Investor Klaus Hommels fädelt ein Airbnb-Konkurrent Hometogo auf dem Weg an die Börse

Investor Klaus Hommels hat für seinen Börsenmantel Lakestar ein Übernahmeziel gefunden. Hommels' Spac will den deutschen Marktplatz für Ferienunterkünfte Hometogo übernehmen und so an den Aktienmarkt bringen.
Sehnsucht nach Meer: Nicht nur in Deutschland sind Ferienunterkünfte in diesem Sommer angesichts enormer Nachfrage schwer zu bekommen. Der deutsche Unterkunfts-Vermittler Hometogo macht dem US-Riesen Airbnb Konkurrenz - und strebt nun per Spac an die Börse

Sehnsucht nach Meer: Nicht nur in Deutschland sind Ferienunterkünfte in diesem Sommer angesichts enormer Nachfrage schwer zu bekommen. Der deutsche Unterkunfts-Vermittler Hometogo macht dem US-Riesen Airbnb Konkurrenz - und strebt nun per Spac an die Börse

Foto: Guenter Nowack / imago images/penofoto

Beide Firmen hätten eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet, hieß es am Freitag in einer Mitteilung von Lakestar und Hometogo. Eine endgültig verbindliche Vereinbarung sei jedoch nicht garantiert. Unklar war zunächst auch die im Raum stehende Transaktionssumme. Der deutsche Airbnb-Konkurrent Hometogo listet den Angaben zufolge Zehntausende Wohnungsanbieter auf und ist in 23 Ländern aktiv. Das Unternehmen wurde 2014 gegründet und beschäftigt mehr als 250 Mitarbeiter. Kurz nach der Ankündigung zog der Kurs der Lakestar-Aktien um bis zu 9 Prozent an. Kurz danach gaben die Aktien einen Teil der Gewinne ab und stiegen zuletzt um rund 3 Prozent auf 10,24 Euro.

Hommels hatte im Februar über eine Direktplatzierung von 27,5 Millionen Lakestar-Aktien bei institutionellen Investoren rund 275 Millionen Euro erlöst. Kurz danach wurde das Papier an der Frankfurter Börse gelistet. Dort ging es an den ersten Handelstagen bis auf 12,32 Euro nach oben. Doch danach war die Luft schnell wieder raus und das Papier pendelte um den Ausgabepreis von 10 Euro. "Lakestar Spac 1" war die erste leere Unternehmenshülle ("Spac") seit mehr als einem Jahrzehnt, die in Frankfurt auf das Parkett ging. Zwischenzeitlich war auch das Logistik-Start-up Sennder als Kandidat gehandelt worden, über das Lakestar-Vehikel den Sprung an die Börse zu wagen. Doch diese Spekulation hatte sich rasch zerschlagen.

Lakestar hat in der Vergangenheit bereits in Hometogo investiert. Das Reise-Start-up soll bei Geldgebern inzwischen mehr als 170 Millionen Dollar eingesammelt haben. Neben Klaus Hommels (54) mischen noch weitere prominente Investoren beim Spac-Boom mit: Der frühere Deutsche-Bank-Vorstand Stefan Krause (58), Ex-Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier (60), Rocket-Internet-Vormann Oliver Samwer (48), der deutsche Investor Christian Angermayer (42), Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld (63) und viele prominente Wirtschaftsgrößen setzen auf das Konzept, mithilfe zunächst leerer börsennotierter Firmenhüllen junge Unternehmen an den Aktienmarkt zu bringen.

Vor allem in den USA war das Geschäft um die Jahreswende geradezu explodiert. Inzwischen hat sich die Euphorie in den Vereinigten Staaten aber wieder gelegt. Insgesamt, so zitiert der US-Sender CNBC Zahlen von Renaissance Capital , wurden im Jahr 2020 mehr als 200 Spac-Transaktionen mit einem Volumen von zusammen 64 Milliarden Dollar durchgezogen. Im vergangenen und diesem Jahr zusammen hält die US-Bank Goldman Sachs Medien zufolge  ein Marktvolumen von bis zu 300 Milliarden Dollar für möglich - der Spac-Markt befindet sich damit auf Augenhöhe mit dem herkömmlichen Geschäft mit Börsengängen.

Was sind Spacs?

Der Begriff Spac steht für "Special Purpose Acquisition Company", was so viel heißt wie: Ein Unternehmen, das eigens gestartet wurde, um ein anderes oder mehrere andere zu übernehmen. Das heißt: Spacs sind zunächst leere Firmenhüllen, die gegründet und an die Börse gebracht werden. Die Aktien dieser Gesellschaften werden meist zu überschaubaren Beträgen wie etwa zehn Dollar das Stück platziert. Das so eingesammelte Kapital von in der Regel 200 bis 600 oder gar 800 Millionen Dollar steht dem Spac-Management - den sogenannten Sponsoren - dann zur Verfügung, um auf die Suche nach einer Firma zu gehen, die sie erwerben und in den Spac-Mantel überführen können. So gesehen stellt der Weg über eine Spac eine Alternative zum klassischen Börsengang dar.

