Freitag, 23. August 2019

Riskante Preishausse auf dem Münzmarkt Diese US-Cent-Münze soll zwei Millionen Dollar kosten

Hochspannung im Steigenberger Hotel Remarque in Osnabrück. Eine der in Fachkreisen berühmtesten antiken Münzen wird versteigert, eine sogenannte Tetradrachme der Punier, geprägt etwa 320 bis 310 vor Christus auf Sizilien. Der vorab taxierte Wert: Rund 25.000 Euro.

Diese Schätzung erweist sich allerdings schnell als viel zu bescheiden. Erst bei 170.000 Euro gerät die Auktion ins Stocken. Drei Bieter sind da noch im Rennen, einer im Saal, zwei an den Telefonen.

Dann die Entscheidung: Der Interessent im Publikum greift zum Smartphone. Nach kurzer Rücksprache folgt sein Gebot: 180.000 Euro. Mehr bietet kein anderer - den Zuschlag erhält damit ein Unbekannter, der sich im Hotelsaal offenbar von einem Agenten hat vertreten lassen.

So geschehen am vergangenen Wochenende in Osnabrück. Die 180.000 Euro - inklusive Aufgeld sind es sogar 220.000 Euro - für die Rarität haben selbst Ulrich Künker überrascht, Chef des Auktionshauses Künker und Veranstalter des Events im Steigenberger Hotel.

Insgesamt 6500 Sammlerstücke brachten dabei einen Erlös von zusammen 11,8 Millionen Euro, so Künker. Die Tetradrachme mit der Losnummer 7079 sei allerdings das mit Abstand spektakulärste Versteigerungsstück gewesen.

2014 war Rekordjahr am Münzmarkt

"Zwar handelt es sich um ein sehr seltenes und gut erhaltenes Objekt", sagt Künker. "Zudem ist die Prägung mit einem Löwen und einer Palme auf der einen Seite und einem Frauenkopf - wohl dem der legendären Prinzessin Dido - auf der anderen sehr attraktiv. Den erzielten Preis haben wir aber bei weitem nicht erwartet."

Und dennoch ist das herausragende Auktionsergebnis kein Einzelfall. Ähnlich wie auf dem Oldtimer- oder Kunstmarkt befinden sich auch die Preise seltener Münzen seit einigen Jahren im Höhenflug. Der Aufschwung nahm 2008 richtig Fahrt auf, als die Lehman-Pleite das weltweite Zinsniveau auf Talfahrt schickte. Seither suchen vermögende Sammler rund um den Globus nach attraktiven Kapitalanlagen. Weil sie am herkömmlichen Finanzmarkt kaum fündig werden, stecken sie umso mehr Geld in ihr Hobby, das Münzsammeln. Oder, wie der Fachmann sagt: die Numismatik.

Nach Angaben der amerikanische Gilde Professioneller Numismatiker etwa war das vergangene Jahr ein Rekordjahr auf dem Münzmarkt. Allein in den USA wechselten seltene Geldstücke im Wert von etwa fünf Milliarden Dollar (etwa 4,7 Milliarden Euro) den Besitzer, so der Verband.

Die Folge sind teils enorme Preissteigerungen wie sie etwa in Osnabrück zu beobachten waren. Neben der Punier-Drachme erzielte dort auch ein 1872 geprägtes 20-Mark-Stück aus Sachsen-Coburg-Gotha ein außergewöhnliches Ergebnis. Der laut Auktionshaus Künker "seltenste Typ aller Reichgoldmünzen" war im Vorfeld auf 60.000 Euro geschätzt worden. Den Zuschlag erhielt letztlich ein Bieter bei 123.000 Euro.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung