Freitag, 22. November 2019

Börsenprofi Carsten Klude erklärt Investoren aufgepasst - so bremst 2019 die Weltwirtschaft ab

Nach einem verheißungsvollen Beginn hat sich die konjunkturelle Dynamik im Jahr 2018 nach und nach abgeschwächt. Insbesondere politische Themen - wie der Handelsstreit zwischen den USA und China, der Brexit oder der Budgetstreit zwischen der neuen italienischen Regierung und der EU haben die Stimmung der Unternehmen und der Privathaushalte nachhaltig belastet und zu einer Abschwächung des Investitionswachstums, der Exporte und des privaten Verbrauchs geführt. Von dieser Entwicklung sind mittlerweile die meisten Industrie- und Schwellenländer betroffen. Nur die USA konnten sich dem bislang entziehen. Sollte der Streit zwischen den USA und China eskalieren, droht 2019 ein stärkerer wirtschaftlicher Rückschlag.

Nach dem überraschend starken Wachstum der Weltwirtschaft im Jahr 2017 gingen wir davon aus, dass sich diese positive Entwicklung 2018 mindestens im selben Tempo fortsetzen würde. Doch schon zu Beginn des Jahres geriet Sand ins Getriebe des bis dahin rund laufenden Konjunkturmotors. Die sich verschärfenden Töne aus dem Weißen Haus zum Thema Handel sorgten für eine stetig zunehmende Verunsicherung unter den global tätigen Unternehmen. Dies hat dazu geführt, dass sich wichtige Frühindikatoren, wie die der OECD oder die globalen Einkaufsmanagerindizes aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor seit Jahresbeginn kontinuierlich abgeschwächt haben (siehe Grafik).

Würde sich der Handelsstreit zu einem Handelskrieg ausweiten, hätte dies unabsehbare Folgen für die Weltwirtschaft. Ein deutlich stärkerer konjunktureller Abschwung könnte die Folge sein - bis hin zu einer neuen globalen Rezession. Unter der Voraussetzung, dass die Politik Vernunft walten lässt, muss es dazu aber nicht kommen. Mehr denn je ist also die Politik der Schlüsselfaktor, von dem die Entwicklung der Weltwirtschaft maßgeblich beeinflusst wird. Dies führt bei den Prognosen für das nächste Jahr zu größeren Unsicherheiten als sonst üblich.

China: Ohne einen "Deal" mit den USA droht eine deutliche Abkühlung

2018 war ein Jahr mit vielen Krisen in verschiedenen Schwellenländern. Vor allem Argentinien und die Türkei gerieten in Bedrängnis, aber auch Südafrika, Venezuela, Brasilien und der Iran sorgten für negative Schlagzeilen. Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat sich in diesem Jahr etwas abgeschwächt. So wird das reale Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich um 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen (2017: 6,9 Prozent).

Bislang haben sich die eingeführten Handelsbeschränkungen nur wenig ausgewirkt. Deswegen wird der Druck der US-Regierung, mit China einen "Deal" im Handelsstreit auszuhandeln, hoch bleiben. Bewegt sich China nicht in die von den USA gewünschte Richtung, könnte der Handelsstreit in einen Handelskrieg übergehen. In diesem Fall wird es nicht nur bei den bislang in erster Linie psychologischen Effekten für die Weltwirtschaft bleiben, sondern dann muss mit deutlicheren Bremsspuren beim globalen Handel und dem globalen Wirtschaftswachstum gerechnet werden. Obwohl die chinesische Regierung in einem solchen Fall mit einer expansiveren Fiskalpolitik gegensteuern und die Notenbank die Geldpolitik lockern würde, gehen wir davon aus, dass sich das Wachstum der chinesischen Wirtschaft 2019 auf rund 6 Prozent verlangsamen wird.

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USA: Aufschwung setzt sich mit weniger Dynamik fort

Die US-Wirtschaft wird im Jahr 2018 um rund 3 Prozent wachsen. US-Präsident Trump scheint damit sein Versprechen einzulösen, die Wirtschaft mit Hilfe von Steuererleichterungen und Deregulierungen "nachhaltig" auf ein höheres Wachstumsniveau zu hieven. Die stärksten Wachstumsimpulse kommen vom privaten Verbrauch, der von der guten Lage am Arbeitsmarkt profitiert. Da noch keine Trendwende am Arbeitsmarkt in Sicht ist, sollte sich der Aufschwung im nächsten Jahr fortsetzen, sodass dieser im Juni 2019 mit einer Dauer von mehr als 120 Monaten einen neuen Rekordwert erreichen würde.

Wir gehen allerdings davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum der USA im nächsten Jahr auf 2,4 Prozent abschwächen wird. Die positiven Effekte der Steuersenkung nehmen ab und die gestiegenen US-Zinsen wirken sich ebenfalls wachstumsdämpfend aus. Das größte Problem der US-Wirtschaft stellt der Immobilienmarkt dar. Einen "Crash" am Immobilienmarkt mit ähnlich verheerenden Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft wie während der Finanzkrise erwarten wir allerdings nicht. Dies liegt daran, dass die derzeit ausstehende Summe der Hypothekenkredite mit rund 10,2 Billionen US-Dollar etwas geringer ist als es vor zehn Jahren der Fall war und die Verschuldung in Relation zu den verfügbaren Einkommen deutlich niedriger ist als damals. Das Rezessionsrisiko bleibt 2019 von daher gering.

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