Kreditanalyst zu Immobilienriese "Evergrande-Pleite ist faktisch bereits eingetreten"

Kann der strauchelnde Immobilenriese Evergrande seine Verbindlichkeiten noch begleichen? Der Kreditanalyst Marco Metzler glaubt das nicht: Er ist überzeugt, Evergrande sei längst pleite - und fordert den Konzern heraus.
Das Interview führte Lutz Reiche
In luftiger Höhe: Bei einer Pleite des chinesischen Immobilienriesen Evergrande können internationale Investoren tief stürzen und viel Geld verlieren – bislang halten sie still

In luftiger Höhe: Bei einer Pleite des chinesischen Immobilienriesen Evergrande können internationale Investoren tief stürzen und viel Geld verlieren – bislang halten sie still

Foto: ALEX PLAVEVSKI / EPA

Wie groß ist die Gefahr, die von Chinas wankendem Immobilienentwickler Evergrande für die Weltwirtschaft ausgeht? Internationale Banken und Privatinvestoren haben dem Konzern rund 23,7 Milliarden Dollar geliehen – die sie verzinst und zurückgezahlt haben wollen. Wenn Evergrande zusammenbricht, reißt der Konzern also auch andere mit. Jüngst meldeten Medien wie die "New York Times" entwarnende Signale, der erfahrene Kreditanalyst Marco Metzler hält dagegen.

manager magazin: Herr Metzler, mit Ihrer jüngsten Analyse  behaupten Sie im Kern, Evergrande sei längst pleite. Wie kommen Sie darauf?

Marco Metzler: Fakt ist, Evergrande und Citibank als Treuhänder und Zahlstelle der Zinszahlungen haben bislang keine einzige Zahlung der seit mehr als 30 Tagen überfälligen Zinsen offiziell bestätigt. Die Quelle, auf die sich die "New York Times"  und andere Medien  berufen, ist ein einzelner, angeblich anonymer Gläubiger, der ein paar Stunden vor Ablauf der Frist den Medien mitgeteilt haben soll, die Zinszahlung erhalten zu haben.

Was schließen Sie daraus?

Die Tatsache, dass von keiner offiziellen Seite ein Zahlungseingang bestätigt wird und dass die Quellen so intransparent behandelt werden, stimmt bedenklich. Es bleiben erhebliche Zweifel, ob Geld wirklich und wenn überhaupt womöglich nur an einzelne Gläubiger der Offshore-Anleihe geflossen ist. Hier wiederholt Evergrande anscheinend das gleiche Spiel wie bereits am 23. Oktober.

Zur Person

Dr. Marco Metzler (50) war bei Fitch Ratings Leitender Analyst und Direktor für internationale Versicherungsgruppen. Der gelernte Investmentbanker verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der europäischen Versicherungsbranche und Rating-Industrie. Als ehemaliger CFO der Prisma Life in Liechtenstein verwaltete er rund 1,2 Milliarden Euro an Kundengeldern. Zurzeit ist Metzler in der Schweiz selbstständig und berät internationale Versicherer. Darüber hält er Fachbeiratspositionen in der DMSA und der DFSI Ratings, die Ratings von Finanzprodukten erstellt.

Was meinen Sie damit?

Evergrande und Citibank haben auch zu diesem Zeitpunkt angeblich geleistete Zinszahlungen in Höhe von 83 Millionen Dollar offiziell nicht bestätigt. Wir haben zahlreiche uns bekannte Investoren gefragt, sie konnten uns keinen Zahlungseingang bestätigen. Damit ist die Evergrande-Pleite aus unserer Sicht offensichtlich bereits faktisch eingetreten. Das bedeutet auch, dass alle anderen 22 ausgegebenen Anleihen nach dem Cross-Default-Prinzip als ausgefallen gelten. So ist es in den Anleihebedingungen geregelt. Damit können nun geprellte Anleger Insolvenzantrag stellen.

Fakt ist, bislang wurde Evergrande nicht für insolvent erklärt. Wie viel steht denn für ausländische Investoren auf dem Spiel?

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