Freitag, 24. Mai 2019

Die Pläne der Tech-Schwergewichte Büro-App Slack plant Direct Listing an der Nyse

Lyft, Uber, Slack & Co.: Diese Tech-Riesen wollen an die Börse
REUTERS

Nach dem erfolgreichen Börsengang von Lyft begibt sich mit Slack bereits das nächste Technologie-Schwergewicht zum Start an die New Yorker Börse. Laut übereinstimmenden US-Medienberichten plant der Bürokommunikationsdienstleister ein Direct Listing an der Nyse und könnte womöglich bereits im Juni oder Juli den Gang aufs Parkett wagen. Bislang seien aber noch nicht alle Details mit der SEC geklärt, heißt es im "Wall Street Journal".

Der Fahrdienstvermitler Lyft hatte in der vergangenen Woche als erstes großes Tech-Unternehmen des Jahres erfolgreich den Gang an die Börse gewagt und rund 2,3 Milliarden Dollar eingesammelt. Dabei hatte die Aktie kurz nach dem Handelsstart um rund 20 Prozent zugelegt. Allerdings haben die unter dem Tickerkürzel "LYFT" gehandelten Papiere ihre Gewinne mittlerweile wieder abgegeben. Am Montag schloss die Aktie mit rund 69 Dollar deutlich unter dem Ausgabepreis.

Anders als Lyft plant Slack indes keinen klassischen IPO, sondern will über ein Direct Listing, auch Direct Public Offering (DPO) genannt, an die Börse. Eine Art des Börsengangs, die zuvor schon der Streamingdienst Spotify wählte.

Dabei sammelt Slack kein zusätzliches Geld ein. Investoren bekommen jedoch die Möglichkeit, ihre Anteile direkt an der Börse zu verkaufen. Das hat für Unternehmen, die kein frisches Geld benötigen, den Vorteil, dass sie beträchtliche Summen sparen können, die ansonsten Banken für die Vorbereitung des IPOs kassiert hätten. Das heißt aber nicht, dass die Banken ganz außen vor bleiben. Für sein Listing hat sich Slack den Berichten zufolge - wie zuvor auch Spotify - die Hilfe von Goldman Sachs, Morgan Stanley, und Allen & Co. gesichert und laut "WSJ" für deren Dienste 36 Millionen Dollar gezahlt - deutlich weniger als bei einem klassischen Börsengang fällig geworden wären.

Zudem gibt es bei einem DPO keine "Lock-up"-Periode. Das heißt Anteilseigner müssen ihre Aktien nicht eine bestimmte Frist lang halten, bis sie verkaufen dürfen. Allerdings gilt eine Direktplatzierung als riskanter, da Banken nicht als Zwischenhändler beziehungsweise Kursstabilisatoren auftreten. Bei Spotify, das im April vergangenen Jahres per DPO an die Börse ging, erwies sich dieser potenzielle Nachteil allerdings als irrelevant.

Slack wird nach jüngsten Angaben täglich von rund zehn Millionen Mitarbeitern verschiedener Firmen benutzt. Mehr als 85.000 Unternehmen sind zahlende Kunden. Zugleich bieten unter anderem Microsoft, Google und Facebook konkurrierende Produkte an.

Sollte auch Slacks Börsengang problemlos verlaufen, wären das schlechte Nachrichten für die Banken. Sollten sich auch andere Technologiekonzerne für ein Direct Listing entscheiden, würde dies deutlich weniger Einnahmen für sie bedeuten. Und aktuell stehen eine ganze Reihe potenziell lukrativer Börsengänge an. So hat neben Lyft unter anderem auch dessen Konkurrent Uber bereits einen vertraulichen Antrag für einen Börsengang eingereicht. Auch der Big-Data-Analyst Palantir, das Unterkunftsportal Airbnb und der Immobilienkonzern The We Company (früher WeWork) werden als potenzielle Börsenkandidaten gehandelt.

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