fonds zu achten ist:

manager-magazin.de


Dass die nachhaltige Geldanlage keineswegs auf Aktien passender Unternehmen beschränkt sein muss, bewies zudem kürzlich die Regierung der Niederlande. Sie gab eine "grüne Staatsanleihe" im Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro und einer Laufzeit bis 2040 heraus. Die Nachfrage nach dem Papier, mit dem grüne oder klimabedingte Ausgaben und Investitionen der niederländischen Regierung finanziert werden sollen, war groß. Auch Deutschland denkt Berichten zufolge bereits über die Ausgabe einer solchen nachhaltigen Anleihe nach.

Anleger denken auch an kommende Generationen

Die Gelder für die zunehmende Zahl an ESG-Investments kommen zwar derzeit noch zum weitaus größten Teil von institutionellen Investoren. Doch auch Privatanleger, das lassen die Zahlen des FNG erkennen, wenden sich mehr und mehr diesen Offerten zu.

Offenbar setzt sich bei den Sparern allmählich die Erkenntnis durch, dass nicht nur die monetäre Rendite zählt, sondern auch das gute Gewissen. Der Vormarsch nachhaltiger Geldanlagen passt insofern ins aktuelle Gesamtbild der Gesellschaft: Da wird die Nutzung von Plastik sowie die Produktion entsprechenden Mülls zunehmend geächtet; da beginnen Autohersteller im großen Stil auf zumindest augenscheinlich saubere Antriebe umzustellen; da gehen Schüler zu Tausenden auf die Straßen, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren; und da erzielen nicht zuletzt ökologisch ausgerichtete Parteien wie Die Grünen beste Wahlergebnisse. Immer mehr Menschen, so scheint es, gelangen zu der Erkenntnis, dass es besser ist, auch an nachfolgende Generationen zu denken und nicht nur an die eigene.

Vorsicht vor schwarzen Schafen

Dabei sollten die Anleger allerdings auf der Hut sein. Der Boom der Nachhaltigkeit am Investmentmarkt lockt auch schwarze Schafe an, die auf das Geschäft unter dem ehrenvollen Label hoffen, ohne dass sie tatsächlich saubere Geldanlagen liefern. Die Fondsgesellschaft Robeco beispielsweise warnt vor "Greenwashing", bei dem Unternehmen ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image verliehen wird, ohne dass es dafür eine Grundlage gäbe.

"Nachhaltiges Investieren ist wesentlich schwieriger als beispielsweise einen Satz ESG-Scores zu kaufen und ihn auf ein Portfolio anzuwenden", sagt Masja Zandbergen von Robeco. "Es bedeutet, gründlich über Nachhaltigkeit nachzudenken und darüber, wie diese sich auf Unternehmen und Anlagestrategien auswirkt."

Auch manager magazin berichtete bereits ausführlich über zweifelhafte Geschäftspraktiken von Anbietern des "Impact Investing", welches der nachhaltigen Geldanlage artverwandt ist . Geldanleger, so eine Erkenntnis, sollten sich vor allem vor zum Teil recht großzügigen Gebühren in dieser Marktnische hüten. Nicht zuletzt, weil dadurch die unterm Strich erzielbare Rendite geschmälert wird.

Stichwort: Rendite. Bei allen guten Vorsätzen, die mit der nachhaltigen Geldanlage verbunden sind - der rein monetäre Ertrag sollte doch am Ende auch stimmen. Die Frage lautet daher: Können nachhaltige Geldanlagen beim nackten Finanzvergleich mit herkömmlichen Investments mithalten - oder diese gar übertrumpfen?

Nachhaltig vs. konventionell - so fällt der Renditevergleich aus

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Die Rendite nachhaltiger Geldanlagen ist besser, schlechter oder sie unterscheidet sich überhaupt nicht von jener herkömmlicher Investments - denkbar sind alle drei Konstellationen, und für alle drei lassen sich Argumente finden. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Zwar wurden zu diesem Thema in den vergangenen Jahrzehnten viele Hundert Studien erstellt. Eine wissenschaftlich fundierte Antwort, die in eine klare Richtung zeigen würde, gibt es auf die Frage nach dem Renditevergleich zwischen ESG-Investments und einer Benchmark dennoch bis heute nicht.

Die wohl wichtigste Analyse haben vor wenigen Jahren Wissenschaftler der Universität Hamburg zusammen mit der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank, heute DWS, sowie der ESG-Investmentorganisation PRI erstellt. Dabei handelt es sich um eine Meta-Studie, in die die Ergebnisse von mehr als 2000 Primärstudien eingeflossen sind, die zum besagten Thema seit den 1970er Jahren bereits erarbeitet wurden.

Das Resultat dieser Untersuchung: Es lassen sich unter Renditegesichtspunkten offenbar zumindest so gut wie keine Gründe nachweisen, die gegen den ESG- oder Nachhaltigkeitsansatz bei der Geldanlage sprächen.

ESG-Investments haben positive Eigenschaften

In 90 Prozent der untersuchten Studien kommen ESG-Investments nicht schlechter weg als herkömmliche, so die Meta-Studie. Vielmehr sei ein klarer Beleg gefunden worden, der für den ESG-Investmentansatz spreche. "Es besteht die Möglichkeit auf eine ESG-Outperformance in vielen Anlagebereichen", heißt es im Fazit der Studienautoren. Das sei insbesondere bei Investments in Nordamerika, in den Schwellenländern sowie jenseits des Aktienmarktes der Fall.

Für Nachhaltigkeitsverfechter klingt das zweifellos nicht schlecht. Ein glasklares Ja zur ESG-Geldanlage hört sich jedoch anders an. So sieht es auch Ali Masarwah, Experte von der Fondsratingagentur Morningstar.

Die Mehrzahl der Studien zur Rendite nachhaltiger Investments komme zwar zu dem Schluss, dass die Vorteile überwiegen, so Masarwah gegenüber manager-magazin.de. Auch eine Übersicht von Morningstar, in der zahlreiche Nachhaltigkeits-Aktienindizes für verschiedene Regionen mit den entsprechenden konventionellen Indizes für die gleichen Märkte verglichen werden, zeigt: Die ESG-Investments haben in den meisten Fällen die Nase vorn. Im Einzelnen, so Masarwah, seien die Vorteile dennoch schwer zu beweisen. Denn die Resultate schwankten stark je nach betrachtetem Zeitraum.

Allerdings, so der Experte, gebe es noch einen weiteren Effekt, den Investoren beachten sollten: Laut Masarwah spricht vieles dafür, dass Portfolios, die nach ESG-Kriterien zusammengestellt seien, in besonders hohem Maße Eigenschaften aufwiesen, die aus Sicht von Investoren wünschenswert seien. Als Beispiel nennt er die sogenannte Moat-Eigenschaft, die von US-Starinvestor Warren Buffett populär gemacht wurde. Gemeint ist damit die Fähigkeit von Unternehmen, einen Wettbewerbsvorteil und Marktanteile über lange Zeiträume zu verteidigen ("Moat" ist das englische Wort für "Burggraben", "Festungsgraben"). Ebenso erweisen sich Unternehmen in ESG-Portfolios Masarwah zufolge im Schnitt als finanziell gesünder und weniger volatil.

Alles Merkmale, die Investoren gerne mögen also, so Masarwahs Fazit. Das dürfte sich auf lange Sicht auch positiv auf die Performance auswirken.

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