Samstag, 23. November 2019

Renditejagd Superreiche stecken Milliarden in Kunstfonds

"Keine Witwen- und Waiseninvestments": Kunstwerke sind nicht nur nett anzuschauen, sie wecken auch das Interesse vermögender Anleger

Die Börsen schwanken, Immobilien sind weltweit teuer - da bietet sich eine andere Form der Geldanlage an: Kunstwerke. Bilder und Skulpturen geraten zunehmend in den Fokus von Investoren - vor allem von besonders vermögenden.

Hamburg - Weltweit befinden sich reiche Privatleute auf der Suche nach Möglichkeiten, ihr Vermögensdepot zu diversifizieren. Neben Aktien und Anleihen geraten weitere Assetklassen in den Fokus - wie zum Beispiel Kunst. Einem Bericht der Onlineausgabe von CNNMoney zufolge erfreuen sich Kunstfonds derzeit vor allem unter Superreichen rund um den Globus großer Beliebtheit.

Das Geld der Investoren hat dem Kunstmarkt laut CNN im vergangenen Jahr bereits ein Rekordvolumen von 66 Milliarden Dollar (etwa 48 Milliarden Euro) beschert. Die simple Idee dahinter: Günstig kaufen, teuer verkaufen und die Differenz als Gewinn einstreichen. Dass dies nicht in jedem Fall klappen kann, liegt allerdings auf der Hand.

Dennoch: "Die Leute suchen nach neuen Möglichkeiten zur Geldanlage und zurzeit ist Kunst eine davon", zitiert CNN Jon Reade, den Mitgründer des Kunst-Brokers Art Futures Shop in Hongkong.

Wie bei Aktien können Käufer auch am Kunstmarkt auf aufstrebende Künstler setzen, die Hoffnung auf enorme Gewinnspannen machen. Ebenso besteht aber die Möglichkeit, in "Blue Chips" zu investieren, etablierte Künstler also, wie etwa den deutschen Gerhard Richter, deren Wertentwicklung verlässlicher erscheint.

Mindestbeteiligung 500.000 Dollar

Auch die Fonds, die sich auf den Kunstmarkt spezialisiert haben, ähneln jenen für den Aktienmarkt: Einige investieren ausschließlich in bestimmte Regionen, Kunstformen oder Stilrichtungen. Selbst die Strategie, aus Notsituationen wie der Insolvenz einer Galerie günstige Ware zu erwerben, ist bereits etabliert.

Aufgabe der Fondsmanager ist es, den Kunstmarkt intensiv zu verfolgen. Vor allem kommt es darauf an, den richtigen Moment für den Verkauf zu erwischen. Das geschieht am besten, wenn der Wert eines Künstlers seinen Höhepunkt erreicht und weitere Steigerungen kaum noch zu erwarten sind.

Wer nicht ausreichend Kapital mitbringt, bleibt allerdings außen vor, denn die meisten Kunstfonds wenden sich ausschließlich an eine besonders betuchte Klientel. Weltweit stecken laut CNN bereits zwei Milliarden Dollar in diesen Fonds.

"Das sind keine Witwen- und Waiseninvestments", zitiert CNN Philip Hoffmann, Chef der Londoner Fine Art Fund Group. "Das Investment eignet sich ausschließlich für besonders reiche Privatleute sowie institutionelle Investoren."

Folgerichtig hat Hoffman die Mindestbeteiligung seines Fonds ambitioniert festgelegt. Sie beträgt laut CNN 500.000 bis eine Million Dollar.

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