Dabei können sich die Spac-Manager mit ihrem Abschluss aber nicht endlos Zeit lassen. Meist beträgt die Frist, binnen derer eine Übernahme erfolgen muss, maximal zwei Jahre. Gelingt in dieser Zeit kein Firmenkauf, so erhalten die Investoren ihr Geld zurück. Auch Anleger, die mit dem ausgewählten Übernahmeobjekt nicht zufrieden sind, können vor Abschluss des Mergers ihr Geld zurückverlangen.

Welche Vorteile haben Spacs?

Spacs dienen als Kapitalbeschaffungsmaßnahme für Unternehmen, die sich dem Finanzmarkt öffnen wollen. Sie erfordern allerdings deutlich weniger Arbeits- und Zeitaufwand als herkömmliche Börsengänge: Umfangreiche Roadshows beispielsweise, auf denen Investoren überzeugt werden müssen, finden im Spac-Kosmos nicht statt. Damit sind diese Transaktionen in der Regel auch mit geringeren Kosten verbunden.

Auch für Investoren können Spacs Vorteile haben. Zum Beispiel eine breitere Kommunikation als beim herkömmlichen Börsengang, denn die Gesellschaften, die letztlich in die Firmenhüllen übernommen werden, dürfen aufgrund anderer Regularien mehr Informationen preisgeben, als sie in Prospekten zu Börsengängen zu finden sind. Jüngste Erfahrungen zeigen allerdings, dass die Angaben der Firmen, die durch Spacs übernommen werden, mitunter mit Vorsicht zu genießen sind. Insbesondere mit Nikola und Canoo sind zwei Unternehmen in die Kritik geraten, die Investoren eine große Zukunft als Hersteller von Elektroautos versprochen hatten. Bei beiden erwiesen sich Angaben zum Stand der Geschäfte und bestehenden Partnerschaften mit anderen Unternehmen im Nachhinein als nicht valide, was die Aktienkurse erheblich einbrechen ließ. Spac-Investoren können solche Reinfälle allerdings verhindern - jedenfalls theoretisch: Wer mit einer Übernahme nach genauer Recherche nicht einverstanden ist, gibt vorher seine Spac-Aktien zurück und bekommt den Kaufpreis erstattet.

Wovon hängt der Erfolg der Spacs ab?

Der Erfolg einer Spac-Transaktion und damit auch die Rendite, die am Ende für die Investoren drin ist, steht und fällt mit dem Management, das an der Spitze des Spac-Teams steht, also mit den Sponsoren. Dort ist Expertise erforderlich, ebenso wie Erfahrung und eine gute Vernetzung im Zielmarkt.

Welche Risiken und Nachteile gibt es?

Ein Risiko bringt der Spac-Boom wie jede überschwängliche Aufschwungphase am Kapitalanlagemarkt mit sich: die Gefahr von Übertreibungen und Rückschlägen. Investoren sollten nicht vergessen, dass für die vielen Milliarden Dollar, die in die Spacs fließen, auch ausreichend attraktive Investitionsziele vorhanden sein müssen. Das heißt: Aufstrebende, wachsende Unternehmen, die sich im Idealfall unter ihrem tatsächlichen Wert erwerben lassen. Kann das wirklich in jedem einzelnen Spac-Fall gelingen? Oder droht nicht die schiere Menge an Investitionsmitteln den Markt zu verzerren und die Preise in die Höhe zu treiben?

Negative Beispiele für rückblickend missglückte Spac-Deals gibt es bereits. Ein prominentes ist der Elektro-Lkw-Bauer Nikola. Nachdem das Unternehmen mit seinem schillernden Chef Trevor Milton (38) 2020 an der Börse debütiert hatte, schossen die Aktien zunächst in die Höhe. Doch dann gab es Betrugsvorwürfe und Shortseller-Attacken. Schließlich zog sich General Motors von einer geplanten Beteiligung zurück - und der Aktienkurs verlor den Boden. Fragwürdig kann zudem die Gewohnheit erscheinen, dass Spac-Sponsoren in der Regel 20 Prozent der Anteile kostenlos erhalten. Aufgrund dieser Konstruktion können sich für die Manager auch Deals rechnen, die für die übrigen Investoren eher unattraktiv erscheinen, sagen Kritiker. Auch darüber sollten sich Anleger Gedanken machen, bevor sie in eine Spac-Offerte einsteigen.

cr/la
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