Mitten im Milliardenskandal Krypto-Börse FTX soll eventuell wieder öffnen

Die Pleite der Handelsplattform FTX hatte den gesamten Krypto-Markt in Turbulenzen versetzt. Anleger bangen seither um Einlagen in Milliardenhöhe – doch der neue FTX-Chef John J. Ray III erwägt bereits einen Neustart des Unternehmens.
Überraschender Plan: FTX-Chef John J. Ray III, hier bei einer Anhörung im US-Kapitol, will FTX eventuell erneut öffnen

Überraschender Plan: FTX-Chef John J. Ray III, hier bei einer Anhörung im US-Kapitol, will FTX eventuell erneut öffnen

Foto: Nathan Howard / Getty Images

Anleger dürften sich zunächst fragen, ob das eine gute Nachricht ist oder eine schlechte: Einem Bericht des "Wall Street Journal"  zufolge erwägt John J. Ray III, der neue Chef der insolventen Krypto-Firma FTX, die Handelsplattform eventuell wiederzueröffnen.

Ray suche nach Wegen, die Milliarden an Anleger- und Gläubigergeldern, die aufgrund der FTX-Pleite verloren zu gehen drohten, wiederzubeschaffen, so die Zeitung mit Verweis auf das erste Interview, das Ray seit seiner Amtsübernahme im November vergangenen Jahres gegeben habe. Daher habe der FTX-Chef bereits eine Task-Force eingesetzt, die ermitteln soll, ob ein Neustart der Plattform womöglich der richtige Weg sein könnte, um dieses Ziel zu erreichen.

Zwar wird FTX-Gründer Sam Bankman-Fried, dem Vorgänger Rays an der Unternehmensspitze, sowie weiteren Ex-Managern und Managerinnen des Unternehmens kriminelles Verhalten vorgeworfen, weshalb sie sich künftig wohl vor Gericht werden verantworten müssen. Es gebe aber FTX-Kunden, die die Technologie der Plattform lobten und für eine Wiedereröffnung plädierten, so Ray.

"Jede Möglichkeit liegt auf dem Tisch", so Ray. "Wenn dies ein Weg in Richtung unserer Ziele ist, werden wir es nicht nur überlegen, dann werden wir es tun."

Dabei geht Ray einer simplen Rechnung nach: Wie lässt sich für FTX-Anleger und Gläubiger der größtmögliche Erlös erzielen? Zwei Möglichkeiten stehen dabei laut "WSJ" zur Auswahl: Entweder die Plattform nimmt den Betrieb wieder auf, oder sie wird liquidiert respektive verkauft.

Die Pleite von FTX hatte im vergangenen Jahr heftige Turbulenzen am Krypto-Markt ausgelöst. Der Bitcoin und andere Cyber-Währungen rutschten stark ab und weitere Krypto-Firmen gerieten ebenfalls in Schwierigkeiten. Der Fall FTX ist der größte Ausfall einer Krypto-Plattform im vergangenen Jahr – aber nicht der einzige. Neben FTX gerieten beispielsweise auch die Branchenfirmen Celsius Network, Voyager Digital und BlockFi in die Pleite. Millionen Anleger verloren dabei viel Geld.

Allein bei FTX wird nach jüngsten Schätzungen der US-Behörden und der Konkursverwalter nach zehn bis zwölf Milliarden Dollar an Anlegergeldern gesucht, die von der Handelsplattform zum Hedgefonds Alameda, ebenfalls Teil der FTX-Gruppe, herübergeschoben wurden. Hintergrund dafür war eine spezielle Kreditlinie in theoretischer Höhe von 65 Milliarden Dollar, die sich Gründer Bankman-Fried (Spitzname: SBF) eigens hatte einräumen lassen. Die Hälfte der Milliarden investierte Alameda in rund 150 Start-ups weltweit und finanzierte verschiedene riskante Krypto-Wetten, darunter eine Bitcoin-Mining-Farm in Kasachstan. Wie viel Geld davon abgeschrieben werden muss, steht noch nicht fest.

Bislang haben Behörden in den USA Bargeld und Krypto-Werte in Höhe von rund fünf Milliarden Dollar bei FTX sichergestellt. Hinzu kommen Krypto-Werte in Höhe von rund drei Milliarden Dollar auf den Bahamas sowie die von Alameda getätigten Investments, deren Restwert noch beziffert werden muss. Die Staatsanwaltschaft in New York geht davon aus, dass nach der Resteverwertung noch eine Lücke in Milliardenhöhe bleiben wird. Sollte SBF wegen Betruges verurteilt werden, drohen ihm mehr als 100 Jahre Haft.

cr
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