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Inside-Report Bitcoin gegen Ether – der Glaubenskrieg in der Kryptoszene

Bitcoin und Ethereum kämpfen um die Vorherrschaft – und mit unberechenbaren Führungsstrukturen hinter den Kulissen. Wer jetzt einsteigt, sollte die Risiken kennen. Ein Inside-Report über Investmentchancen.
aus manager magazin 1/2022
Finanzier der Revolution: Die Investitionen von Ethereum-Mitgründer Joe Lubin schufen die zweitgrößte Blockchain

Finanzier der Revolution: Die Investitionen von Ethereum-Mitgründer Joe Lubin schufen die zweitgrößte Blockchain

Foto:

Jesse Dittmar / Redux / laif

Multimilliardär Joseph Lubin (57) nimmt sich eine halbe Stunde Zeit, obwohl draußen gerade die Party des Jahres steigt, die Kunstmesse Art Basel Miami Beach. Der Mitgründer des Kryptonetzes Ethereum will seine Botschaft aus Florida nach Germany senden: Gerade jetzt entstehe die Gesellschaft der Zukunft, mindestens aber mal das neue Internet.

Dass Lubin einer der Könige wäre – klar. Wie viele Milliarden er persönlich auf dem Weg dorthin denn schon für sich sichern konnte – diese Frage am Ende des Gesprächs will er dann doch nicht beantworten. Eine bis fünf Milliarden, wie "Forbes" Anfang 2018 schrieb? Oder eher fünf bis zehn Milliarden, nach der Kursvervielfachung der Kryptowährung Ether, die Lubin miterfand? Was soll man denn nun notieren?

Lubin: "Schreiben Sie doch, dass ich mehr investiert habe als jeder andere, um das Ökosystem aufzubauen."

mm: "Wie viel denn, in heutigen Dollar gerechnet, eine Milliarde, oder zwei?"

Lubin lacht und sagt: "Kein Kommentar".

So muss genügen, dass der Branchendienst "Traders of Crypto" Lubins Vermögen auf 5 Milliarden Dollar schätzt. Das ist Platz vier auf der "Crypto Rich List", hinter den Börsengründern Sam Bankman-Fried (FTX, 26,5 Milliarden Dollar) und Brian Armstrong (Coinbase, 14,7 Milliarden Dollar) sowie Chris Larsen, dem Mitgründer der Kryptowährung Ripple.

Versprechen einer dezentral gesteuerten Wirtschaft

Was sie alle superreich gemacht hat: Das Versprechen einer Wirtschaft, die nicht von wenigen Techplattformen beherrscht wird, sondern von den Nutzern selbst, dezentral gesteuert. Ermöglicht durch Computernetze, zu denen sich Menschen weltweit zusammenschließen: die Blockchain. Dabei werden Geschäfte (wie zum Beispiel Gebühren für die Nutzung von Rechnerleistung) in ein fortlaufendes digitales Register eingetragen, das für alle einsehbar ist, und mit digitalen Coins bezahlt. Abgesichert sind die Transaktionen durch überprüfbare mathematische Verfahren, die gesamte Blockchain ist geschützt durch angriffssichere Verschlüsselungstechnik (Kryptografie), weshalb oft auch von Kryptoanlagen die Rede ist.

Die Blockchain-Technologie sei "einer der aufregendsten neuen Märkte seit Jahren", jubilieren die Analysten der Bank of America. Dabei gehe es nicht nur um digitales Gold wie bei Bitcoin oder digitale Zahlungen – sondern um die nächste Generation der Informationstechnologie: "einen programmierbaren Computer, der von überall und für jeden erreichbar ist und der Millionen von Menschen weltweit gehört". Die Möglichkeiten seien größer, als viele Skeptiker dächten.

Schon in naher Zukunft, prophezeit das neue Krypto-Asset-Strategieteam der Bank, könnten wir die Technologie nutzen, um unser Smartphone zu entsperren; um eine Aktie zu kaufen, ein Haus oder einen Anteil an einem Ferrari; um Dividenden zu erhalten, Geld zu borgen oder zu verleihen.

Das größte Potenzial sehen die Trendscouts von der Wall Street dabei gar nicht mehr in Bitcoin, sondern in den neuen Blockchain-Plattformen wie Ethereum, Polkadot und Cardano. Diese Computernetze könnten die Blockchain-Anwendungen der Zukunft ermöglichen, so wie Apple mit seinem iPhone und dessen Betriebssystem iOS die Basis für die App-Economy legte. Nach dem Kursrutsch der vergangenen Wochen erscheinen Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum für viele Anleger wieder attraktiv - viele Glücksritter denken über einen Einstieg nach.

Auf dem nach Bitcoin zweitwertvollsten Blockchain-Netzwerk Ethereum laufen schon heute Hunderte Programme. Sie könnten Branchen wie Finanzdienstleistungen, Assekuranz, Rechtspflege und Immobilienwirtschaft umkrempeln, prophezeit die Großbank. "Mit mehr als 2000 Milliarden Dollar Marktwert und mehr als 200 Millionen Nutzern sind Krypto-Assets bereits zu groß, als dass man sie ignorieren könnte."

Andere Profis aus der alten Welt sind da vorsichtiger, beispielsweise David Kelly, Chefstratege von J. P. Morgan Asset Management: "Krypto-Assets wirken wie hochspekulative Assets mit stark schwankenden Kursen und einem signifikanten Risiko, dass der Wert irgendwann auf null fällt." Die Coins seien weder als Inflationsschutz geeignet noch als Wachstumsinvestitionen, sondern böten allenfalls eine Art Kaufoption auf die Blockchain-Technologie. Immerhin, auch Kelly schwankt, Potenzial habe diese Blockchain ja.

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