Magellan-Pleite 112.000 Container verkauft - Anleger kommen glimpflich davon

Container im Hafen Hamburg: Investoren von Magellan hatten kein Glück mit dem Investment

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Wenn am grauen Kapitalmarkt ein Investmentunternehmen in die Pleite rutscht, dann bedeutet das für die Investoren nicht selten den Totalverlust ihrer Einlage. Oft fordern Insolvenzverwalter darüber hinaus sogar noch bereits erhaltene Auszahlungen von den Anlegern zurück.

Gemessen daran scheint die Pleite des Containerinvestment-Unternehmens Magellan für die Investoren ein einigermaßen glimpfliches Ende zu nehmen: Wie der Insolvenzverwalter der Gesellschaft am Montag mitteilte, haben die mehr als 8000 Kapitalanleger, die bei Magellan Geld in Seecontainer investiert hatten, mit großer Mehrheit dem Verkauf des gesamten Containerbestandes zugestimmt.

Rund 112.000 Container werden nun an die Buss-Gruppe mit Sitz in Singapur und Hamburg veräußert. Insgesamt hat der Deal ein Volumen von 160 Millionen Euro, zuzüglich einer Erfolgsbeteiligung von 15 Millionen Dollar, also nach aktuellem Wechselkurs noch einmal rund 13 Millionen Euro, die später ebenfalls noch in Aussicht steht.

100 Millionen Euro, so teilte Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt, Partner der Hamburger Kanzlei Reimer Rechtsanwälte, mit, sollen den Magellan-Investoren nun noch bis Ende dieses Jahres überwiesen werden. Der Rest sowie die mögliche Erfolgsbeteiligung würden sukzessive bis etwa zum Jahr 2023 folgen, so Borchardt.

Hintergrund: Die Gesellschaft Magellan Maritime Services war am Kapitalmarkt im Segment der Containerinvestments aktiv und musste im Juni vergangenen Jahres Insolvenz anmelden. Zu dem Zeitpunkt hatten etwa 9000 Anleger für insgesamt rund 350 Millionen Euro Container bei dem Unternehmen erworben. Magellan verwaltete die Transportkisten für die Investoren, vermietete sie also an Nutzer und leitete die Mietzahlungen an die Anleger weiter - jedenfalls theoretisch. Die Pleite setzte diesem Geschäft ein Ende.

Die Frage ist nun, wie hoch der Verlust der Investoren aufgrund der Insolvenz letztlich ausfallen wird. Auf den ersten Blick erscheinen die Zahlen vergleichsweise erfreulich: Der Investitionssumme von 350 Millionen Euro steht ein Verkaufserlös von 160 Millionen Euro plus einer möglichen Erfolgsprämie von 15 Millionen Dollar gegenüber. Zudem haben viele Investoren im Laufe der Zeit - abhängig vom Kaufzeitpunkt - bereits Ausschüttungen aus ihren Investments erhalten, die ebenfalls einkalkuliert werden müssen.

Wie viel bekommen die Investoren tatsächlich?

Aber wie viel kommt letztlich tatsächlich bei den Magellan Investoren an? Insolvenzverwalter Borchardt teilt dazu auf Anfrage etwas verklausuliert mit: "Die Kapitalanleger besitzen in der ganz überwiegenden Mehrzahl vorrangige Forderungen auf Auszahlung des Verschaffungswerts (sprich: des Wiederbeschaffungswertes, d. Red.) der Container in mittlerer Art und Güte zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags. Dieser Schadenersatzanspruch wird mit der anstehenden Auszahlung von 100 Millionen Euro zu hundert Prozent befriedigt."

Ferner besitzen die Anleger laut Borchardt einen Schadenersatzanspruch auf die Höhe der zugesagten Mieteinnahmen abzüglich der bereits gezahlten Mietzinsen. Diese Ansprüche werden aus dem restlichen Verkaufserlös plus Erfolgsbeteiligung sowie den vom Insolvenzverwalter vereinnahmten Mieten und sonstigen Einnahmen bedient, so der Insolvenzverwalter. Die auf diesen Schadensersatzanspruch noch auszuzahlende Insolvenzquote lasse sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch noch nicht beziffern.

Ebenso unklar ist laut Borchardt bislang, wie hoch letztlich die Kosten des Insolvenzverfahrens ausfallen werden. Ein Vergütungsantrag gemäß Insolvenzrechtlicher Vergütungsordnung sei noch nicht gestellt worden, so der Jurist. Letztlich werde das Amtsgericht über die Höhe der Vergütung entscheiden.

Etwas konkreter wird Rechtsanwalt Marc Gericke von der Anlegerkanzlei Goeddecke in Siegburg. Gericke vertritt nach eigenen Angaben eine zweistellige Anzahl an Magellan-Geschädigten und hat bereits gesehen, welche Rückflüsse Investoren angesichts des jetzt beschlossenen Containerverkaufs in Aussicht gestellt worden sind. "Je nach bereits zurückliegender Laufzeit der Beteiligung liegen die Quoten der Investoren nach dem jetzt beschlossenen Deal bei 25 bis 35 Prozent vom ursprünglichen Investment", sagt der Anwalt. "Da sind neben dem Verkaufserlös auch bereits erhaltene Ausschüttungen eingerechnet."

Kein berauschendes Ergebnis also, aber eben auch kein Totalausfall. Gericke sieht die Sache daher insgesamt trotz allem positiv: "Die Ausschüttung nach dem Paketverkauf ist zwar etwas ungerecht, weil alle Anleger ungeachtet der individuellen Investmentsituation die gleiche Summe für ihren Container erhalten", sagt er. "Eine bessere Alternative war für die Investoren nach meiner Auffassung aber nicht in Sicht."

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