Mittwoch, 16. Oktober 2019

Pleitefirma Magellan Insolvenzverwalter überrascht 9000 Container-Investoren

Containerstapel: Für Magellan-Investoren gibt es zurzeit vor allem schlechte Nachrichten

Unangenehme Überraschung für 9000 Geldanleger, die in die Container der insolventen Hamburger Magellan Maritime Services investiert hatten: Der vorläufige Insolvenzverwalter des Unternehmens hat entschieden, dass die Mieten, die von Reedereien für die Nutzung der Container gezahlt werden, nicht direkt an die Investoren fließen, deren Eigentum die Transportboxen sind. Stattdessen gehen diese Mieten zunächst in die Insolvenzmasse des Unternehmens ein.

Das hat für die Anleger zweierlei Folgen. Erstens: Sie müssen sich nun als Gläubiger melden, um an ihre Gelder zu kommen. Und zweitens: Auch Insolvenzkosten, Forderungen weiterer Gläubiger und ähnliches werden aus der Insolvenzmasse bestritten. Die Mietsumme, die die Investoren gerne in voller Höhe vereinnahmt hätten, wird dadurch also reduziert.

Der Fall macht noch einmal deutlich, wie intransparent und schwer durchschaubar ein Direktinvestment in einen Container offenbar ist. Privatanleger hatten in den vergangenen Jahren Milliardensummen in diesen Nischenmarkt gesteckt.

Der vorläufige Insolvenzverwalter jedenfalls, der Hamburger Rechtsanwalt Peter-Alexander Borchardt, stützt seine Entscheidung, die Mieten in die Insolvenz einzubeziehen, auf ein Rechtsgutachten der Kanzlei CMS Hasche Sigle, in das er auf Anfrage allerdings die Einsicht verwehrt. Demzufolge seien die Containermieten Forderungen der Magellan Maritime Services, denn eine rechtswirksame Abtretung an die Anleger habe nicht stattgefunden, so Borchardt in einer Stellungnahme an manager magazin online.

Anlegeranwälte protestieren

Die Folge: Laut Borchardt ist es seine gesetzliche Aufgabe, diese Forderungen "einzuziehen und für die Gläubiger zu sichern". Einen Ermessensspielraum hat er dabei eigenen Angaben zufolge nicht.

Anlegeranwälte vertreten in dem Punkt allerdings eine andere Meinung. Rechtsanwalt Peter Mattil aus München etwa findet das Vorgehen einer Mitteilung zufolge "unerhört" und fordert den Insolvenzverwalter auf, die Mieten auszusondern und an die Anleger herauszugeben.

Die Vertragsklauseln seien eindeutig, so Mattil. Die Magellan hätte seiner Ansicht nach bereits nach dem Verkauf der Container an die Investoren die eingezogenen Miete getrennt von ihrem sonstigen Vermögen verwalten müssen.

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